«Dann kommt der Deutsche und will das natürlich verbieten»: Der Komiker Hamza Raya ärgert sich über die Rassismus-Anzeige gegen ihnAuslöser für die Anzeige war ein Judenwitz. Dabei geht es dem Zürcher um die Völkerverständigung.17.07.2026, 05.00 Uhr4 LeseminutenRassistische Witze sind das humoristische Kapital von Hamza Raya (links). Nun hat eines seiner satirischen Videos, das er mit dem Juden Sam Friedman aufgenommen hat, eine Anzeige ausgelöst.Screenshot / Bearbeitung NZZEr hat es kommen sehen. Eines Tages, so befürchtete Hamza Raya, könnte jemand rechtlich gegen ihn vorgehen, weil er rassistische Witze macht. Nun ist Raya, 41, Komiker aus Zürich Altstetten, tatsächlich angezeigt worden. Grund dafür ist ein Minivideo, das er in den sozialen Netzwerken publiziert hat und mit dem er die Antirassismus-Strafnorm verletzt haben soll.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In der kurzen Sequenz sitzt er seinem Freund Sam Friedman gegenüber und sagt: «Wie hiess die jüdische Fernsehserie aus dem Zweiten Weltkrieg? – Familien im Brennpunkt.» Beide lachen laut los.Der Ausschnitt stammt aus dem Video «Jude vs. Araber», das Raya Anfang 2024 auf Youtube gestellt hat. Darin erzählen Raya, Libanese und Muslim, sowie der Zürcher Sam Friedman, Schweiz-Israeli und Jude, einander bitterböse rassistische Witze. Es handelt sich um einen satirischen Beitrag. «Diese Witze sind weder antisemitisch noch islamophob gemeint, und ich habe das auch klar gekennzeichnet», sagt Raya zur NZZ. «Darum verstehe ich die Anzeige nicht.» Friedman selbst wurde nicht angezeigt, obwohl auch er in dem Video rassistische Witze reisst.Keineswegs habe er Hass oder Rassismus schüren wollen – im Gegenteil, sagt Raya. «Sam und ich wollen aufzeigen, dass Juden und Araber Freunde sein können, auch nach dem 7. Oktober.» Mit seinem Video wolle er einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. «Damit man in unserer Multikulti-Gesellschaft besser zusammenleben kann.»Via Meldeplattform zur StaatsanwaltschaftRaya hat die Anzeige in einem Beitrag auf Instagram thematisiert. Darin nennt er den Namen des Anzeigeerstatters, es soll sich um einen Mann aus Leipzig handeln. Raya macht sich im Beitrag lustig darüber: «Der dachte sich: Nein, nein, nein, nein! Da ist ein Jude und ein Araber, die haben zu viel Spass. Und dann kommt der Deutsche und will das natürlich verbieten.»Der Komiker erklärt auch, wie die Anzeige eingegangen sei: Deren Urheber habe das Video auf der Online-Plattform «Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet» in Niedersachsen gemeldet. Diese ist bei der Staatsanwaltschaft Göttingen angesiedelt. Von dort aus ging die Anzeige an die Zürcher Staatsanwaltschaft, die den Vorwurf nun prüft.In der Schweiz gibt es eine ähnliche Plattform. Sie wurde lanciert von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Etwas kryptisch heisst es auf der Website: Gemeldete Inhalte, die den Tatbestand der Rassendiskriminierung erfüllten, könnten eine Strafanzeige auslösen.Im Jahr 2024 gingen dort 302 Meldungen ein. Die zuständige Projektleiterin sagte zu SRF, dass nur «eindeutige Fälle» an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet würden. Keine Anzeige werde etwa erstattet, wenn der Bezug zur Schweiz fehle.Für Hamza Raya geht es um viel. Die rassistischen Witze, die solche Ressentiments gerade entlarven wollen, sind seine Paradedisziplin. Er bestreitet damit seine Bühnenprogramme. Die Videos, die Raya in den sozialen Netzwerken postet, werden tausendfach geklickt. Nun steht die Frage im Zentrum, wie weit sein Humor und Satire generell gehen dürfen.Aus diesem Grund hat er den Prozess um den Influencer Mirco Casorelli alias «Bireweich» aufmerksam mitverfolgt. Casorelli war wegen eines seiner Beiträge wegen «Diskriminierung» und «Aufruf zu Hass» per Strafbefehl verurteilt worden. Diesen akzeptierte er aber nicht und ging vor das Kantonsgericht Schaffhausen.Hamza Raya sass im Gerichtssaal, als Casorellis Fall verhandelt wurde. Und er nahm das Urteil erleichtert zur Kenntnis: Der Influencer wurde freigesprochen. Allerdings zieht die Staatsanwaltschaft das Urteil ans Obergericht weiter.Spendenaufruf für AnwaltskostenUmso mehr ist Raya gespannt, wie es mit seinem eigenen Verfahren weitergeht. Vor einigen Tagen wurde er von der Kantonspolizei für eine Befragung vorgeladen. Derzeit befindet sich die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in der Prüfung. «Bis ich wieder etwas höre, haue ich noch 200 Judenwitze heraus.»Für ihn ist klar: Sein Bühnenprogramm wird er nicht anpassen, und er wird weiterhin rassistische Scherze machen. «Die allermeisten Leute verstehen meine Absicht dahinter sehr wohl.»Er habe in den letzten Tagen viel Solidarität erfahren. Unterstützung erhält er insbesondere vom «Bündnis Redefreiheit», das ihm einen Anwalt zur Seite gestellt hat und diesen auch zahlt. Auf der Spendenplattform Gofundme wird Geld gesammelt, um die Anwaltskosten zu finanzieren. Bisher sind knapp 5000 Franken zusammengekommen.Raya hofft, dass es nicht zu einer Anklage kommt. «Der Freispruch von ‹Bireweich› hat mir gezeigt, dass Redefreiheit in der Schweiz einen hohen Stellenwert hat», sagt er. «Ich habe Vertrauen in den Rechtsstaat.» Sollte er dennoch angeklagt werden, sei er bereit, ein allfälliges Urteil bis ans Bundesgericht weiterzuziehen.Passend zum Artikel
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