Aus 61 Mitgliedern sind innerhalb eines Jahres 139 geworden. Das zugesagte Investitionsvolumen bis 2028 ist von 631 auf nun 800 Milliarden Euro gewachsen. Die Vorstandsvorsitzenden von Siemens und Deutscher Bank, Roland Busch und Christian Sewing, sehen die von ihnen vor einem Jahr angestoßene Standortinitiative „Made for Germany“ auf dem richtigen Weg. In einer Telefonkonferenz sagte Sewing am Dienstag gegenüber Journalisten, dass die Initiative schon Wirkung zeige. Busch kündigte an: „Wir bleiben auf dem Gaspedal.“Beide lobten das Reformpaket der Bundesregierung als wichtiges Signal. Daran habe die Initiative mitgewirkt. Doch nach Ansicht von Siemens-Chef Busch müssen noch weitere Schritte folgen, damit die deutsche Industrie wettbewerbsfähig bleibe. Er sieht es als Herausforderung, in einer überalterten Gesellschaft die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zu sichern. „Wir müssen mehr arbeiten“, lautete seine Kernbotschaft.„Sozialausgaben schlichtweg zu hoch“Busch sprach sich für eine Flexibilisierung der Arbeitszeit aus. Diese sollte nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche festgelegt werden. Die Vertrauensarbeitszeit will der Siemens-Chef beibehalten und die Teilzeit reduzieren. Seiner Ansicht nach ist weiterhin Immigration erforderlich, um Talente aus der Welt anzuziehen. Die Sozialabgaben hält Busch für „schlichtweg zu hoch“. Die Unternehmensteuer müsse reformiert werden, um mehr Investitionen zu ermöglichen. Zudem forderte Busch einen Bürokratieabbau.Sewing lobte das jüngst angekündigte Reformpaket, weil es die Zuversicht internationaler Investoren deutlich gestärkt und das Interesse am Standort noch einmal gesteigert habe. „Umso wichtiger ist, dass nun weitere entschlossene Schritte folgen, um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern“, sagte der Deutsche-Bank-Chef. Darüber will die Standortinitiative im September mit Vertretern der Bundesregierung in Berlin diskutieren. Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz die Initiative vor einem Jahr ins Bundeskanzleramt geladen hatte, wird das Treffen nun im Berliner Hauptsitz von Siemens stattfinden.Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens, und Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen BankdpaZEW sieht die Zahlen kritischNur mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen kann Deutschland nach den Worten von Siemens-Chef Busch neue Wachstumsdynamik entfalten. Weder er noch Sewing wollten sich konkreter zu den zugesagten Investitionen äußern. „Wir vertrauen den Angaben der Unternehmen“, sagte Busch. An den Zahlen – ursprünglich 631 Milliarden Euro, nun mehr als 800 Milliarden Euro bis 2028 – gab es immer wieder Kritik.Zum einen war unklar, ob die Summe nicht schon lange geplante Investitionen enthält, zum anderen, wie hoch die durch die Initiative angestoßenen zusätzlichen Investitionen ausfallen. Die von der Initiative angekündigten Investitionsziele bezeichnete Christian Rammer vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW im Gespräch mit der F.A.Z. als „schwierig nachvollziehbar“. Dem Projektleiter im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ fehlt die Transparenz, welche Ausgaben in den Summen enthalten sind.Zudem gehörten der Initiative Beteiligungsgesellschaften und Banken an. Beteiligungskapitalinvestitionen oder Kredite stellen für ihn jedoch keine Investitionen aus volkswirtschaftlicher Sicht dar. Busch sagte, dass in den Investitionssummen nicht nur die Ausgaben für Anlagen, sondern auch die für Forschung und Entwicklung berücksichtigt werden müssten. Doch dann ändert sich für ZEW-Forscher Rammer nichts an der Ausgabendynamik.Unternehmen investieren 53 Milliarden EuroSein Projektbereich hat anhand von Jahresabschlüssen und Schätzungen auf Basis früherer Angaben oder anderer Quellen die Investitionen der Mitgliedsunternehmen von „Made for Germany“ für das vergangene Jahr berechnet. Demnach haben die Unternehmen im vergangenen Jahr in Deutschland knapp 53 Milliarden Euro investiert, was einem Anstieg gegenüber 2024 von sechs Prozent entspricht.Im Ausland haben die Unternehmen der ZEW-Berechnung zufolge 122 Milliarden Euro investiert, was einem Anstieg von 3,5 Prozent entspricht. In Forschung und Entwicklung hatten deutsche Unternehmen im Jahr 2024 nach Zahlen des Stifterverbandes 92,5 Milliarden Euro investiert. Grundsätzlich hält Rammer die Initiative für richtig, weil sie ein wichtiges Signal für den Standort Deutschland sendet. „Es geht darum, der Unsicherheit zur weiteren Entwicklung entgegenzutreten und für Vertrauen in den Standort zu sorgen“, sagte er.Dem dürften Busch und Sewing zustimmen. Busch verwies auf die neuen Investitionszusagen von mehr als 800 Milliarden Euro, die zeigten, dass die Unternehmen an den Standort glauben. „Dieses Vertrauen ist ein starkes Signal – und zugleich ein klarer Auftrag an die Politik.“ Für Deutsche-Bank-Chef Sewing setzt „Made for Germany“ ein starkes Signal, dass es sich lohne, in Deutschland zu investieren. Als beispielhaft nennt die Initiative das neue Halbleiterwerk von Infineon in Dresden mit einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro.Busch und Sewing lobten zudem das Engagement ausländischer Unternehmen am Standort Deutschland. So baut der amerikanische Chiphersteller Global Foundries ebenfalls in Dresden für mehr als eine Milliarde Euro ein neues Werk. Ein weiteres Beispiel sind die Investitionen des Opel-Mutterkonzerns Stellantis in Rüsselsheim von mehr als einer Milliarde Euro. Auch Siemens-Chef Busch konnte für seinen Konzern Investitionen von einer Milliarde Euro vorweisen.
„Made for Germany”: Busch und Sewing fordern Reformen
Die Vorstandschefs von Deutscher Bank und Siemens ziehen nach einem Jahr eine positive Bilanz der Standortinitiative „Made for Germany“. Forscher kritisieren sie als wenig transparent.








