Wer erinnert sich noch an Manoel Francisco dos Santos, an Garrincha, wie alle Welt ihn nannte? Ihm gelang 1962 etwas, das Messi am Sonntag erst noch gelingen muss und das seit 1962 niemandem mehr gelang (und davor nur Italien, 1938): den WM-Titel zu verteidigen. Brasilien und Garrincha besiegten damals in Santiago de Chile im Finale die Tschechoslowakei. Somit durften sie den Pokal behalten, den sie 1958 in Schweden gewonnen hatten. Dass Garrincha mitspielen durfte, war übrigens höchst bemerkenswert: Denn im Halbfinale war er vom Platz gestellt worden. Aber was es auch 1962 schon gab: dass ein Staatschef, in dem Fall der brasilianische, sich einmischte und die Sperre fürs nächste Spiel aufheben ließ. Mensch, Garrincha. 1933 kam er mit deformierter Wirbelsäule zur Welt, sein linkes Bein war ein O-Bein und sechs Zentimeter kürzer als das rechte, das ein X-Bein war. Erst dank einer Operation lernte der Junge das Laufen. Sein Genie am Ball überwand seine Einschränkungen nicht nur, es nutzte sie: Der auch nur 1,69 Meter kleine Mann mit seinem tiefen Körperschwerpunkt war zu Dribblings und Haken imstande, die kaum ein Gegner voraussah; das Bild aus dem WM-Finale deutet es an. Lange hielten Garrinchas Sehnen und Bänder den Fußball indes nicht aus; die Methode, seine Schmerzen mit Frauen und Cognac zu betäuben, geriet ihm natürlich zum Verhängnis. 1983 starb er an Leberzirrhose, mit 49. In der Erinnerung der Brasilianer bleibt er ein Held, ihr größter neben Pelé.