PfadnavigationHomeGeschichteArchäologieDiese ägyptische Prinzessin wusste mit Pfeil und Bogen umzugehenVon Antonia KleikampStand: 13:05 UhrLesedauer: 4 MinutenDiese Sphinx trägt den Namen der Prinzessin Ita und steht im Louvre in Paris Quelle: Rama/Wikimedia Commons/CC BY-SA 2.0 frNach rund 130 Jahren wurden erstmals Knochen aus sechs Grabkammern des Mittleren Reiches Ägyptens ausgewertet. Mithilfe neuer Methoden ergaben sich überraschende Erkenntnisse – die mit Waffengebrauch zu tun haben.Schmerzen hatte die Prinzessin wohl nicht – jedenfalls nicht wegen der Schmorlschen Knötchen an ihren Bandscheiben. An der Wirbelsäule von Ita, Königstochter aus der 12. Dynastie aus dem Mittleren Reich Ägyptens (20. / 19. Jahrhundert v. Chr.), fanden sich bei jetzt veröffentlichten bioarchäologischen Untersuchungen die pathologischen, aber nicht unbedingt gefährlichen Veränderungen. Sie deuten, so die Autoren der Studie, „auf axiale Belastung“ zu Lebzeiten hin. Kämen bei Frauen der ägyptischen Oberschicht solche Einbrüche von Bandscheibengewebe in angrenzende Wirbel vor, verweise das auf starke körperliche Belastung durch spezialisierte Bewegungsabläufe wie etwa beim Bogenschießen.Ita war möglicherweise eine Tochter von Pharao Amenemhet II., der etwa von 1926 bis 1895 v. Chr. regierte. Er selbst wurde in der Nekropole von Dahschur bei der mittelägyptischen Hauptstadt Memphis südlich von Kairo beigesetzt. Neben seiner wegen der späteren Nutzung als Steinbruch weitgehend zerstörten Pyramide wurde unter anderem das Grab von Ita gefunden. Bei ihrem Tode war sie 28 bis 34 Jahre alt und 151,4 bis 155,3 Zentimeter groß; ihr Skelett ist zu 57,8 Prozent erhalten. Ihre Grabkammer und weitere unverletzte Nebengräber hatte Jacques de Morgan, der Generaldirektor des Ägyptischen Antikendienstes, bei seiner Kampagne 1894/95 freigelegt. Doch die Knochen wurden seinerzeit nur zum kleineren Teil ausgewertet; später galten sie als verschollen. Erst 2020 wurden sie im Untergeschoss des bisherigen Ägyptischen Museums in Kairo wiederentdeckt – teilweise eingewickelt in Zeitungen aus dem Jahr 1895.Im Fachjournal „Frontiers in Environmental Archaeology“ weisen jetzt die Ägyptologen Zeinab Hashesh und Ahmed Gabr sowie die Bioarchäologin Roxie Walker aus London auf die bisher „unzureichende Nutzung bioarchäologischer Ansätze in der ägyptologischen Forschung“ hin. Durch die Kombination medizinischer und naturwissenschaftlicher Methoden entstehe „eine biokulturelle Erzählung über Gesundheit, medizinische Versorgung und Abstammung“.So weisen bei den insgesamt sechs untersuchten Skelettresten ausgeprägte Ansatzstellen von Muskeln und Bändern an Armen und Schultern auf wiederholte, körperlich fordernde Bewegungen hin. „Mitglieder der königlichen Familie, insbesondere die Frauen, betätigten sich aktiv bei anspruchsvollen und körperlich fordernden Aktivitäten wie Bogenschießen und Jagd“, schließt Zeinab Hashesh.Lesen Sie auchDies werde durch die Art und Weise gestützt, wie sich beispielsweise Itas Knochen entwickelten, um starker Muskelbelastung standzuhalten. „Wir fanden eine deutliche Entwicklung der oberen Gliedmaßen, die mit wiederholten, sehr intensiven Bewegungen zusammenhängt – etwa dem Spannen einer Bogensehne oder dem Stabilisieren einer Waffe.“Ihre Muskelansätze am Oberkörper deuteten darauf hin, dass sie regelmäßig Waffen wie Streitkolben oder Dolche benutzte. In ihrem Grab fand Jacques de Morgan unter anderem einen kunstvollen Dolch.Die Ergebnisse könnten die Debatte über die Bedeutung von Waffen in Frauengräbern vorantreiben. Lange Zeit wurden Begräbnisse mit Dolchen, Schwertern, Bögen und Ähnlichem pauschal als männlich, solche mit Schmuck pauschal als weiblich gedeutet. Doch zuverlässige anthropologische und genetische Methoden erlauben seit einiger Zeit eine genaue Geschlechtsbestimmung. Das Ergebnis war überraschend: In einer nennenswerten Zahl von Fällen erwies sich die Zuordnung nach Art der Grabbeigaben als genau falsch herum.Seither deutete man Waffen in Frauengräbern meist als symbolisch zu verstehende Beigaben. Die bioarchäologischen Befunde zu Ita und weiteren ägyptischen Prinzessinnen hingegen sprechen dafür, dass Bögen, Pfeile, Dolche und andere Waffen zumindest bei einigen Prinzessinnen keine bloßen Statussymbole waren.Bei der Prinzessin Nub Hotep sei besonders die Krümmung des zweiten Mittelhandknochens der rechten Hand auffällig. In Verbindung mit den in ihrem Grab gefundenen Pfeilen sowie weiteren biomechanischen Merkmalen interpretieren die Forscher das als Hinweis auf wiederholte Belastung, wie sie beispielsweise beim regelmäßigen Bogenschießen entstehe.Die ebenfalls untersuchten Knochen der Prinzessin Itaweret (einer anderen Person als Ita) zeigten wiederum Spuren von Verletzungen, die schlecht zur Vorstellung eines behüteten Lebens am Pharaonenhof passen. Sie überlebte den Untersuchungen zufolge gebrochene Rippen und Fußfrakturen, die höchstwahrscheinlich durch Unfälle, Stürze oder harte Schläge verursacht wurden, möglicherweise bei der Jagd oder militärischem Training.Mit dpa / sfk
Bioarchäologie: Diese ägyptische Prinzessin wusste mit Pfeil und Bogen umzugehen - WELT
Nach rund 130 Jahren wurden erstmals Knochen aus sechs Grabkammern des Mittleren Reiches Ägyptens ausgewertet. Medizinische und naturwissenschaftliche Methoden ergaben überraschende Erkenntnisse.












