Architektenschreck, Bollwerk gegen Bausünden, konservativer Knochen oder kantiger Sozi im Kampf gegen die Megalomanie des Großkapitals, viel zu provinziell für die deutsche Hauptstadt und geradezu ein Segen für Berlin in den Glücksritter-Jahren nach der Vereinigung: Über Hans Stimmann konnte man schon zu seinen beiden Amtszeiten als Senatsbaudirektor denkbar konträre Bewertungen hören. Einig waren sich alle immer nur darin, dass der Mann mächtig und seiner Macht auch sehr bewusst war.

Stimmann selbst hat immer deutlich gemacht, dass sein Verständnis von Architektur wesentlich auf einer Maurerlehre in Lübeck fußte, wo er 1941 zur Welt gekommen und in einer Arbeitergegend aufgewachsen war. Auch sein Architekturstudium in Lübeck war nach eigenen Aussagen weniger akademisch geprägt als handwerklich. Es war aber ein akademisches Milieu, die Studentenbewegung um 1968 in Frankfurt, das ihn politisierte. Stimmann hatte dort eine Anstellung als Architekt gefunden und trat den Jusos bei.

Er hat oft betont, wie sehr die Reibung als junger Sozialdemokrat mit dem Establishment der Partei seine städtebaulichen Vorstellungen geprägt habe – vor allem ab den Siebzigerjahren in West-Berlin, wo er noch ein Studium der Stadtplanung drauflegte. Konkret ging es damals gegen den Flächenabriss von Kreuzberger Altbauten und innerstädtische Autobahnpläne, die unter Willy Brandt und Klaus Schütz als Bürgermeistern vorangetrieben worden waren.