Politische Debatten erzählen oft mehr über eine Gesellschaft als ihr eigentlicher Anlass. Sie zeigen, worüber gestritten wird und worüber nicht. Der Streit um Jens Spahn, der schließlich in seinem Rücktritt als Vorsitzender der Unionsfraktion mündete, ist dafür nur eines von unzähligen Beispielen.

Seit bekannt wurde, dass der Christdemokrat und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden sind, wird über Moral, Doppelmoral und christliche Werte diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob ein CDU-Politiker privat etwas in Anspruch nehmen darf, was seine Partei politisch ablehnt. Diese Frage zu stellen, ist legitim. Sie greift jedoch zu kurz. Denn sie lenkt den Blick von einer Entwicklung ab, deren Folgen in Teilen Ostdeutschlands längst sichtbar sind und die in den kommenden Jahren ganz Deutschland beschäftigen wird.

Die Politik kennt nur eine Richtung: Passivität

Seit Jahren werden deutlich weniger Kinder geboren, als für den Erhalt seiner Bevölkerung nötig wären. In Deutschland kamen zuletzt 654.241 Kinder pro Jahr zur Welt. Dies entspricht der niedrigsten Geburtenzahl seit 1946. Schon jetzt werden Schule geschlossen, weil Schüler fehlen. In ländlichen Regionen verschwinden Arztpraxen und Krankenhäuser. Gleichzeitig wächst der Anteil jener, die auf Pflege und medizinische Versorgung angewiesen sind. Eine kleiner werdende Zahl Erwerbstätiger muss Strukturen finanzieren, die für eine deutlich größere Bevölkerung geschaffen wurden.