PfadnavigationHomeSportTour de FranceWas wirklich hinter den nächtlichen Dopingkontrollen stecktStand: 12:26 UhrLesedauer: 3 MinutenUm den Schlaf gebracht: Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard erhielten zu ungewohnter Uhrzeit BesuchQuelle: AFP/JEFF PACHOUDDie Diskussionen um die um nächtlichen Dopingtests bei Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard gehen weiter. Nun wird bekannt, dass ein Richter sie genehmigte. Ein ehemaliger Doper und ein deutscher Teamchef rechtfertigen das Vorgehen.Die umstrittenen Dopingkontrollen in der Nacht von Titelverteidiger Tadej Pogacar und dem bereits ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard hat offenbar ein Gericht in Paris genehmigt. Wie die französische Sportzeitung L'Equipe berichtet, erhielt der Richter die Anfrage von der International Testing Agency (ITA). Es sei die erste Anwendung der 2015 in französisches Recht eingeführten Bestimmungen.Dopingkontrollen finden in der Regel zwischen 6.00 Uhr und 23.00 Uhr statt. Nächtliche Dopingkontrollen sind seit 2016 zwar auch möglich, unterliegen aber strengeren Richtlinien. Demnach muss der Richter das Vorliegen „schwerwiegender und übereinstimmender Verdachtsmomente“ prüfen, wonach der betreffende Radrennfahrer gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen hat oder dies unmittelbar bevorsteht. Zudem muss der Richter feststellen, ob die „Gefahr eines Beweisverlusts“ besteht.Ein Podcast, ein Champion, ein Rätsel – wer ist der Gast? Raten Sie mit: Abonnieren Sie WELTMeister bei Spotify, Apple Podcasts oder direkt per RSS-Feed.Der frühere Dopingsünder und heutige Radsport-Manager Jonathan Vaughters bestätigt: „2-Uhr-nachts-Tests sind eine der effektivsten Methoden, um das Mikrodosieren von Peptiden (EPO, hGH) und Testosteron zu verhindern“, schrieb der frühere Teamkollege von Lance Armstrong auf dem Portal X. „Hätte die UCI uns 2001 um 2 Uhr nachts getestet? Wir wären alle suspendiert worden und hätten dem Sport 25 Jahre Drama erspart.“ Verhältnismäßigkeit entscheidet über UhrzeitDie Tests müssen dabei eine Verhältnismäßigkeit zwischen dem Eingriff in die Rechte des Athleten und den Zielen des Anti-Doping-Kampfes gewährleisten. Die ITA rechtfertigte indes ihr Vorgehen. Ihr sei bewusst, dass nächtliche Kontrollen die Ruhe und Erholung der Radrennfahrer beeinträchtigen können.„Die ITA trägt jedoch im Auftrag der UCI (Radsport-Weltverband) die Verantwortung dafür, die Wirksamkeit des Anti-Doping-Programms im Radsport sowie die Integrität der Radrennen zu gewährleisten“, teilte die ITA der Nachrichtenagentur AP mit.Für Diskussionsstoff sorgte bei der Tour auch die Tatsache, dass im Gegensatz zu Pogacar und Vingegaard der französische Jungstar Paul Seixas – aktuell Vierter im Gesamtklassement – nicht nachts kontrolliert wurde.Auch Lipowitz und Evenepoel kontrolliertAm Montagabend wurden auch Remco Evenepoel, Florian Lipowitz und ihre Teamkollegen zu später Stunde von den Dopingkontrolleuren besucht, allerdings nicht in der Nacht. Alle acht Fahrer wurden am Montagabend gegen 22.00 Uhr kontrolliert, wie ein Sprecher des Red-Bull-Teams der dpa bestätigte. „Primär haben wir eine schwarze Vergangenheit im Radsport, und deswegen ist es gut, dass hier kontrolliert wird. Dass tief in der Nacht kontrolliert wird, das gibt das Reglement her. Es hindert natürlich schon die Regeneration, aber auch wir sind heute Nacht besucht worden, die Rennfahrer haben zum Teil schon geschlafen und haben die Kontrollen mitgemacht“, sagte Red-Bull-Teamchef Ralph Denk dem ZDF und ergänzte: „Es sorgt dafür, dass unser Sport glaubhaft ist, dass er sauber ist und deswegen gehört es auch dazu.“lwö