Wichtige Konzerne wollen 800 Milliarden Euro in Deutschland investieren. Sie loben die Merz-Regierung – fordern aber noch mehrDie Chefs von Siemens und der Deutschen Bank setzen dank den Reformplänen der Politik wieder Hoffnung in den Standort. Roland Busch sagt trotzdem: «In Summe müssen wir in Deutschland mehr arbeiten.»21.07.2026, 14.14 Uhr4 LeseminutenChristian Sewing (links) und Roland Busch (Mitte) fordern von Friedrich Merz (rechts) noch mehr Tempo bei den Reformen.Halil Sagirkaya / ImagoVollends zufrieden sind Roland Busch und Christian Sewing noch nicht, als sie am Dienstagmorgen über den Wirtschaftsstandort Deutschland sprechen. Aber immerhin haben die Konzernchefs von Siemens und der Deutschen Bank jetzt Hoffnung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor einigen Wochen hat die deutsche Regierung endlich präsentiert, worauf viele Wirtschaftsführer schon lange warten: ein Reformpaket, das die Bürger und die Unternehmen entlasten soll.Manch ein Unternehmer möge sich mehr gewünscht haben, als darin herausgekommen sei, sagt Sewing. Aber die Regierung habe ein wichtiges Signal ausgesendet: «Es geht in die richtige Richtung.» Der CEO der Deutschen Bank erhofft sich aber noch mehr Tempo, noch mehr Mut. Auch Busch fordert: «Jetzt müssen die Massnahmen schnell und spürbar umgesetzt und weitere Reformen angegangen werden.»Das Urteil der beiden Konzernchefs dürfte den Kanzler freuen. Sie sind nämlich die Sprecher einer Initiative, die den Willen der deutschen Wirtschaft abbilden soll.Das 800-Milliarden-Euro-VersprechenVor einem Jahr waren Busch und Sewing massgeblich an der Gründung von «Made for Germany» beteiligt, einem Schulterschluss deutscher Unternehmen und Investitionsgesellschaften. Die Initiative sollte die Investitionen in Deutschland sichtbarer machen und so das Vertrauen in den Standort stärken. Zudem soll das Projekt für die Politik verdeutlichen, welche Massnahmen die deutsche Wirtschaft fordert.«Made for Germany» startete mit 61 Mitgliedern. Sie versprachen, bis 2028 mehr als 630 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Seither haben sich weitere Unternehmen angeschlossen. Jetzt vereint die Initiative 139 Mitglieder, die Summe der versprochenen Investitionen wächst auf 800 Milliarden Euro. «Die Unternehmen glauben an den Standort Deutschland», sagt Busch.An «Made for Germany» gibt es jedoch auch Kritik. Manche halten die Initiative für ein geschicktes PR-Projekt. Es suggeriere zusätzliches Engagement der Unternehmen in Deutschland, dabei zeige es nur Investitionen auf, die so oder so angefallen wären. Zudem gibt es für die versprochene Summe keine Verbindlichkeit. Die Firmen teilen den Koordinatoren des Projekts ihr geplantes Investitionsvolumen mit, können dieses aber jederzeit auch wieder anpassen. Eine Übersicht darüber, wie die 800 Milliarden Euro konkret zusammenkommen, gibt es nicht.Intransparente ErhebungDas Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat die Geschäftsberichte der beteiligten Unternehmen untersucht. Sie investierten 2025 mehr als 50 Milliarden Euro in Deutschland, ein Zuwachs von knapp 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber zu wenig, damit ein Investitionsziel von 800 Milliarden Euro in drei Jahren als realistische Grössenordnung erscheint.Christian Rammer, Projektleiter im Forschungsbereich Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik am ZEW, führt die Spannweite auf eine unscharfe Definition des Investitionsbegriffs zurück. So könnten Mitglieder der Initiative aus dem Private-Equity-Bereich darunter auch reine Finanztransaktionen wie die Übernahme einer deutschen Firma verstehen. «Das bläht die Summe auf, obwohl daraus kein direkter Nutzen für das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft entsteht», sagt Rammer.Im Kern verfolge «Made for Germany» ein hehres Ziel, sagt Rammer, denn ein deutliches Investitionsziel könne positive psychologische Effekte auslösen: «Bekennen sich Unternehmen zum Standort, ziehen andere nach.» Er würde sich jedoch wünschen, dass die Initianten transparenter nachweisen, wie die 800 Milliarden Euro zustande kommen.Die beiden Konzernchefs wehren sich auch am Dienstagmorgen gegen den Vorwurf der Intransparenz. Die 800 Milliarden Euro würden die konkreten Investitionspläne der Mitglieder abbilden, sagt der Deutsche-Bank-Chef Sewing: «Wir vertrauen ihnen, wenn sie zu diesen Zahlen stehen.» Es sei aber nie Ziel der Initiative gewesen, eine zweite Buchhaltung einzuführen.Gleichzeitig sagt Roland Busch: «Natürlich kann es vorkommen, dass Firmen aufgrund veränderter Aussichten ihre Pläne korrigieren müssen.» Vergangenes Jahr sei das vor allem in der Pharmabranche zu beobachten gewesen. Betroffene Firmen klagen, dass sich allem voran die neue Gesundheitsreform der deutschen Regierung negativ auf ihr Geschäft auswirke.Alles in allem entwickle sich das Vorhaben aber positiv, sagt Sewing. Viele Leuchtturmprojekte, beispielsweise neue Rechenzentren oder Chipfabriken, hätten sich im Verlauf des vergangenen Jahres konkretisiert. Und auch internationale Investoren würden wieder deutlich positiver auf Deutschland blicken. Unter der Bedingung, dass die versprochenen Reformen auch unverwässert umgesetzt werden.Viele Ideen, was noch besser werden sollUnd doch sehen Busch und Sewing noch viele Bereiche, in denen die Politik nachbessern soll. Deutschland brauche weniger Bürokratie, eine konsequente Digitalisierung, eine moderne Infrastruktur und wettbewerbsfähige Energiepreise. Die Sozialabgaben seien zu hoch, der Arbeitsmarkt zu starr, sagt Busch. Und fordert: «In Summe müssen wir in Deutschland mehr arbeiten.» Er schlägt steuerliche Vergünstigungen vor, damit beispielsweise mehr Arbeitnehmer von einem Teilzeit- in ein Vollzeitpensum wechseln.Der Siemens-Chef erklärt weiter: «Nur mit wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen kann Deutschland neue Wachstumsdynamik entfalten.» Es ist eine Nachricht, die er dem Kanzler schon bald persönlich klarmachen kann. Ende September wollen sich die Mitglieder von «Made for Germany» mit Vertretern der Bundesregierung im Berliner Hauptverwaltungssitz von Siemens treffen.Passend zum Artikel
Wichtige Konzerne loben die Merz-Regierung – fordern aber noch mehr
Die Chefs von Siemens und der Deutschen Bank setzen dank den Reformplänen der Politik wieder Hoffnung in den Standort. Roland Busch sagt trotzdem: «In Summe müssen wir in Deutschland mehr arbeiten.»









