PfadnavigationHomeWeltplusBackstageAußenpolitikDie Welt sortiert sich neu. Wir waren vor OrtVeröffentlicht am 28.01.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Marlene Gawrisch/WELT; Ina Fassbender/AFP; Montage: Infografik WELT/skWer über Außenpolitik berichtet, muss flexibel sein. Die Lage ändert sich oft rasend schnell, nicht selten über Nacht oder am Wochenende. So auch am 3. Januar 2026.Die Welt war kaum im neuen Jahr angekommen, als der US-Präsident sie in Aufruhr versetzte. Mit einem gezielten Militäreinsatz ließ er den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro festnehmen und kündigte an, vorerst die Kontrolle über das Land zu übernehmen. Es dauerte nicht lange, da begannen die Spekulationen: Ist nun Grönland, über dessen Annexion Trump immer wieder fantasierte, als Nächstes dran? Wenn sich Weltpolitik im Stundentakt verändert, ist Einordnung entscheidend. Auch unsere WELT-Newsletter halten Sie über die wichtigsten Entwicklungen auf dem Laufenden – analytisch, verlässlich und pointiert.In den folgenden Tagen eskalierten die Drohungen aus dem Weißen Haus so sehr, dass wir die Entscheidung trafen: Ich fahre nach Grönland, um über die Reaktionen der Menschen vor Ort zu berichten. Es blieben nur ein paar Tage Vorlauf, um die Reise zu organisieren – von Flügen und Unterkünften bis zu Interviews und Terminen vor Ort. Da ich seit 2024 über die Politik der nordeuropäischen Länder berichte, konnte ich bereits ein Grundverständnis für den Konflikt und einige Kontakte aufbauen. Doch um so gut wie möglich vorbereitet zu sein, habe ich – wie vor jeder Recherchereise – unzählige Artikel und Analysen gelesen, Vorgespräche geführt und mögliche Gesprächspartner kontaktiert.Lesen Sie auchAber selbst die beste Planung, auch das ein ungeschriebenes Gesetz der außenpolitischen Berichterstattung, kann sich in wenigen Minuten in Luft auflösen. Ein umgeleiteter Flug ließ die ersten Termine in Grönlands Hauptstadt Nuuk platzen, nach einem Sturz auf Glatteis quittierte das Mikrofon für die Schalten bei WELT TV den Dienst, und die extreme Zurückhaltung der Grönländer gegenüber Journalisten stellte meine Toleranz für Abweisungen auf den Prüfstand. Da hilft nur: dranbleiben, den Mut nicht verlieren, nach Alternativen suchen. Und irgendwann gibt es sie, die Momente, in denen sich all der Aufwand auszahlt. Als die Bürgermeisterin von Nuuk tiefe Einblicke darüber gewährt, wie groß die Belastung durch Trumps Drohungen für die Grönländerinnen und Grönländer sind. Als plötzlich in der ganzen Stadt die Erfalasorput – die rot-weiße Landesflagge Grönlands – auftaucht und ein Zeichen des Zusammenhalts gen Washington schickt. Als in letzter Minute doch noch die Zusage für ein Interview mit dem Chef des dänischen Arktiskommandos kommt, der erste Artikel in Zusammenarbeit mit der POLITICO-Redaktion in Washington veröffentlicht wird, oder als nach der letzten Schalte des Tages die Sonne über dem schneebedeckten Fjord von Nuuk untergeht.Lesen Sie auchIm Redaktionsalltag ist nur gelegentlich Zeit für solche Reisen. Über viele Entwicklungen berichten wir aus Berlin, behalten die Lage in lokalen Medien und im telefonischen Kontakt mit Experten und Politikern im Blick. Die Recherchen vor Ort aber sind das Herzstück unserer Arbeit. Nur dadurch bekommt man ein Gefühl für die Länder, über die man schreibt und spricht, gelangt an exklusive Informationen – und knüpft dauerhafte und vertrauensvolle Kontakte, auf die man zurückgreifen kann, wenn die Welt sich mal wieder über Nacht neu sortiert.Herzliche GrüßeLara Jäkel Redakteurin im Ressort AußenpolitikDieser Beitrag entstand am 28. Januar 2026 in unserer Reihe „Backstage“, in der wir in zweiwöchigem Rhythmus den WELTplus-Abonnenten die Arbeit in der Redaktion vorstellen. Alle 14 Tage verschaffen wir Ihnen besondere Einblicke in den Redaktionsalltag wie diesen hier.
Außenpolitik: Die Welt sortiert sich neu. Wir waren vor Ort - WELT
Wer über Außenpolitik berichtet, muss flexibel sein. Die Lage ändert sich oft rasend schnell, nicht selten über Nacht oder am Wochenende. So auch am 3. Januar 2026.






