PfadnavigationHomeWeltplusBackstageNewsNachrichten kennen keinen RedaktionsschlussVeröffentlicht am 03.06.2026Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Maskot/Getty Images, Marlene Gawrisch/WELT; Montage: Infografik WELTEs ist kurz vor 3 Uhr nachts in Deutschland, die Lichter im Berliner Newsroom sind längst aus. In Los Angeles kocht gerade Nudelwasser fürs Abendessen. Ich schreibe einen Text, der morgen früh als erste Geschichte auf unserer Website erscheinen soll.Auch sonst steht der grobe Fahrplan für die nächsten Stunden fest, bis Berlin wieder übernimmt: Autorentexte unserer Korrespondenten redigieren, eine TV-Kritik aufbereiten, unseren Iran-Ticker befüllen.Plötzlich ploppt in den Meldungen der Nachrichtenagenturen eine Eilmeldung auf: Schüsse beim Korrespondentendinner mit US-Präsident Donald Trump in Washington. Innerhalb von Sekunden ist das geplante Programm hinfällig.Noch während ich versuche, die Lage einzuordnen, klingelt mein Handy, Chatnachrichten gehen am Laptop ein. Zwei Kollegen von uns sind vor Ort, auch unser Chefredakteur Helge Fuhst. Sie schildern die Situation, versorgen mich mit Informationen und Zitaten. Auf der Onlineplattform X tauchen erste Videos auf, parallel laufen immer neue Agenturmeldungen ein. Jetzt gilt es, Ruhe zu bewahren, Fakten gründlich zu prüfen und die Ereignisse sauber zusammenzutragen. Was ist bestätigt? Was nur Spekulation?In den nächsten Stunden entstehen in enger Abstimmung mit den Kollegen eine Reihe von Artikeln, die Sie, liebe Leser, nach dem Aufwachen auf Ihrem Smartphone, Tablet oder Computer finden können. Die Nudeln sind da längst vergessen.Lesen Sie auchDieses Beispiel zeigt, warum eine 24-Stunden-Berichterstattung heute unverzichtbar ist. Nachrichten kennen keinen Redaktionsschluss. Gerade wenn in Deutschland die meisten Menschen schlafen, ereignen sich etwa in den USA und anderswo auf der Welt Entwicklungen, über die wir berichten wollen und müssen.Deshalb haben wir bei WELT ein rotierendes System etabliert: Durchgehend sind Kollegen in Los Angeles im Einsatz, die die Nachrichtenlage beobachten und die Berichterstattung über Nacht sicherstellen. So können wir unsere Leser rund um die Uhr informieren, ohne dass sich Kollegen in Deutschland regelmäßig die Nacht um die Ohren schlagen müssen.Seit März habe ich die Freude, genau das gemeinsam mit meiner Kollegin Celine Babachan für drei Monate zu übernehmen. Was das konkret bedeutet? Wir verfolgen die Nachrichtenlage, entscheiden, welche Entwicklungen relevant sind, schreiben Meldungen, redigieren Texte, wählen Bilder aus, feilen an Überschriften und bereiten Inhalte für die Seite auf. Für den Online-Auftritt tragen wir in der Nacht die volle Verantwortung. Während tagsüber in Berlin viele Kollegen gemeinsam arbeiten, sind wir nachts deutlich kleiner aufgestellt, teils allein. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, gleichzeitig darf die Sorgfalt nicht leiden.Dazu kommen große Live-Ereignisse. In den vergangenen Monaten haben wir unter anderem die Oscar-Verleihung begleitet, die sich nur wenige Kilometer von unserem Standort in West Hollywood entfernt abspielte, oder den Start und die Landung der Mondmission „Artemis 2“. Auch internationale Großereignisse, Naturkatastrophen oder wichtige politische Entwicklungen gehören regelmäßig zu den Ereignissen, die wir abbilden. Daneben betreuen wir Liveticker – mal über Wahlen, mal über Wale.Lesen Sie auchBesonders herausfordernd sind die nachrichtenarmen, ruhigen Nächte. Denn auch wenn wenig passiert, erwartet am Morgen niemand eine halb leere oder veraltete Nachrichtenseite. Dann heißt es, weiterzudenken: Welche Themen treiben die großen amerikanischen Medien um? Welche Entwicklungen gewinnen gerade an Dynamik? Hinter welcher vermeintlich kleinen Meldung könnte mehr stecken?Bislang ist es uns in jeder Schicht gelungen, den Kollegen in Berlin eine aktuelle Website zu übergeben und Sie am Morgen mit frischen Nachrichten, relevanten Analysen oder spannenden Geschichten zu versorgen. Und in den meisten Nächten schaffen wir es sogar, die Nudeln rechtzeitig vom Herd zu nehmen.Herzliche GrüßeJulia Ruck, Redaktionsleitung Online/ CvDDieser Beitrag entstand am 03. Juni 2026 in unserer Reihe „Backstage“, in der wir in zweiwöchigem Rhythmus den WELTplus-Abonnenten die Arbeit in der Redaktion vorstellen. Alle 14 Tage verschaffen wir Ihnen besondere Einblicke in den Redaktionsalltag wie diesen hier.