Jedes Jahr überlisten mehrere Passagiere am Flughafen Zürich die Ticketkontrolle. Wie kann das sein?Eine Frau schaffte es bis ins Flugzeug, ein Mann versteckte sich auf der Bordtoilette – und ein Dritter konnte sich ohne jegliche Sicherheitskontrolle in den Frachtraum eines Jets setzen.21.07.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenIm letzten Jahr registrierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt in Zürich sieben Fälle von unerlaubtem Betreten des Sicherheitsbereichs des Flughafens.Claudio Thoma / KeystoneWer einen Flug antritt, ist in der Regel gut beraten, sich schicksalsergeben den Kontrollen zu fügen, die die Behörden ersonnen haben. Diskussionen führen meist nirgends hin, Widerstand ist zwecklos – und die Sicherheit geht vor. Also werden brav Schuhe und Gürtel ausgezogen, Kosmetika eilig umgepackt, die verschiedenen Hürden des Parcours absolviert, die es auf dem Weg ins Flugzeug zu überwinden gilt. Umso erstaunlicher erscheint es da, wenn sich manche Leute um all diese Vorgaben foutieren. Und damit weit kommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vor dem Bezirksgericht Bülach wurde vergangene Woche der Fall eines Mannes verhandelt, der angeblich für ein Fussballspiel nach London fliegen wollte. Er hielt es aber nicht für nötig, sich eine Bordkarte zu besorgen. In der Anklageschrift der Zürcher Staatsanwaltschaft heisst es lapidar: «Der Beschuldigte passierte ohne Bordkarte oder andere Berechtigung die Bordkarten- und Sicherheitskontrolle beim Terminal 2 am Flughafen Zürich, betrat den sicherheitskontrollierten Bereich und verweilte dort unberechtigterweise.»Vorbei am Mitarbeiter, der sich abwendetWie dem Mann das gelang, blieb am Gerichtsprozess offen. Er sagte dazu nichts. Klar ist jedoch, dass es sich keineswegs um einen Einzelfall handelt.Im letzten Jahr registrierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt in Zürich sieben Fälle von unerlaubtem Betreten des Sicherheitsbereichs des Flughafens. Im Jahr davor waren es deren vier. Gezählt werden dabei nur die rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren. In all diesen Fällen haben Personen nicht nur die Kontrolle der Bordkarte, sondern auch die Sicherheitskontrolle passiert.Wie die Personen vorgingen, zeigt ein Fall von 2024, als es eine Frau ohne Bordkarte nicht nur zu den Gates, sondern sogar bis ins Flugzeug schaffte. Die Kontrolleure überlistete sie gemäss einem Strafbefehl, indem sie «rasch am Schalter vorbeiging, als sich der betreffende Mitarbeiter vom Durchgang der Bordkartenkontrolle kurzzeitig abgewandt hatte». Wie sie die zweite Kontrolle direkt am Gate umging, ist nicht bekannt, wie SRF berichtete.Die Frau flog erst auf, als die Flugzeugbesatzung bei der Zählung der Passagiere, dem obligaten «Headcount», eine Person zu viel bemerkte. Obwohl sie festgenommen worden war, wiederholte sie den Trick wenige Wochen später, indem sie sich dicht hinter eine Person mit gültiger Bordkarte stellte und mit dieser die Schleuse passierte. Auch in diesem Fall erreichte sie ihr Ziel letztlich nicht, nämlich gratis nach Barcelona zu fliegen.Einen ähnlichen Versuch unternahm im Sommer 2025 ein Mann auf einem Edelweiss-Flug nach Gran Canaria: Er schlich sich ohne gültige Bordkarte an Bord der Maschine und versuchte, sich bis zum Abflug auf der Flugzeugtoilette zu verstecken. Der Mann wurde von der Polizei abgeführt, der Flug konnte mit Verspätung starten.Beim Flughafen heisst es, man nehme alle derartigen Fälle ernst. Sie nähmen nicht zuletzt aufgrund des Passagierwachstums zu, würden dank Sensoren und Kameras aber in der Regel entdeckt. Man müsse die Anzahl Fälle ins Verhältnis setzen zu mehr als elf Millionen Passagieren, die jährlich ab Zürich flögen.Aus Sicht des Flughafens ist die Unterscheidung wichtig, ob Leute auch die Sicherheitskontrollen umgehen konnten oder nicht. Selbst in den Fällen, in denen jemand ohne Bordkarte weit gekommen sei, seien diese Personen auf die Sicherheit hin kontrolliert worden, sagt eine Sprecherin. Bei der Sicherheitskontrolle in Zürich wird die Bordkarte nicht kontrolliert.Allerdings ist es auch in Zürich schon vorgekommen, dass die Sicherheitskontrolle versagt hat. 2022 drang ein Mann in das Flughafengelände ein. Er überkletterte zuerst den Sicherheitszaun, stahl dann ein Fahrzeug und fuhr damit quer über das Rollfeld bis zum Terminal E.Dort drang er in den Frachtraum einer abflugbereiten Swiss-Maschine nach Brasilien ein. Erst als ein Mitarbeiter der Abfertigungsfirma Swissport den Eindringling im Flugzeug bemerkte und Alarm schlug, wurde die Polizei aktiv. Auch er gab später als Ziel einen Gratisflug nach Barcelona an.Die Flughafenverantwortlichen kündigten danach Massnahmen an, allerdings ohne ins Detail zu gehen. Nicht öffentlich bekannt ist beispielsweise, wie der Zaun gesichert ist, der eine Fläche von 953 Hektaren umfasst.Kein Fall ist in Zürich bis jetzt bekannt, bei dem es jemandem gelungen ist, unerkannt abzufliegen. Ausschliessen sollte man allerdings auch dies nicht. Das zeigt der Blick über die Landesgrenze.Der Reiz, Grenzen auszutesten2024 schaffte es ein 39-jähriger Norweger am Flughafen München an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, die Ticketkontrollen zu umgehen und ohne Bordkarte an Bord von Passagierflugzeugen zu schleichen. Beim ersten Mal fiel seine Anwesenheit im ausgebuchten Flugzeug nach Hamburg auf, weil ihm kein Sitzplatz zugewiesen werden konnte. Doch tags darauf flog er unbehelligt nach Stockholm.Auffällig ist, dass die Leute es oft mehrmals hintereinander wagen, die Kontrolleure zu düpieren. Bei manchen dürfte die Motivation offensichtlich im Austesten der Grenzen und im Überlisten der Kontrollen selbst bestehen.Dass sie nach einer Festnahme gleich den nächsten Versuch starten können, hängt auch damit zusammen, dass sie strafrechtlich gesehen kaum etwas riskieren. So wurde jener Mann, der den Flughafenzaun überklettert und damit einen der schwersten Sicherheitsverstösse der letzten Jahre in Zürich begangen hatte, zwar wegen Hausfriedensbruchs und Störung des Betriebs verurteilt. Aber bestraft wurde er lediglich mit einer Geldstrafe – einer bedingten.Passend zum Artikel
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Eine Frau schaffte es bis ins Flugzeug, ein Mann versteckte sich auf der Bordtoilette – und ein Dritter konnte sich ohne jegliche Sicherheitskontrolle in den Frachtraum eines Jets setzen.













