Berlin. Wenn Katherina Reiche (CDU) vor Kameras tritt, zeichnet sie meist ein düsteres Bild der Lage. Schwache Konjunktur, strukturelle Probleme und deutsche Unternehmen in der Schieflage – darauf verweist die Bundeswirtschaftsministerin regelmäßig. Am Mittwoch war das anders. „Wir erleben etwas, was Mut macht und was nach vorne weist“, begann Reiche ihr Statement und bezog sich damit auf die „neue Gründungswelle“.Tatsächlich zeigt sich trotz tiefgreifender Probleme der deutschen Wirtschaft: Noch nie wurden so viele neue Unternehmen gegründet wie derzeit. Im ersten Halbjahr 2026 wagten 3053 Start-ups den Schritt in den Markt – 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025. Bereits 2025 war ein Rekordjahr mit knapp 3568 neuen Start-ups.Aber, so ist das mit der Wirtschaftsministerin: Die freudigen Nachrichten sind schnell auserzählt. Und tatsächlich zeigt sich trotz der mannigfaltigen Gründungsaktivität in Deutschland: In eine „Wachstumswelle“ hat sich das keineswegs übersetzt. „Wenn es also nicht an Talent, Kapital und Mut zu gründen mangelt: Was müssen wir eigentlich tun, um daraus echtes Wachstum zu erzeugen?“, fragte Reiche.Gründer Unveröffentlichtes Strategiepapier: Bundesregierung plant Fonds zur Beteiligung an Militär-Start-ups Start-ups reagieren positiv, aber nicht euphorischDer Ruf der Bundesregierung ist für viele bislang kaum mit dem Thema Start-ups und Scale-ups verbunden. Stattdessen halten sich die Vorwürfe, Schwarz-Rot betreibe rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik. Auch die Start-up-Szene selbst sprühte bislang nicht vor Begeisterung mit Blick auf die Koalitionäre.Ob sich das mit der neuen Strategie ändert?Der Ton der Betroffenen war am Mittwoch freundlich, aber nicht euphorisch. „Dass die Strategie nun endlich vorliegt, ist ein wichtiges Zeichen“, sagte Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Startup-Verbands. „Entscheidend ist jetzt, was daraus folgt: Aus dem Papier muss schnell Realität werden.“