PfadnavigationHomeWeltplusBackstageAußenpolitikKrieg in Nahost – Der Blick aus zwei RollenVeröffentlicht am 11.03.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Abdel Kareem Hana/AP/dpa; Marlene Gawrisch/WELT; Montage: Infografik WELTWenn der Nahe Osten brennt, wird es in Berlin hektisch. Dieser Effekt bestimmt gerade meinen beruflichen Alltag mehr als bei anderen Journalisten.Denn bei WELT erfülle ich eine Doppelrolle, die es so meines Wissens sehr selten gibt in deutschen Medien: Einerseits bin ich im Ressort Außenpolitik von WELT für den Nahen Osten zuständig und reise immer wieder in die Region.Andererseits betreue ich gemeinsam mit meinem Kollegen Thorsten Jungholt das Auswärtige Amt, und so begleiten wir im Wechsel auch Außenminister Johann Wadephul auf dessen Reisen. Darum sehe ich die aktuelle Eskalation aus verschiedenen Perspektiven. Und der Umgang damit ist derzeit ziemlich intensiv.Das Auswärtige Amt lädt gerade besonders häufig zu Hintergrundgesprächen, Fachpolitiker sprechen gerne, aber lieber nicht öffentlich, die Diplomaten nahöstlicher Staaten in Berlin gehen gerade besonders gerne mit Journalisten essen oder Kaffee trinken – um ihre Sichtweisen zu verbreiten, aber auch um selbst neue Informationen zu erhalten. Man muss öfter seine Sicht der Dinge erzählen, sowohl bei unserem Sender WELT als auch in anderen Medien, deutschen und nahöstlichen. Und man telefoniert viel mehr als sonst. Das bedeutet viele Gespräche zu seltsamen Uhrzeiten, viel Koffein, viel Anspannung. Dabei ist die echte Krise tausende Kilometer weit weg.Lesen Sie auchDennoch spüre ich etwas davon. Etwa wenn ich mit Freunden in Israel telefoniere, die mit ihren Kindern ganze Tage im Bunker verbringen. Oder wenn ich mit iranischen Freunden spreche, die immer wieder dieselbe Nummer wählen, um nur alle paar Tage, oft für wenige Sekunden, mit ihren Kindern oder Eltern in Teheran und anderen Orten zu sprechen.Diese Gespräche sind weitaus schwieriger als die in den Cafés, Restaurants, Ministerien und Botschaften. Man hört ein Echo der Todesängste im Zentrum dieses Krieges. Und man bekommt Fragen gestellt, von beiden Seiten immer wieder dieselben: Wie lange geht das noch? Wie wird das enden? Wie geht es danach weiter? Dann möchte man gerne etwas Ermutigendes sagen. Aber man darf nicht lügen, weder als Journalist noch als Freund.Lesen Sie auchWenn mir das außenpolitische Berlin zu laut wird, schreibe ich meine Artikel manchmal im Café um die Ecke zu Ende. Ronaldo, der Besitzer, fragt mich oft nach der Entwicklung im Nahen Osten, während er meinen Kaffee macht, und je länger ich erzähle, desto mehr schüttelt er den Kopf. Dann merke ich, wie absurd die Geschichten aus diesem Teil der Welt klingen. Und dann denke ich, guter Journalismus muss da einen Sinn aufzeigen, wo auf den ersten Blick alles unsinnig erscheint. Nicht um die Welt rosiger zu zeichnen, als sie ist. Sondern weil es immer Gründe gibt, warum Menschen sich so oder so verhalten, selbst wenn sie irrational handeln.Wir Journalisten sind keine Psychologen und wir sollten keine Wahrheiten vorgeben, aber wir können mögliche Zusammenhänge erkennbar machen, damit der Leser selbst urteilen kann. Dabei hilft es sehr, wenn man die Region kennt, über die man schreibt. Darum überlege ich gerade ziemlich intensiv, wann und wie ich selber wieder an den Golf komme. Ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich Ihnen von dort berichten kann, statt aus dem langweiligen, lauten Berlin.Herzliche GrüßeDaniel-Dylan Böhmer, Senior Editor WELTDieser Beitrag entstand am 11. März 2026 in unserer Reihe „Backstage“, in der wir in zweiwöchigem Rhythmus den WELTplus-Abonnenten die Arbeit in der Redaktion vorstellen. Alle 14 Tage verschaffen wir Ihnen besondere Einblicke in den Redaktionsalltag wie diesen hier.