Erstmals seit April wurden amerikanische Soldaten getötet: Eine Ausweitung des Kriegs zwischen Iran und den USA wird immer wahrscheinlicherDie iranische Führung erklärt das Abkommen über einen Waffenstillstand für hinfällig. Kommen Teheran und Washington aus der Spirale von immer härteren Angriffen und Gegenschlägen wieder heraus?19.07.2026, 15.04 Uhr4 LeseminutenDe facto befinden sich die USA und Iran wieder im Krieg: eine Frau läuft an einem Wandbild des getöteten Ayatollah Ali Khamenei in Teheran vorüber.Abedin Taherkenareh / EPADie Kämpfe zwischen Iran und den USA eskalieren weiter. Am Samstag wurden zwei amerikanische Soldaten bei einem iranischen Raketenangriff auf eine Militärbasis in Jordanien getötet. Sie sind die ersten amerikanischen Todesopfer seit der Unterzeichnung des brüchigen Waffenstillstandsabkommen zwischen Teheran und Washington im April. Am Sonntag führten die USA laut eigenen Angaben Vergeltungsschläge gegen Einheiten der iranischen Revolutionswächter aus, die für die Angriffe in Jordanien verantwortlich gewesen sein sollen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Amerikanische Kampfjets hatten laut iranischen Angaben in den Tagen zuvor Brücken, Tunnel und Bahnstrecken im Süden Irans bombardiert. De facto befinden sich beide Staaten wieder im Krieg. Eine Verhandlungslösung wird täglich unwahrscheinlicher.Iran wird kaum nachgebenIrans Aussenministerium verkündete am Wochenende, dass Teheran seinen Verpflichtungen im Waffenstillstandsabkommen nicht mehr nachkommen werde. Irans oberster Führer Mojtaba Khamenei bezeichnete Trumps Unterschrift unter dem Dokument als «wertlos». Die Islamische Republik hatte als Reaktion auf die amerikanischen Angriffe ebenfalls zivile Infrastruktur in den Golfstaaten attackiert. So meldete Kuwait, das ein Elektrizitätswerk und eine Entsalzungsanlage für Trinkwasser bei iranischen Angriffen getroffen wurden.«In den nächsten Tagen werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Eskalation sehen, denn Iran wird nicht nachgeben», sagt Danny Citrinowicz im Gespräch. Laut dem ehemaligen Leiter der Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdiensts haben die neuerlichen Angriffe der USA im Inneren des iranischen Machtzirkels die Überzeugung gestärkt, dass Verhandlungen mit Washington aussichtslos sind.Teheran dürfte mit weiteren Attacken auf den Golf und amerikanische Basen in der Region antworten. Aus iranischer Sicht schwächt jede Kompromissbereitschaft die eigene Verhandlungsposition. Ebenfalls ist es unwahrscheinlich, dass die katastrophale wirtschaftliche Lage im Land zu einem Umdenken in Teheran führt.Am Freitag hatte der iranische Rial ein neues Allzeittief im Vergleich zum Dollar erreicht. Laut dem staatlichen Statistikbüro stieg die Inflationsrate zwischen Ende Mai und Ende Juni um 4,5 Prozentpunkte auf 88,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Viele Iranerinnen und Iraner können sich laut Medienberichten schon jetzt kaum noch Lebensmittel leisten. Die von den USA wieder aufgenommene Blockade von iranischen Häfen führt zu weiteren Einbussen.«Die iranische Führung geht davon aus, dass die Lage im Land kurzfristig sehr hart sein wird», sagt Danny Citrinowicz. «Doch sie glaubt, dass die steigenden Energiepreise Trump langfristig zum Einlenken bewegen werden.»Bereiten die USA eine Bodenoffensive vor?Mit den Angriffen auf Strassen und Brücken, die in die südiranische Hafenstadt Bandar Abbas führen, wollen die USA offenbar die Versorgungsrouten Irans in Richtung der Strasse von Hormuz kappen. Es ist allerdings fraglich, ob diese Strategie aufgeht. «Iran braucht nur eine Rakete oder eine Drohne auf einen Tanker abfeuern und dann ist der Verkehr in der Meerenge wieder lahmgelegt», sagt Citrinowicz. Die Geschosse könnte Teheran auch aus dem Hinterland abfeuern.Bei einem amerikanischen Angriff wurde unter anderem eine Brücke zwischen Rudan und Bandar Abbas im Süden Irans zerstört.Amir Hossein Khorgooei / Handout Isna News Agency via EPADie Angriffe auf die Nachschubrouten haben ausserdem Spekulationen um den möglichen Einsatz von amerikanischen Bodentruppen befeuert. Laut dem «Wall Street Journal» wurden dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump jüngst Pläne für eine begrenzte Invasion von iranischen Inseln in der Nähe der Strasse von Hormuz vorgelegt.Donald Trump hatte diese Option im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox News zumindest nicht ausgeschlossen. Sein Vize J. D. Vance hatte allerdings dem möglichen Einsatz von Bodentruppen in Iran eine Absage erteilt.Eine Eskalation ist wahrscheinlichAuch jenseits einer Invasion haben beide Länder noch Möglichkeiten, um zu eskalieren. Trump hatte bereits gedroht, Irans Kraftwerke zu bombardieren. Noch haben die USA diesen Worten keine Taten folgen lassen. Bisher hat sich auch Israel aus den Kämpfen herausgehalten – offenbar auf Wunsch der USA. Iran hat derweil seine Raketenangriffe zwar ausgeweitet, scheint aber noch nicht gewillt, seine Verbündeten in den Schlagabtausch einzubinden.Die libanesische Hizbullah-Miliz wie auch die jemenitischen Huthi haben die iranischen Attacken bislang noch nicht flankiert. Vor allem aus Jemen droht Ungemach: Sollten die Huthi Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab am Roten Meer beschiessen, wäre eine weitere wichtige Exportroute für Erdöl blockiert.Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat Irans Führung die Huthi gebeten, sich für diese Option bereitzuhalten, falls die USA iranische Energieinfrastruktur angreifen. Sowohl Teheran als auch Washington könnten ihre Attacken also noch ausweiten. Laut Danny Citrinowicz ist dieses Szenario am wahrscheinlichsten: «Sollte sich die Situation in den nächsten Tagen nicht dramatisch verändern, ist eine Eskalation unausweichlich.»Passend zum Artikel
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