Dass Jens Spahn (CDU) und sein Ehemann Daniel Funke Eltern geworden sind, ist zunächst einmal eins: Privatsache. Dennoch wurden die Umstände, unter denen das Paar sich seinen Kinderwunsch erfüllt hat, schnell zum Politikum. Denn das gemeinsame Kind wurde in den USA geboren und von einer Leihmutter ausgetragen.Dieses Vorgehen ist in Deutschland strikt verboten. Seit 1991 untersagt das sogenannte Embryonenschutzgesetz die künstliche Befruchtung von Frauen, wenn diese die Kinder nach der Geburt abgeben sollen. Gleichzeitig verbietet das Adoptionsvermittlungsgesetz die Vermittlung von Leihmutterschaften.Damit bringt Spahn seine Partei in eine missliche Lage. Schließlich geht die geltende Rechtslage historisch maßgeblich auf die Initiative von Unionspolitikern zurück. Vor allem in den 80er- und 90er-Jahren waren sie es, die mehrheitlich auf konservative Leitlinien beim Thema drängten: Leben dürfe nicht zur Ware werden, Frauenkörper nicht zur Dienstleistung. Logisch für eine christlich geprägte Partei, könnte man sagen. Parteitag gegen Leihmutterschaft Daran hat sich bis heute wenig geändert. Erst Anfang des Jahres fasste der CDU-Bundesparteitag in Stuttgart den Beschluss, das Verbot der Leihmutterschaft „auch in altruistischen Modellen“ bekräftigen zu wollen. Der Grund: „Um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“Diese Position vertraten bis zuletzt auch prominente Unionsleute. Die CDU stehe „für den Schutz des ungeborenen Lebens und die Wahrung der Menschenwürde ab der Befruchtung“, antwortete erst Ende April Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) auf eine Bürgerfrage. „Leihmutterschaft widerspricht diesen Prinzipien, da sie den Embryo und die Schwangerschaft instrumentalisiert“, so Frei weiter. „Eine Liberalisierung in Deutschland lehne ich daher ab.“Und auch Spahn selbst sprach sich noch 2020 indirekt gegen das Modell aus: Bei einer Leihmutterschaft seien genetische und austragende Mutter nicht identisch, antwortete das zu jenem Zeitpunkt von ihm geführte Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf eine FDP-Anfrage zur Liberalisierung der Rechtslage. Und konstatierte: „Die damit verbundenen besonderen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes ließen aus Sicht des Gesetzgebers negative Auswirkungen auf dessen Entwicklung befürchten.“Gilt diese Haltung jedoch nur, solange sie kein führendes Parteimitglied betrifft? Spahns Handeln wäre schließlich auch in Deutschland nicht strafrechtlich relevant, denn laut geltendem Recht werden nicht etwa die Menschen mit Kinderwunsch bestraft, wenn sie sich einer Leihmutterschaft bedienen, sondern Ärzte und Vermittler. Zudem entschied der Bundesgerichtshof bereits 2014, dass sich Eltern, die ihre Kinder im Ausland von Leihmüttern austragen ließen, in Deutschland auch als solche anerkennen lassen können.Spahn und Partner umgehen also kein Gesetz, sie nutzen eine vollkommen legale Lücke – allerdings im direkten Widerspruch zur Parteilinie.Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss.Eine Sprecherin der Bundes-CDU verweist auf die Beschlusslage der Partei – die Leihmutterschaft ablehntDarauf angesprochen, zeigt sich die Partei am Donnerstag schmallippig. „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss“, heißt es aus dem Konrad-Adenauer-Haus gegenüber der dpa und dem Tagesspiegel. „Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.“Ähnlich äußert sich auch die familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Anne König. In der Fraktion gebe es „keine Debatte zur Änderung der in Deutschland geltenden Rechtslage zur Leihmutterschaft“, sagt sie dem Tagesspiegel. „Private Entscheidungen“ wolle sie hingegen nicht kommentieren. Kritik aus der Jugend Darauf verweist auch das von CDU-Frau Karin Prien geführte Bundesfamilienministerium und fügt an: „Die Rechtslage zur Leihmutterschaft ist in Deutschland klar geregelt.“Und sogar die Frauenunion, die 2025 in einem Papier noch die „Lifestyle-Tendenzen in den USA“ rund um die Leihmutterschaft beklagt hatte, lässt auf Anfrage nur wissen, dass man „keinen Grund“ sehe, „an der geltenden Rechtslage etwas zu ändern“.Diese Haltung stößt jedoch auch innerhalb der Partei auf Kritik: „Wenn die CDU und CSU Leihmutterschaften aus ethischen Gründen ablehnen und die Union als Gesetzgeber diese auch verbietet, dann sollte dieser Maßstab auch für ihre führenden Repräsentanten gelten“, schrieb die Jugendorganisation des CDU-Sozialflügels, JCDA, bei Instagram. Dabei gehe es nicht „um die Bewertung der Familie“, heißt es weiter. „Es geht um Glaubwürdigkeit.“
Spahns Vaterschaft gegen die Parteilinie: Das laute Schweigen der Union
Mit Jens Spahn wird erneut ein prominenter CDU-Mann per Leihmutter Vater – einem Modell, das seine Partei eigentlich kategorisch ablehnt. Wird das zum Problem?










