PfadnavigationHomeSportFußballWMPrivatjet112.000 Kilometer, fast drei Erdumrundungen – Wie sich Infantino die WM erflogVon Pete SymeStand: 13:50 UhrLesedauer: 5 MinutenNach dem WM-Finale wird Argentinien für den zweiten Platz ausgezeichnet. Die Spanier stehen Spalier für Messi und Co., US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino überreichen die Medaillen. Die Szenen im Video.Gianni Infantino jagt der WM in Nordamerika im Luxusjet hinterher – fast drei Erdumrundungen, kaum eine Tribüne ohne sein Gesicht. Während Fans über Rekordpreise schimpfen, reist der Fifa-Boss im Flaggschiff der Superreichen von Stadion zu Stadion.Fifa-Präsident Gianni Infantino hat es geschafft, innerhalb von 39 Tagen mehr als 40 WM-Spiele zu besuchen – dank des bevorzugten Zeitsparmittels der globalen Elite: eines Privatjets. Eine Analyse von Business Insider, das wie „Bild“ und WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört, zeigt: Bis zum Finaltag legte Infantino rund 112.000 Kilometer zurück. Das entspricht fast drei Erdumrundungen.Der „Guardian“ hatte zuerst berichtet, dass Infantino einen von Qatar Airways bereitgestellten Privatjet nutzte. Die Fluggesellschaft war im Rahmen eines Sponsoringvertrags offizieller Airline-Partner der Weltmeisterschaft.„Business Insider“ wertete Fotos, Fernsehübertragungen und Instagram-Beiträge aus, um Infantinos Aufenthaltsorte während des Turniers nachzuverfolgen. Sie stimmten mit den Flugbewegungen einer Gulfstream G650ER überein, die Qatar Executive gehört, der Privatjet-Sparte der Fluggesellschaft. Fifa und Qatar Airways ließen Anfragen nach einer Stellungnahme unbeantwortet.Auf Grundlage von Daten des Flugverfolgungsdienstes Flightradar24 wurden die mehr als 50 Flüge der Maschine vom Eröffnungsspiel bis zum Finale rekonstruiert. Eine Karte zeigt sämtliche Reisen, die Infantino während des Turniers innerhalb der USA, Kanadas und Mexikos unternahm. Eine Reise nach Katar in der Pause zwischen Viertel- und Halbfinale ist darauf allerdings nicht vollständig abgebildet.Am vergangenen Montag schrieb Infantino auf Instagram, er sei nach Katar gereist, um dem Emir sein Beileid zum Tod dessen Vaters auszusprechen. Die Reise umfasste vier Flugabschnitte: von Miami über Madrid nach Katar und anschließend über Madrid zurück nach Dallas. Insgesamt legte der Jet dabei rund 18.500 Kilometer zurück.Von Vancouver nach Miami – und zurückDie längste Strecke zwischen zwei von Infantino besuchten WM-Spielen führte von Vancouver nach Miami. Der fünfstündige Flug fand gleich zweimal statt. Von vier reinen Überführungsflügen abgesehen, war die kürzeste Reise ein 27-minütiger Flug von Seattle nach Vancouver am 6. Juli. Die beiden WM-Stadien liegen rund drei Autostunden voneinander entfernt.Lesen Sie auchWährend der Gruppenphase, dem ersten Abschnitt der Weltmeisterschaft, besuchte Infantino üblicherweise zwei Spiele pro Tag. Bis zum 27. Juni traten dabei alle 48 Mannschaften in ihren jeweiligen Gruppen gegeneinander an.Lesen Sie auchSein Tag mit dem größten Reisepensum war der 26. Juni. An diesem Tag legte der Jet rund 8850 Kilometer zurück: zunächst von Miami nach Dallas, wo Infantino die jordanische Nationalmannschaft in ihrem Trainingslager traf, anschließend weiter nach Seattle zum Spiel Ägypten gegen Iran und schließlich mit einem Nachtflug zurück nach Miami, wo am folgenden Tag die nächste Partie anstand. Insgesamt dürfte Infantino während des fünfeinhalbwöchigen Turniers mehr als 140 Stunden an Bord des Privatjets verbracht haben.Präsenz in fast jedem StadionSeine häufigen Auftritte während der gesamten Weltmeisterschaft haben ihn selbst zu einem prominenten Gesicht des Turniers gemacht. Seine öffentliche Präsenz übertrifft die seiner Vorgänger deutlich.Bei Fernsehübertragungen war er immer wieder auf der Tribüne zu sehen. Zudem wurde Infantino mit Gästen fotografiert, die von Fußballlegenden wie Ronaldo bis zu politischen und royalen Würdenträgern wie dem norwegischen Kronprinzen und Marco Rubio reichten. Am Freitag trat er gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump bei einer Medienveranstaltung auf. Beim Finale saßen die beiden nebeneinander.Unter Infantinos Führung ist die Weltmeisterschaft 2026 teurer und wohl auch stärker kommerzialisiert worden als jede WM zuvor. Vor allem die Ticketpreise sorgten unter den Fans für erheblichen Unmut. Inflationsbereinigt lagen sie deutlich über den Preisen früherer Weltmeisterschaften. Bei der ersten öffentlichen Verkaufsrunde im April kosteten Plätze mit der besten Sicht auf das Spielfeld beim Finale 10.990 US-Dollar.Luxusjet der SuperreichenDie Gulfstream G650ER gehört zur Spitzenklasse der Privatjets. Eine neue Maschine kostet rund 65 Millionen Dollar. Zu den prominenten Besitzern eines solchen Jets gehörten unter anderem Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg.Auf ihrer üblichen Reiseflughöhe von rund 13.100 Metern erreicht die Maschine eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 980 Kilometern pro Stunde. Der Kabinendruck entspricht dabei einer Höhe von höchstens rund 1480 Metern – etwa halb so viel wie in einem gewöhnlichen Verkehrsflugzeug. Dadurch werden die Folgen von Jetlag und Flüssigkeitsverlust gemildert.Online-Angeboten für Charterflüge zufolge bietet die von Infantino genutzte Ausführung von Qatar Executive Platz für 13 Passagiere. Im hinteren Teil der Kabine befindet sich ein Sofa, das sich in ein Doppelbett verwandeln lässt.Lesen Sie auchInfantino besuchte in jeder der 16 Gastgeberstädte mindestens ein Spiel. Zwei der insgesamt 48 Mannschaften sah er allerdings nicht in Aktion: Jordanien und Deutschland. Am häufigsten verfolgte er die englische Nationalmannschaft – insgesamt bei fünf Spielen. Daneben fand er während des Turniers Zeit für weitere Termine: einen Fifa-Gipfel in Miami, einen Auftritt in der Sendung „Fox & Friends“ im New Yorker Studio des Senders sowie einen Medientermin im MetLife Stadium in New Jersey.Infantinos Reise zeigt exemplarisch, warum Vermögende bereit sind, Millionen für einen eigenen Privatjet oder Zehntausende Dollar pro Flugstunde für eine Chartermaschine auszugeben. Neben zusätzlicher Sicherheit und einer luxuriösen Kabine spart das Reisen im Privatjet vor allem wertvolle Zeit.Passagiere können die üblichen Warteschlangen an den Sicherheitskontrollen umgehen und direkt bis auf das Rollfeld gefahren werden. Statt sich nach den Flugplänen der Airlines richten zu müssen, können sie ihre Abflugzeiten weitgehend selbst bestimmen. Für Infantino erwies sich das offenbar als besonders hilfreich, denn auf seiner Reise durch Nordamerika musste er mehrfach äußerst knappe Zeitpläne einhalten.Running Gag in den sozialen NetzwerkenAm 22. Juni sah Infantino zunächst in Philadelphia das Spiel Frankreich gegen Irak. Wegen eines Gewitters begann die zweite Halbzeit jedoch mit zwei Stunden Verspätung. Anschließend flog der Jet zum Flughafen Teterboro in New Jersey und landete dort eine Stunde und 23 Minuten nach dem Anpfiff der Partie Norwegen gegen Senegal im nahe gelegenen MetLife Stadium. Fernsehbilder zeigten den Fifa-Präsidenten auf der Tribüne, als noch vier Minuten zu spielen waren.Auch in den sozialen Netzwerken sorgte Infantinos Fähigkeit, in kürzester Zeit zwischen den Stadien zu wechseln, für Kommentare von Fußballfans. Seine beinahe pausenlose Präsenz wurde dort zum Running Gag. Nutzer manipulierten mindestens zwei Aufnahmen, die ihn bei einem Spiel auf der Tribüne zeigten: Sie fügten nachträglich die TV-Ergebnisanzeige einer anderen Partie ein, die Infantino gar nicht besucht hatte. Die Fotomontagen erweckten so den Eindruck, als sitze der Fifa-Präsident zur selben Zeit in zwei verschiedenen Stadien.
Fußball-WM 2026: 112.000 Kilometer, fast drei Erdumrundungen – Wie sich Infantino die WM erflog - WELT
Gianni Infantino jagt der WM in Nordamerika im Luxusjet hinterher – fast drei Erdumrundungen, kaum eine Tribüne ohne sein Gesicht. Während Fans über Rekordpreise schimpfen, reist der Fifa-Boss im Flaggschiff der Superreichen von Stadion zu Stadion.














