Nach dem offenen Machtkampf um die AfD-Landesliste in Nordrhein-Westfalen streiten Landes- und Bundesvorstand nun darüber, wer einen Vermittlungsversuch scheitern ließ. Bei der Aufstellungsversammlung hatten sich die Lager um Landeschef Martin Vincentz und den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich bekämpft. Rund 90 Kandidaturen für Listenplatz 22 hatten den Parteitag zeitweise blockiert.

Nun erhebt der Bundesvorstand Vorwürfe gegen Vincentz. In einem Mitgliederrundbrief, der dieser Zeitung vorliegt, warnen Alice Weidel und Tino Chrupalla vor den Folgen des öffentlich ausgetragenen Streits. Die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen sei „in hohem Maße schädlich für unsere wahlkampfführenden Landesverbände“.

Der Bundesvorstand habe bereits am Montag eine Mediation zwischen den Konfliktparteien eingeleitet. Vincentz habe den Vermittlungsversuch jedoch „nach wenigen Minuten“ abgebrochen. Man habe daher „mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen“, dass der Landeschef anschließend behauptet habe, der Bundesvorstand habe keinen Kontakt gesucht und sei für berechtigte Argumente nicht empfänglich gewesen.

Warum Vincentz die Mediation abbrach

Vincentz hatte den vorgeschlagenen Vermittler Fabian Wiesinger als befangen zurückgewiesen. Wiesinger sei bei der europäischen ESN-Fraktion beschäftigt und damit mittelbar einem Mitglied des Bundesvorstands tätig, das Vincentz dem Lager um Weidel und Helferich zurechnet. Zudem arbeitet Wiesinger für die Europaabgeordnete Irmhild Boßdorf, die Mitglied der internen Chatgruppe „Operation Filibuster“ gewesen sein soll. Vincentz warf dem Vermittler deshalb vor, möglicherweise selbst an den Planungen zur Blockade der Versammlung beteiligt gewesen zu sein.