Für Architektur hat sich Roland Korn bis zuletzt interessiert. Noch im Juni hat er sich in der Berliner Zeitung über die Bautätigkeit am Alexanderplatz geäußert, über die neuen Hochhäuser, die von weither zu sehen sind, die Sichtachsen verstellen und nicht aufeinander abgestimmt sind: „Da klatscht jeder Investor etwas hin, wie es ihm gerade passt. So versaut sich die Gesellschaft die meisten Städte.“
Der Architekt Roland Korn, 1973 zum Chefarchitekten der Hauptstadt der DDR ernannt, hat Ost-Berlin architektonisch geprägt wie kaum ein anderer, auch den Alexanderplatz. Etwa hat er das Hotel Stadt Berlin entworfen, das heute Park Inn heißt, und mit 125 Metern Höhe seit 1970 den Platz dominiert. Auch das Haus des Reisens am Alexanderplatz mit seinen markanten wellenförmigen Elementen im Sockel geht auf Roland Korn zurück, es wurde zwischen 1969 und 1971 von seinem Kollektiv im Stil der sozialistischen Moderne errichtet. Eigentlich war es zum Abriss vorgesehen, ein neues Hochhaus sollte an seine Stelle treten, doch dann wurde es 2015 unter Denkmalschutz gestellt.
Roland Korn, wenige Wochen vor seinem Tod (1930–2026)
© Privat
Roland Korn hat Anfang der 1960er-Jahre das Staatsratsgebäude errichtet, das als Prototyp für die DDR-Moderne galt, heute ist hier eine Hochschule untergebracht. Immer wieder war Korns Expertise auch im Ausland gefragt: So sollte er in Bagdad, Irak beim Stadtplanungsbüro arbeiten und dort bezahlbaren, aber guten Wohnraum schaffen, dann wurde er aber in Berlin gebraucht. Später beauftragte ihn die damalige chilenische Regierung unter Salvador Allende, Fertighäuser aus Holz zu entwerfen, um Slums in lebenswerte Wohngegenden umwandeln zu können. Ein Jahr war er dort, dann schickte ihn der Botschafter nach Hause, weil es in Chile politisch unruhig wurde. Er habe bis kurz vor seinem Tod noch Kontakte dorthin gepflegt, sagt sein Sohn Thomas Korn am Telefon. Er ist auch Architekt geworden.







