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Leihmutterschaft: Jens Spahn zum Rücktritt aufgefordert Jens Spahn ist mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater geworden. Hierzulande ist Leihmutterschaft verboten, die CDU ist gegen eine Legalisierung. Kritik kommt nicht nur aus der Politik.

Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaCDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn gerät in der Debatte über die Rechtmäßigkeit und Praxis von Leihmutterschaften immer stärker unter Druck. Mit Mecklenburg-Vorpommern forderte am Freitag ein erster CDU-Landesverband seinen Rücktritt. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz betonte, es bleibe in Deutschland beim Verbot der Leihmutterschaft.Am Montag werde das CDU-Präsidium über die Causa Spahn beraten. Spahn selbst sagte in einem „Bild“-Podcast auf die Frage, ob er weitermachen wolle, er werde mit der Fraktion reden. Am Ende könne nur sie darüber entscheiden, wie es weitergehe. „Für mich ist jedenfalls eins klar: Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.“Spahn, einer der mächtigsten Politiker in der schwarz-roten Koalition, und sein Mann sind Eltern geworden, indem in den USA eine Frau ein Kind für sie ausgetragen hat. Sie hatten dies in den vergangenen Tagen öffentlich gemacht. Beide sind in den USA als Väter anerkannt worden, was die Anerkennung in Deutschland nach sich zieht – auch wenn hierzulande Leihmutterschaften verboten sind.Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck war mit seinem Ehemann diesen Weg über eine Leihmutter in den USA vor wenigen Monaten gegangen. Zum Politikum wurde dies unter anderem, weil sich der CDU-Bundesparteitag im Februar ausdrücklich gegen Leihmutterschaften ausgesprochen hatte.„Das geht überhaupt nicht“„Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt“, sagte der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, zu „Bild“. „Die CDU steht für Glaubwürdigkeit und Klarheit, gerade in ethisch sensiblen Fragen. Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten.“ Peters warf Spahn vor, für sich in Anspruch zu nehmen, als Privatperson ganz anders handeln zu können, als er als CDU-Mandatsträger abstimme. „Das geht überhaupt nicht.“Auch mehrere Vertreterinnen der Frauen-Union, einer Unterorganisation der CDU, sprachen sich für persönliche Konsequenzen aus. „Wenn diese Glaubwürdigkeit verloren geht, ist Rücktritt eine Frage der Konsequenz“, sagte die Thüringer Landesvorsitzende der Frauen-Union, Marion Rosin.Spahn sagte in dem „Bild“-Podcast, dass er und sein Mann Daniel Funke „von Anfang an“ den Wunsch nach einem Kind gehabt hätten. „Jetzt sind wir Familie und freuen uns.“ Er spüre die neue Verantwortung gegenüber dem Kind und wolle ihm helfen, „hoffentlich ein guter Mensch zu werden, seinen Platz im Leben zu finden und auch was weiterzugeben“. Er sei als Christ bei dem Thema Leihmutterschaft lange zerrissen gewesen. Aber „das eine (sei) die reine Lehre und das andere das echte Leben“.Kritik der Kirchen an Jens SpahnKritik kommt auch aus den Kirchen: Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, teilte mit, in Deutschland gebe es ein klares Verbot der Leihmutterschaft. „Wenn nun ausgerechnet ein Politiker öffentlich macht, dass er im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch genommen hat, geht es auch um Doppelmoral und Glaubwürdigkeit.“Auch in der katholischen Kirche regt sich Kritik. Der Passauer Bischof Stefan Oster erklärte: Wenn „ein prominenter CDU-Politiker in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache bewusst verstößt - und damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt, halte ich das für einen echten Skandal.“Verwunderung über Spahns VorgehenSpahn wird in den eigenen Reihen auch vorgeworfen, dass er das Thema so lange verheimlicht habe. Kanzler Merz hatte Donnerstag gesagt, dass er vergangenen Freitag informiert worden sei. Spahn hatte sich Anfang Mai als CDU/CSU-Fraktionschef wiederwählen lassen.Er sei sich bewusst, wie sehr das Thema „in seiner ganzen Dimension menschlich, juristisch, gesellschaftlich, ethisch sehr viele Menschen im Augenblick in Deutschland aus diesem aktuellen Anlass bewegt“, sagte Merz während eines Termins im nordrhein-westfälischen Brühl auf die Frage, ob er Spahn verteidige. Der CDU-Vorsitzende betonte, dass es in Deutschland beim Verbot der Leihmutterschaft bleibe. „Wir haben dazu in Deutschland eine klare Rechtslage. Wir haben in der Partei, in der CDU einen Parteitagsbeschluss. Ich sehe nicht, dass an der Rechtslage oder an dem Parteitagsbeschluss Änderungen vorgenommen werden sollen.“Auch CSU-Politiker zeigten sich verwundert über Spahns Vorgehen. „Ich glaube, Jens Spahn wird jetzt erst mal erklären, warum er das getan hat oder was sein Beweggrund war“, sagte der bayerische Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek dem Bayerischen Rundfunk (BR). „Und er wird sicherlich auch die richtigen Schlussfolgerungen für sich aus diesem Thema ziehen.“Die Vorsitzende der Frauen-Union der CSU, Landessozialministerin Ulrike Scharf, erinnerte dem BR zufolge an das Verbot einer Leihmutterschaft in Deutschland und fügte hinzu: „Finanzielle Möglichkeiten dürfen nicht über moralische Grundsätze gestellt werden.“ CSU-Chef Markus Söder äußerte sich zunächst nicht.Spahn wurde auch aus Reihen der Opposition deutlich kritisiert. So warfen ihm Grünen-, Linke- und AfD-Politiker eine Doppelmoral und das bewusste Umgehen deutschen Rechts vor. rtr, dpa Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick