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Ich habe kürzlich einen Sonntagsgottesdienst in einer alten Kathedrale in Mitteldeutschland besucht. Die Bänke waren nur spärlich besetzt, fast ausschließlich von älteren Menschen. Zum Abschluss bat der Pfarrer um Spenden für Gemeinden in Tansania. Der Kontrast hätte größer kaum sein können. Nach drei Jahrzehnten in Ostafrika weiß ich, dass die Kirchen dort sonntags überfüllt sind – voller Kinder und junger Familien. Warum also priorisiert eine Kirche, die im eigenen Land sichtbar an Bedeutung verliert, ausgerechnet Menschen auf der anderen Seite der Welt?

Mir ist aus dieser Erfahrung und anderen ähnlichen jedenfalls offenbar geworden, wie sehr sich meine Perspektive auf das subsaharische Afrika von den vorherrschenden Ansichten im Westen unterscheidet, und ich glaube, dass der Moment gekommen ist, um zu erklären, warum.

Trotz des Fokus auf Armut und des verzweifelten Bedarfs an internationaler Hilfe wachsen die Bevölkerungen im subsaharischen Afrika (SSA) rapide. Zu einer Zeit, in der viele westliche Länder mit einer Geburtenkrise konfrontiert sind, deuten aktuelle Prognosen darauf hin, dass SSA bis Ende dieses Jahrhunderts vier Milliarden Menschen erreichen könnte.