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Jeffrey Sachs’ offener Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz ist als Appell für den Frieden formuliert. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine einseitige Anklageschrift gegen Deutschland, Europa und die Nato, in der Russlands Verantwortung relativiert und zugleich die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit der Ukraine nahezu ausgelöscht werden.
In einem Punkt hat Sachs recht. Diplomatie ist wichtig. Europa darf sich niemals in einen größeren Krieg mit Russland treiben lassen. Kommunikationskanäle müssen offen bleiben – besonders im Atomzeitalter. Doch Diplomatie kann nicht auf historischen Verzerrungen aufbauen.
Sachs stellt die Nato-Osterweiterung als Hauptursache des Krieges dar. Doch der Bukarester Gipfel von 2008 gab der Ukraine weder einen „Membership Action Plan“ noch einen konkreten Zeitplan für eine Mitgliedschaft oder Sicherheitsgarantien der Nato. Die Erklärung hielt lediglich fest, dass die Ukraine und Georgien „eines Tages Mitglieder werden“. Der Prozess blieb bewusst vage und undefiniert. Das mag strategisch unklug gewesen sein – aber es war keine bevorstehende Nato-Übernahme der Ukraine.






