Westlich des Nils gegenüber Luxor, dem antiken Theben, liegen etliche Nekropolen mit Bestattungen aus dem altägyptischen Neuen Reich, der Blüte der Pharaonenzeit. Am berühmtesten sind die Gräber im Tal der Könige, fast ebenso eindrucksvoll aber sind die Grüfte hoher Beamter rings um den Hügel des Sheikh Abd el-Qurna. Der Wandschmuck im Grab des Schreibers Nacht etwa oder der des Wesirs Ramose, die im 14. Jahrhundert vor Christus unter Pharaonen der 18. Dynastie dienten, gehören zu den schönsten Werken der altägyptischen Kunst.Paser und seine GattinCarina van den Hoven, 2026Nun wurde dort ein neues, also bislang unbekanntes Grab entdeckt. Ein Team um die niederländische Archäologin Carina van den Hoven von der Universität Leiden in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Antiken und Tourismus stieß darauf bei Konservierungsarbeiten östlich der Gruft des ebenfalls in die 18. Dynastie zu datierenden Schreibers Djehuty mit der Nummer TT45, wobei TT für „Theban Tomb“ steht. Wie die meisten anderen Felskammern in der Nekropole wurde auch die neu entdeckte Grablege schon in der Antike beraubt. Weder Grabbeigaben noch die Mumien der hier Bestatteten sind erhalten.Aber auch das neu entdeckte Grab ist reich ausgemalt und mit Hieroglyphen beschriftet. Auf den Bildern zu erkennen ist der mutmaßliche primäre Grabherr, ein Mann, dessen Name die Inschriften als „Pa ser“ angeben, was wörtlich so viel bedeutet wie „der Würdenträger“. Die Bilder zeigen ihn unter anderem, wie er verschiedenen Gottheiten huldigt, sowie zusammen mit seiner Gattin vor einem Opfertisch. Die Gemälde sind allerdings mit einer Schmutzschicht überzogen und müssen erst noch gesäubert werden, teilte die Gerda-Henkel-Stiftung mit, die van den Hovens Arbeit unterstützt.Die Grabanlage verfügt über einen Vorhof und besteht aus einer T-förmigen Felskapelle mit darunterliegenden Kammern, die einst die Sarkophage und Grabbeigaben aufnahmen. Auch ein sorgfältig geglättetes Podest aus Schlammziegeln, auf dem vermutlich einmal eine Grabstele stand, ist erhalten. Das Design der Anlage entspricht dem vieler anderer Gräber von Sheikh Abd el-Qurna, obgleich Paser etwas später lebte als Djehuty, Nacht oder Ramose, wie die Forscher aus dem Stil des Wandschmucks ableiten konnten: unter den Königen der 19. oder 20. Dynastie.Diese Epoche der altägyptischen Geschichte zwischen etwa 1292 und 1070 vor Christus wird auch als Ramessidenzeit bezeichnet, da insgesamt elf der damals regierenden Pharaonen den Namen Ramses trugen. Unter welchem König Paser diente und in welchen Funktionen, konnte noch nicht ermittelt werden. In der frühen Ramessidenzeit, unter den Pharaonen Sethos I. und Ramses II., gab es einen Wesir namens Paser, der mit dem Grabherrn der jetzt entdeckten Gruft aber wohl nicht identisch ist. Denn von dem Wesir Paser ist am Sheikh Abd el-Qurna mit TT106 bereits ein anderes Grab bekannt.
Grab eines altägyptischen Würdenträgers in Sheikh Abd el-Qurna entdeckt
An einem bei Freunden altägyptischer Kunst berühmten Ort stoßen Archäologen auf eine weitere bislang unbekannte, reich ausgemalte Grabkammer aus der Pharaonenzeit.











