PfadnavigationHomeRegionalesHamburgAuftritt beim Habitat-Festival„Nicht hinnehmbar“ – Hamburgs Antisemitismusbeauftragte fordert Absage von DJ-AuftrittStand: 14:20 UhrLesedauer: 4 MinutenAnna von Villiez, Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte, mischt sich erstmals öffentlich in eine Debatte ein.Quelle: Gesche Jöger/hamburg.de/Gesche Jäger/hamburg.deEine palästinensische DJ nennt das Hamas-Massaker „palästinensischen Widerstand“. Hamburgs Antisemitismusbeauftragte will deren Auftritt beim Habitat-Festival stoppen, die Organisatoren verteidigen „künstlerische Performance“.Hamburgs neu ernannte Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez hat den geplanten Auftritt der palästinensischen Discjockey-Künstlerin Sama' Abdulhadi beim Habitat-Festival am Wochenende in Hamburg-Wilhelmsburg kritisiert. Sie begründete ihre Position mit wiederholten Äußerungen der Künstlerin zum Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023, wie die Gleichstellungsbehörde der Hansestadt am Donnerstag mitteilte. Villiez habe sich mit Nachdruck an die Festival-Veranstalter gewandt und diese aufgefordert, den Auftritt umgehend abzusagen.„Sama' Abdulhadi ist in der Vergangenheit durch antisemitische Positionen in den sozialen Medien aufgefallen, unter anderem durch die Verwendung des Begriffs ,Toufan Al-Aqsa‘“, sagte Villiez. Dabei handele es sich um die von der Hamas geprägte Eigenbezeichnung des Massakers, der ihn als Teil eines religiös legitimierten Kampfes rahme. „Dass die Künstlerin sich diesen Begriff unkommentiert zu eigen macht, lässt nicht nur auf eine Verharmlosung des Massakers, sondern auch auf eine Übernahme islamistischer Deutungsmuster schließen“, erklärte Hamburgs Beauftragte für jüdisches Leben und die Prävention und Bekämpfung von Antisemitismus.Lesen Sie auchVilliez äußerte Unverständnis darüber, dass die Veranstalter trotz wiederholter und von unterschiedlichster Seite geäußerter Bedenken bislang an dem Auftritt festhalten würden. Zwar hätten die Veranstalter betont, dass Antisemitismus auf dem Festival keinen Platz habe und der Anspruch bestehe, dass Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenkommen. Die Antisemitismusbeauftragte sehe diesen Umstand mit dem Festhalten an einem Auftritt Abdulhadis jedoch nicht als gegeben. Eine Ausladung von Sama' Abdulhadi sei auch jetzt noch möglich und würde ein starkes und wichtiges Zeichen gegen jede Form von Antisemitismus setzen, erklärte Villiez.Veranstalter betont: Antisemitismus habe auf dem Festival keinen PlatzDie Kritik, die es seit Bekanntwerden des Line-ups gibt, entzündet sich unter anderem an Äußerungen, die Abdulhadi im vergangenen Oktober zum ersten Jahrestag des Hamas-Massakers veröffentlicht hatte. In einem Post auf dem Instagram-Account samaabdulhadiofficial heißt es, der Terrorangriff vom 7. Oktober sei Teil des „palästinensischen Widerstands“. Zugleich wirft der Post Israel vor, eine „der brutalsten genozidalen Kampagnen der Geschichte“ zu führen. Der jüdische Staat sei ein „Siedlerkolonialprojekt“, das auf einer „supremacistischen und mörderischen Ideologie“ beruhe.Die Veranstalter des Habitat-Festivals halten dennoch an dem Auftritt fest. Man habe die Kritik ernst genommen und habe sich intensiv damit auseinandergesetzt, heißt es in einer auf der Webseite veröffentlichten Stellungnahme. Als internationales Musikfestival verstehe man sich als Ort für Musik, Kunst und kulturellen Austausch. Die Einladung einer Künstlerin bedeute nicht, dass sämtliche politischen Positionen dieser Person geteilt würden. Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und die Verherrlichung von Gewalt hätten auf dem Festival keinen Platz.Lesen Sie auchÜberdies sei Sama' Abdulhadi in den vergangenen Jahren schon mehrmals in Deutschland aufgetreten, immer seien die Auftritte friedlich verlaufen, eine breite Debatte, wie nun in Hamburg, habe nicht stattgefunden. „Vor diesem Hintergrund können wir nachvollziehen, dass Fragen entstehen – zugleich ist für uns nicht ersichtlich, warum ausgerechnet der Auftritt bei unserem Festival nun in dieser Intensität öffentlich kritisiert wird.“Wichtig ist den Veranstaltern nach eigener Aussage, „die Unterscheidung zwischen einer musikalischen Darbietung und einer politischen Veranstaltung“. Bei dem Auftritt von Sama’ Abdulhadi handele es sich um ein DJ-Set. „Politische Statements sind nicht Teil dieses Formats und auch nicht geplant.“ Überhaupt sei das Festival kein politisches Podium, sondern ein Musikfestival. „Das entbindet uns nicht von Verantwortung, bedeutet aber, dass wir den Auftritt als das bewerten, was er im konkreten Kontext ist: eine künstlerische, musikalische Performance.“Deutsch-Israelische Gesellschaft fordert Absage Dieser Argumentation widerspricht die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hamburg. Die Trennung zwischen künstlerischem Schaffen und politischer Positionierung überzeuge nicht, erklärte die Organisation. Die internationale Club- und Technoszene habe sich stets auch als politischer Raum verstanden. Co-Vorsitzender Moritz Golombek warnte vor einer Normalisierung von Gewaltverharmlosung, Geschichtsverzerrungen und antisemitischen Verschwörungserzählungen in kulturellen Räumen.Die DIG fordert ebenso wie Hamburgs Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez eine Absage des Auftritts. Co-Vorsitzender Daniel Killy warf Abdulhadi vor, mit ihren Aussagen „die Sprache des israelbezogenen Antisemitismus“ zu sprechen. Mit Verweis auf das Nova-Musikfestival in Israel, bei dem am 7. Oktober 2023 mehr als 250 Menschen ermordet wurden, bezeichnete die Organisation den geplanten Auftritt als nicht hinnehmbar.epd/juve
Auftritt beim Habitat-Festival: „Nicht hinnehmbar“ – Hamburgs Antisemitismusbeauftragte fordert Absage von DJ-Auftritt - WELT
Eine palästinensische DJ nennt das Hamas-Massaker „palästinensischen Widerstand“. Hamburgs Antisemitismusbeauftragte will deren Auftritt beim Habitat-Festival stoppen, die Organisatoren verteidigen „künstlerische Performance“.







