Ein fremder Mann spricht sie an, wenig später findet sich unsere Autorin auf einem Video im Netz wieder. Gefilmt wurde sie heimlich. Was kann sie nun tun?

Julien Mattia/Le Pictorium/imago

Verspätet und dementsprechend gehetzt bin ich an einem Samstagmittag in Berlin mit dem Fahrrad unterwegs zur Straße Unter den Linden. Ein bisschen zu spät merke ich: Heute ist kein gewöhnlich stressiger Samstag in Berlin, heute ist Halbmarathon. Die Straßen sind gesperrt, die Gehwege überfüllt und ich sehe mich mit der aussichtslosen Mission konfrontiert, mich und mein Fahrrad auf die andere Straßenseite zu bekommen.

Verärgert über mich selbst und bedenklich gereizt beschließe ich, mein Rad zurückzulassen. Genau der richtige Zeitpunkt, um mich anzusprechen, muss sich der Mann gedacht haben, der mich zu diesem Text inspiriert hat – ausgestattet mit einer Ray-Ban-Brille und einem denkbar unsinnigen Spruch: „I have a bike, you have a bike, so I thought we could make a race.“ („Ich hab ein Rad, du hast ein Rad, ich dachte, wir könnten ein Rennen fahren.“)

Ungläubig schaue ich mich um und frage, wo er denn hier ein Fahrradrennen machen wolle. Er habe mich bloß angesprochen, weil er mich süß findet, sagt er dann. Wie unerwartet. „I know“, antworte ich knapp. Kurz darauf wünsche ich ihm noch einen schönen Tag und wende mich ab.