Der neue Uno-Ernährungsbericht zeigt nur wenig Fortschritt bei der Überwindung des weltweiten HungersVor allem in Afrika bleibt die Anzahl hungernder Menschen laut der Uno gross. Vermutlich kann keines der für 2030 gesteckten Ernährungsziele erreicht werden.22.07.2026, 17.45 Uhr3 LeseminutenMitarbeiter des Welternährungsprogramms der Uno verladen Grundnahrungsmittel in der Stadt Bangui in der Zentralafrikanischen Republik.Thomas Koehler / ImagoAuf den ersten Blick klingt es nach guten Nachrichten: Die Anzahl hungernder Menschen ist letztes Jahr zurückgegangen, wie der Welternährungsbericht 2025 der Uno zeigt. Während im Jahr 2024 etwa 8,1 Prozent der Weltbevölkerung an Hunger litten, waren es letztes Jahr noch 7,8 Prozent. Damit setzt sich ein bereits seit einigen Jahren anhaltender Trend zu besserer Ernährung und weniger Hunger in den armen Regionen der Welt fort.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese Entwicklung bietet für die Uno aber keinen Anlass zur Beruhigung. Angesichts des anhaltenden weltweiten Bevölkerungswachstums fällt der Rückgang hungernder Menschen in absoluten Zahlen verhältnismässig gering aus: So waren letztes Jahr 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen, 14 Millionen weniger als im Jahr 2024.«Es ist wieder nicht gelungen, bei der Überwindung des Hungers einen entscheidenden Schritt voranzukommen, denn bei dem derzeitigen Trend werden 2030 noch immer etwa 510 bis 520 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt sein», bilanziert der Generalsekretär der deutschen Welthungerhilfe Mathias Mogge den Ernährungsbericht gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA).Vor allem Afrika betroffenBesonders katastrophal gestalteten sich die Ernährungsbedingungen während der Corona-Pandemie: Um das Jahr 2020 stiegen die Hungerzahlen in fast allen Weltregionen drastisch. Seither konnten laut Uno aber insbesondere in Asien, Lateinamerika und der Karibik konstant Verbesserungen bei der Ernährung erzielt werden. So reduzierte sich der Anteil Menschen mit mittlerer bis schwerer Ernährungsunsicherheit in Asien von 2020 bis 2025 um über 5 Prozent.Auch angesichts einer rasant wachsenden Bevölkerung weist Afrika damit zum ersten Mal die höchste absolute Zahl hungernder Menschen auf. So lebten in Afrika 2025 etwa 309 Millionen hungernde Menschen, verglichen mit 292 Millionen in Asien. «Auf dem Kontinent wächst auch die Zahl derer, die sich keine gesunde Ernährung leisten können – 66 Prozent der Bevölkerung haben schlichtweg zu wenig Einkommen dafür», sagt der Experte Mathias Mogge über Afrika.Zurzeit sind laut Mogge viele der Länder mit hohen Hungerzahlen ausserdem einem gestiegenen Risiko ausgesetzt, da sie besonders unter den globalen Auswirkungen des Iran-Kriegs und der schwierigen Lage in der Strasse von Hormuz leiden, die die Preise für Treibstoff und Düngemittel in die Höhe treiben, Ernten gefährden und am Ende zu höheren Preisen für Nahrungsmittel führen.Höhere Preise für gesunde ErnährungProblematisch ist laut dem Bericht auch, dass Nahrungsmittel in den letzten Jahren deutlich teurer geworden sind. So sind die durchschnittlichen Kosten für eine gesunde Ernährung im Jahr 2025 weltweit kaufkraftbereinigt auf 4,28 Dollar pro Tag gestiegen, verglichen mit 2,94 Dollar im Jahr 2017.Etwa 2,69 Milliarden Menschen – fast ein Drittel der Weltbevölkerung – können sich keine gesunde Ernährung leisten, wie die Uno schreibt. Während sich die Lage in Asien und Lateinamerika durch wachsende Kaufkraft leicht verbessert hat, hat sich diese Entwicklung in Afrika jüngst verschärft.Weiterhin kommen aufgrund mütterlicher Mangelernährung zudem weltweit konstant viele Kinder mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht zur Welt; auch die Anzahl der Kinder mit ernährungsbedingten Wachstumseinschränkungen ist zuletzt nur schwach gesunken. Gleichzeitig stieg allerdings auch die Anzahl stark übergewichtiger Menschen deutlich.Die Welt ist damit nicht auf dem Weg, auch nur eines der sieben von der Uno gesteckten globalen Ernährungsziele für das Jahr 2030 zu erreichen. Zu diesen gehört es etwa, die Anzahl von Kindern mit Übergewicht oder mit Wachstumseinschränkungen stark zu reduzieren.Passend zum Artikel