Aus Spargründen kommt es im internationalen Genf zur grossen «Züglete»In Genf tauschen das Menschenrechtsbüro und das Flüchtlingshilfswerk die Räumlichkeiten. Damit reagiert die Uno auf die gravierenden Liquiditätsengpässe.Eva Hirschi17.07.2026, 17.52 Uhr3 LeseminutenNeue Mieter im Palais Wilson am Genfersee: Das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte zieht aus, das Flüchtlingshilfswerk UNHCR ein.Laurent Gillieron / KeystoneDerzeit werden in Genf unweit des Bahnhofs am Ufer des Sees Umzugskartons gepackt und Aktenschränke ausgemistet: Das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte – die zentrale Instanz der Vereinten Nationen für den weltweiten Schutz und die Förderung der Menschenrechte – verlässt das geschichtsträchtige Palais Wilson.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im 19. Jahrhundert als luxuriöses Hotel gebaut, wurde das prunkhafte Gebäude im Neorenaissance-Stil zum Sitz des 1920 gegründeten Völkerbundes, des Vorläufers der Vereinten Nationen. Der Völkerbund galt als erste universelle und internationale Organisation für Frieden und Sicherheit. Im Gedenken an den früheren US-Präsidenten Woodrow Wilson, der das Projekt Völkerbund vorangetrieben hatte, erhielt das Gebäude 1924 seinen Namen.Spardruck zwingt zum Umzug1998 machte das Hochkommissariat für Menschenrechte das Palais Wilson zu seinem Hauptsitz. Doch nun verlässt die Uno-Organisation die alten Mauern und zieht in das H-Gebäude, einen modernen Glasbau auf dem Gelände des Uno-Hauptquartiers, wo sich bereits ein Teil des Menschenrechtsbüros befindet.Die Mietkosten seien ähnlich hoch. «Doch die Gesamtausgaben der Vereinten Nationen werden deutlich geringer ausfallen, da durch den zentralen Standort die Kosten für Sicherheit, Versorgung, Reinigung und Instandhaltung sinken», sagt die Pressesprecherin Marta Hurtado Gómez.Angedacht wurde die Zusammenlegung bereits vor zehn Jahren. Den Spareffekt braucht es jetzt aber dringender als je zuvor: Beitragskürzungen oder Zahlungseinstellungen einzelner Mitgliedstaaten haben im internationalen Genf zu gravierenden Liquiditätsengpässen geführt – nicht nur bei der Uno. Auch haben viele Länder ihre humanitäre Hilfe deutlich gekürzt. Tausende Stellen wurden in Genf bereits gestrichen. Einzelne Organisationen prüfen eine Verlagerung ins günstigere Ausland oder müssen gar um ihre Einstellung fürchten.Das Palais Wilson bleibt jedoch nicht leer: Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR wird voraussichtlich noch dieses Jahr in das Gebäude einziehen – ebenfalls aus Spargründen. Die Mietkosten liessen sich so um die Hälfte reduzieren, ohnehin sei der jetzige Standort unweit des Uno-Hauptsitzes wegen des Personalabbaus inzwischen zu gross, sagt der Pressesprecher Matthew Saltmarsh. Allein letztes Jahr wurde beim UNHCR über ein Drittel der Stellen am Hauptsitz in Genf gestrichen. Die Restrukturierung dauert aber noch an.Hinzu kommt: Der jetzige Standort müsse bald renoviert werden; auch dafür fehle das Geld. Was mit dem Gebäude an der Rue de Montbrillant geschieht, ist noch unklar. Es gehört nicht der Organisation selbst, sondern dem Bund und wird von der vom Bund und vom Kanton Genf 1964 gegründeten Stiftung für Immobilien der internationalen Organisationen (Fipoi) verwaltet. Das Palais Wilson gehört ebenfalls dem Bund.Weitere Umzüge möglichIn naher Zukunft könnte es in Genf zu weiteren Rochaden kommen: Der Spardruck auf die internationalen Organisationen ist nach wie vor hoch. Um die Attraktivität des Standorts Genf langfristig zu sichern, hat der Bundesrat 269 Millionen Franken zugunsten des internationalen Genf für die Jahre 2026–2029 bewilligt.Der Kanton Genf hat zusammen mit der Hans-Wilsdorf-Stiftung, der Eigentümerin der Rolex-Gruppe, ebenfalls finanzielle Unterstützung zugesagt: Mit einer neuen Stiftung und einem Budget von 50 Millionen Franken über fünf Jahre sollen die Massnahmen des Bundes gezielt ergänzt werden.Zusätzlich stellt der Kanton Genf 10 Millionen Franken und die Stadt Genf 2 Millionen Franken für das internationale Genf bereit. Die wegfallenden Beiträge wichtiger Geberstaaten lassen sich damit jedoch nicht annähernd kompensieren.Passend zum Artikel