Noch verlief der deutsch-französische Ministerrat entspannt: Die deutsch-französische Transportstaffel flog Minister zum Schloss Augustburg bei Köln, und vor den Kameras tauschten Bundeskanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron freundliche Worte und lächelten dabei einander zugewandt.

Doch dies war Macrons letzter Ministerrat – und womöglich der letzte ohne eine Präsidentin oder einen Präsidenten des rechtsextremen Rassemblement National: Es ist möglich, dass die Partei nach der Präsidentschaftswahl im Mai 2027 das nächste Staatsoberhaupt stellen wird. Für Deutschland würde das wirtschaftspolitisch eine neue Zeitrechnung bedeuten.

Der Christdemokrat Merz und der wirtschaftsliberale Macron sind sich heute in vielen Punkten einig, etwa beim Bürokratieabbau, beim Ausbau des Jugendwerks, bei der KI-Zusammenarbeit und bei Hilfen für die Ukraine. Sollte Marine Le Pen die Präsidentschaftswahl gewinnen, müsste Merz mit einer wirtschaftspolitisch radikal anderen Regierung verhandeln.

Le Pens Chancen stehen heute so gut wie nie zuvor. Sie gewann nach dem jüngsten Gerichtsurteil, das ihr eine erneute Kandidatur 2027 erlaubt, sogar an Zustimmung. Obwohl die Richter die Rechtsextreme für schuldig befanden, rund vier Millionen Euro EU-Gelder veruntreut zu haben, würde derzeit mehr als jeder dritte Franzose für sie stimmen. Auch im zweiten, entscheidenden Wahlgang liegt sie momentan vor den bislang aussichtsreichsten Kontrahenten.