«Wir legen sie lang»: Der Antifa-Rapper Danger Dan sollte ein Lied im ZDF aufführen, das Gewaltandeutungen enthält. Das ging dem Sender zu weitDanger Dans Lied «Keine Angst» beschreibt die Gründung einer Antifa-Zelle, mitsamt Grüssen an die «Hammerbande». Das ZDF sagte seinen Auftritt kurzfristig ab.17.07.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenGrüsse an die «Hammerbande»: Der deutsche Rapper Danger Dan an einem Konzert in Berlin.Pedro Becerra / Redferns / GettyIn den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland ein kurioses Musikgenre herausgebildet: der Antifa-Rap. Der gibt sich radikal, wenn etwa der bekennende Marxist Disarstar rappt: «Wir kommen in Schwarz, Digga / Mit paar Litern Ethanol / Keine Liebe für den Staat.» Und gleichzeitig ist er erfolgreich, Disarstar bespielt grosse Hallen und erzielt Millionen Klicks auf den Streaming-Plattformen. Das rhetorische Spiel mit der politischen Militanz zahlt sich aus.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz, hat als Antifa-Rapper Erfolg. In seinem Lied «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt» von 2021, das mittlerweile mehr als 80 Millionen Aufrufe auf Spotify hat, rappt er im Konjunktiv davon, «die Welt von den Faschisten zu befreien» und sie «zurück in ihre Löcher reinzuprügeln».Wohl weil seine Musik meist etwas kopflastiger und akademischer daherkommt als Disarstars, wenn auch nicht weniger politisch eindeutig, konnte er sie in der Vergangenheit in den deutschen Öffentlichrechtlichen präsentieren. Der 43-Jährige führte «Kunstfreiheit» in Jan Böhmermanns ZDF-Sendung «Magazin Royale» auf, begleitet vom Pianisten Igor Levit.«Ist eh klar, was zu tun ist»Etwas Ähnliches war auch für die hundertste Ausgabe der Kabarettsendung «Die Anstalt» geplant. Danger Dan wollte sein neues Lied «Keine Angst» mit Levit spielen, jedoch intervenierte die ZDF-Leitung und untersagte die Aufzeichnung. In einer Stellungnahme schrieb sie, das Lied könne als Aufruf zur Gewalt verstanden werden, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschliesse.Levit und Danger Dan sprachen am Donnerstag von einem skandalösen «Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit» und von «Zensur». Das Lied sei bereits vom Justiziar der Sendung genehmigt gewesen, die Aufzeichnung im letzten Moment abgesagt worden. Auch die «Anstalt» kritisierte den Entscheid.Das Lied beschreibt die Gründung einer Antifa-Zelle. Die AfD einerseits und militante Neonazis andererseits begreift der Rapper hierbei als zwei Seiten derselben Medaille. Er ruft über eine Klaviermelodie rappend dazu auf, klandestin Anti-Nazi-Partys zu organisieren, Graffiti zu sprühen und dabei stets darauf zu achten, nicht von der Polizei erwischt zu werden. Dann geht es um die Recherche über und Denunziation von politischen Gegnern, die ein wirksames Mittel der Auseinandersetzung sei: «Niemand wird ein Nazischwein als seinen Nachbarn möchten.»Im letzten Teil des Liedes wird Danger Dan explizit. Rechtsextremisten seien gefährlich: «Aber wir legen sie lang», rappt er und verweist auf die juristische Grauzone, in der er sich damit bewege. Und: «Ist eh klar, was zu tun ist, ich sag nichts mehr dazu.» Am Ende grüsst er noch «Lina, Gucci, Maja und Nanuk», ein eindeutiger Verweis auf die «Hammerbande», deren Vertreter wegen brutaler Angriffe auf vermeintliche oder tatsächliche Rechtsextremisten angeklagt sind oder bereits Gefängnisstrafen verbüssen.Er verabscheue Gewalt, sagte Danger DanEs liegt nahe, dass die ZDF-Leitung das als Gewaltaufruf interpretierte. Der Rapper wies das in einem Interview mit dem «Spiegel» von sich: Er rufe nicht zu illegalen Aktionen auf. «Ich verabscheue Gewalt», sagte er, antwortete aber wiederholt nicht direkt auf die Frage, ob er sich gegen Gewaltanwendung ausspreche. Vielmehr entgegnete er, jemand müsse sich um Neonazigruppen «kümmern». Dem Staat warf er sowohl Untätigkeit als auch Kumpanei mit Neonazis vor.Nichtsdestoweniger dürfte ihm die Absage seines Auftritts nicht unwillkommen sein. Zur Bewirtschaftung der radikalen Geste, mit der Danger Dan sich schmückt, trägt sie sicherlich bei. Zu viel Zuneigung von den Öffentlichrechtlichen wirkt wenig militant. Und auch kommerziell könnte sie sich lohnen: Seit seiner Veröffentlichung in der Nacht auf Freitag erreichte «Keine Angst» Hunderttausende Aufrufe auf Youtube.Passend zum Artikel