PfadnavigationHomeWeltplusBackstageAußenpolitikWie entscheidet Deutschland im Krisenfall? Ein journalistisches WargameVeröffentlicht am 11.02.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Dominik Schmitt/generative Illustration: WELT; Martin U.K. Lengemann; Montage: Infografik WELTHier schreibt Carolina Drüten, sicherheitspolitische Korrespondentin der WELT. Ich bin die Stimme und einer der Köpfe hinter unserem Podcast „Ernstfall – Was, wenn Russland uns angreift? Ein Wargame“. Vielleicht haben Sie es auf unserer Homepage, auf Spotify oder bei Apple Podcasts schon gesehen.Ein öffentliches, journalistisches Wargame hat es bisher in Deutschland noch nicht gegeben. Die Idee dazu entstand nicht am Schreibtisch, sondern aus eigener Erfahrung. Ich habe im vergangenen Jahr im Rahmen eines Seminars selbst an einem Wargame teilgenommen. Meine Rolle damals: der Iran. Ich empfand das als eine faszinierende Denkaufgabe. Es war ungewohnt und gleichzeitig erhellend, sich in eine völlig andere strategische Logik hineinzuversetzen.Wargames sind nichts Neues. Regierungen und Militärs nutzen sie seit Jahrzehnten, um Krisen durchzuspielen, Optionen abzuwägen, rote Linien zu testen. Ihre Ergebnisse allerdings sind geheim. Wir finden aber, dass es jeden in Deutschland etwas angeht, wie im Ernstfall Entscheidungen getroffen werden. Lesen Sie auchDeshalb haben wir ein eigenes Wargame durchgeführt, es dokumentiert, die Ergebnisse öffentlich gemacht. Und gefragt, wie eigentlich Deutschland reagieren würde, wenn Russland die Nato testet. Ob uns das gelingt, wussten wir vorher nicht. Dieses Wargame war auch für uns ein Experiment.An einem Tag Anfang Dezember 2025 haben wir an der Universität der Bundeswehr in Hamburg ehemalige Spitzenpolitiker, Militärs, Geheimdienstler und Sicherheitsexperten an einen Tisch gebracht. Zwei Teams, zwei Räume: ein „Blue Team“, das die deutsche Bundesregierung spielte, und ein „Red Team“, das den Kreml verkörperte. Mit unter anderem Peter Tauber, dem ehemaligen CDU-Generalsekretär, dem Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter, der Grünen-Politikerin Irene Mihalic und Eberhard Zorn, dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr. Das zugrunde liegende Szenario war fiktiv, aber realistisch angelegt: Nach einem Waffenstillstand in der Ukraine kommt es Ende Oktober 2026 zu einer asymmetrischen russischen Truppenkonzentration an der Grenze zu Litauen. Im Spiel eskaliert die Lage – auf Grundlage der Entscheidungen der Teilnehmer – weiter.Lesen Sie auchWir wissen, dass eine solche Vorstellung beängstigend ist. Wir wollen damit aber keine Panik verbreiten. Und es ist wichtig zu betonen, dass unsere Simulation keine Vorhersagen über die Zukunft trifft – sondern einzig über die Handlungsfähigkeit Deutschlands im Ernstfall. Und über unsere Schwächen.Nichts war geskriptet. Jede Entscheidung hatte Konsequenzen. Begleitet wurde das Ganze vom German Wargaming Center der Helmut-Schmidt-Universität, das als sogenannte „White Cell“ den Spielverlauf dokumentierte und strukturierte.Lesen Sie auchWir haben uns vorher viele Fragen gestellt: Reicht ein einziger Tag, um wirklich etwas herauszufinden? Können sich die Beteiligten auf ihre Rollen einlassen? Und lässt sich ein Instrument, das sonst hinter verschlossenen Türen genutzt wird, so öffnen, dass daraus am Ende ein journalistischer Erkenntnisgewinn entsteht? Am Ende hatten wir 23 Stunden Audio-Material. Für Sie haben wir daraus einen Podcast gemacht – fünf Folgen in insgesamt drei Stunden.Wir freuen uns, wenn Sie reinhören und uns Ihr Feedback und Ihre Fragen schicken, gerne an wargame@welt.de.Herzliche GrüßeCarolina DrütenKorrespondentin für internationale SicherheitDieser Beitrag entstand am 11. Februar 2026 in unserer Reihe „Backstage“, in der wir in zweiwöchigem Rhythmus den WELTplus-Abonnenten die Arbeit in der Redaktion vorstellen. Alle 14 Tage verschaffen wir Ihnen besondere Einblicke in den Redaktionsalltag wie diesen hier.
Außenpolitik: Wie entscheidet Deutschland im Krisenfall? Ein journalistisches Wargame - WELT
Hier schreibt Carolina Drüten, sicherheitspolitische Korrespondentin der WELT. Ich bin die Stimme und einer der Köpfe hinter unserem Podcast „Ernstfall – Was, wenn Russland uns angreift? Ein Wargame“. Vielleicht haben Sie es auf unserer Homepage, auf Spotify oder bei Apple Podcasts schon gesehen.






