Landrat Stefan Kerth (parteilos) ist bekannt für seine klaren Worte. Während sich viele Akteure hinter der sogenannten Brandmauer zurückziehen, spricht der Verwaltungschef von Vorpommern-Rügen Tabuthemen offen an. Ein bloßes Wegducken ist für ihn keine Lösung. Er fordert eine Rückkehr zur Realpolitik, ein Ende der Brandmauer.

Ob Migration, Wirtschaft oder innere Sicherheit – im linken Lager sieht Kerth aktuell keinerlei Bereitschaft für die dringend notwendigen Reformen. Das muss sich aus seiner Sicht dringend ändern. Und deshalb bricht er mit diesem ungeschriebenen Gesetz des Politikbetriebs.

Sorge um die Zukunft der nächsten Generation

„Es wäre für mich persönlich gewiss der bequemere Weg, im Strom mitzuschwimmen und die Brandmauerpolitik nicht zu hinterfragen“, sagt Kerth dieser Zeitung. Doch er blickt mit Sorge auf die Zukunft. „Hinterlassen wir unseren Kindern damit ein funktionierendes Land mit Meinungsfreiheit, sicheren öffentlichen Plätzen, Gleichberechtigung, Glaubensfreiheit und Toleranz?“ Da er daran erhebliche Zweifel hat, fordert er ein politisches Umdenken.

Seine jüngste Ankündigung, Koalitionen mit der AfD nicht mehr kategorisch auszuschließen, stieß in der Parteienlandschaft jedoch auf scharfe Kritik. Die SPD zeigte sich fassungslos und nannte die Ansichten gefährlich, während Die Linke öffentlich Kerths Eignung für das Amt des Landrats infrage stellte. Die CDU flüchtete sich in die kommunale Standardargumentation, wonach die Brandmauer Sache von Schwerin und Berlin sei. Im Kreis kümmere man sich lediglich um Kitas und Kreisstraßen.