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Am 27. Mai veröffentlichte die Berliner Zeitung einen offenen Brief des renommierten US-amerikanischen Ökonomen und Diplomaten Jeffrey Sachs an Bundeskanzler Merz. Sachs forderte ihn darin auf, einen offenen Krieg mit Russland zu vermeiden.

Sicher, auch Sachs ist wie zahlreiche Kritiker der westlichen Sichtweise auf den Ukraine-Krieg nicht unumstritten, doch kann ich in seiner Aufforderung, Diplomatie gegenüber Russland zu suchen, nichts derart Verwerfliches finden, welches das Schweigen des Kanzlers gegenüber diesem renommierten Wissenschaftler rechtfertigt. Hat Jeffrey Sachs, haben wir alle keine Antwort auf diese brennende Frage verdient?

Ich stelle die Frage von einer anderen Seite aus, die vielleicht zu simpel, zu volkstümlich, zu einfach erscheinen mag: Ich stelle sie von der Seite meiner Generation aus, die von einer von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges, mitunter sogar von zwei Weltkriegen geprägten Eltern- und Großeltern-Generation erzogen wurde.

Das ist für mich übrigens keine Ost-West-Frage, keine kritiklose Russland-Freundlichkeit, die uns „DDR-Sozialisierten“ oft unterstellt wird: Ich kann nicht beurteilen, welche Erzählungen aus Kriegszeiten Frau Merkel im beschaulichen Templin als Kind und Jugendliche zu hören bekam, ebenso wenig, ob und was Herr Merz im Sauerland von Eltern und Großeltern über Schrecken des Krieges erfuhr. So wie ich das nicht beurteilen kann bei allen anderen aktuellen Politikern, die zu „Kriegstüchtigkeit“ und Hochrüstung aufrufen. Leider kocht in mir angesichts aktueller Entwicklungen die Angst hoch, dass sich Geschichte doch wiederholen kann – und die Lehren aus zwei brutalen Weltkriegen nichts mehr zählen. Und nicht mehr erzählt werden.