„Astra“ sollte das Hochhaus heißen, das im Westend dort gebaut werden sollte, wo die Schumannstraße auf die Bockenheimer Landstraße trifft. Hubertus von Allwörden hatte Anfang der Siebzigerjahre als Mitglied der Architektengemeinschaft Gerhard Balser für den Bauherrn Ignatz Bubis einen Turm entworfen, der sich abhob von vielen anderen, die in dieser Zeit entstanden sind. Die elegante Stahlkonstruktion erinnert an den Stil Egon Eiermanns, bei dem Allwörden und seine Büropartner in Karlsruhe studiert hatten. Gebaut wurde das Hochhaus auf dem zuvor durch Hausbesetzungen bekannt gewordenen Grundstück allerdings nie – es scheiterte an der Finanzierung.Hubertus von AllwördenDieter RüchelFür Allwörden wäre es ein Projekt von besonderer Bedeutung gewesen, wäre es doch in unmittelbarer Nähe seines Büros an der Schumannstraße und seiner Wohnung an der Mendelssohnstraße entstanden. Mit einer Höhe von 110 Meter wäre es in seinem Werkverzeichnis das höchste Gebäude. Das ist jetzt das 89 Meter hohe Bürohaus an der Alten Oper, das durch seine weiße Metallfassade in der Frankfurter Skyline auffällt. Er plante zudem weitere Hochhäuser in Frankfurt und Eschborn, darunter das Haus des Straßenverkehrs in Bockenheim und ein Wohnhochhaus an der Rothschildallee, bekannt wegen seiner grünen Fassade.Die Projekte, an denen Allwörden beteiligt war, ragen nicht nur in die Höhe, sondern führen auch in die Tiefe. So geht zum Beispiel die als große Halle konzipierte U-Bahn-Station Messe mit den markanten Lichtkegeln auf eine Planung der Architektengemeinschaft zurück. Bekannte Projekte in Frankfurt sind außerdem das Jüdische Gemeindezentrum im Westend (mit Salomon Korn) und die Ballsporthalle in Unterliederbach (mit Gabriela Seifert und Zvonko Turkali).Wachsamer Begleiter der StadtentwicklungDie Entwicklungen in der Mainmetropole kommentierte Hubertus von Allwörden, 1931 in Mecklenburg geboren und seit 1959 in Frankfurt ansässig, stets kritisch, aber mit der nüchternen Art des Norddeutschen. Von 1989 bis 1997 war er Vorsitzender des Städtebaubeirats. In dieser Zeit setzte er sich unter anderem für den Erhalt der früheren Naxos-Fabrik im Ostend und eine Wohnbebauung im Osthafen ein. Auch später blieb er ein wachsamer Begleiter der Stadtentwicklung, war bei vielen Veranstaltungen zur Architektur anzutreffen.Ein Anliegen waren ihm die Gebäude der Nachkriegszeit, die – wie die frühere Hochtief-Zentrale seines Lehrmeisters Eiermann – seiner Ansicht nach zu leichtfertig zum Abriss freigegeben wurden. Immer wieder meldete er sich mit kritischen Einwürfen zu Wort, etwa zum Umbau der Großmarkthalle durch die Europäische Zentralbank, den er ebenso ablehnte wie die Bebauung des Dom-Römer-Quartiers mit rekonstruierten Fachwerkhäusern.Dass diese dann doch gebaut wurden, hat Allwörden von Berlin aus verfolgt. 2009 war er nach 50 Jahren Frankfurt seiner Lebenspartnerin Ulrike Kolb zuliebe in die Hauptstadt gezogen. Dort ist er jetzt im Alter von 95 Jahren gestorben.