Das älteste Sonntagsblatt der Schweiz soll Ende Jahr Geschichte sein. Dafür wird die Samstagsausgabe des «Blicks» erweitert.15.07.2026, 18.01 Uhr2 LeseminutenPrägten die Ortsbilder der Schweiz: «Sonntags-Blick»-Automat im Berner Breitenrain-Quartier, 2024.Peter Klaunzer / KeystoneGerüchte gab es schon länger. Seit Jahren sinkt die Auflage der einst mit Abstand grössten Sonntagszeitung der Schweiz rasant. 2008 betrug sie noch 260 000 Exemplare, heute noch knapp 75 000. Damit ist der «Sonntags-Blick» längst hinter seine beiden Konkurrenten, die «Sonntags-Zeitung» aus dem Haus Tamedia und die «NZZ am Sonntag», zurückgefallen. Laut Medienberichten ist es nun definitiv: Der «So-Bli», wie das Blatt auch genannt wird, wird Ende Jahr eingestellt beziehungsweise in die Samstagsausgabe des «Blicks» integriert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der «Sonntags-Blick» wurde am 23. März 1969 vom Ringier-Verlag als erste Sonntagszeitung der Schweiz gegründet. Die roten Zeitungsautomaten, aus denen das Blatt bezogen werden konnte, prägten jahrzehntelang die Ortsbilder – fast wie die gelben Briefkästen der Post. 2024 wurden die letzten Automaten abgebaut, es lohnte sich nicht mehr, sie landauf, landab zu füllen.Affäre Borer als TiefpunktPublizistisch konzentrierte sich das Blatt nach bester Boulevardmanier auf knallige Geschichten, aber auch auf Unterhaltung und Genuss. Einige der Schlagzeilen fanden Eingang in die Pressegeschichte. 2006 veröffentlichte der «So-Bli» zum Beispiel ein abgefangenes Fax des ägyptischen Aussenministeriums, das mutmasslich zeigte, dass der US-Nachrichtendienst CIA geheime Gefängnisse für Terrorverdächtige in Europa betrieb.Und es gab auch Skandale. Der bekannteste war wohl jener um eine angebliche Liebesaffäre des Schweizer Botschafters in Berlin Thomas Borer. Der Botschafter verlor die Stelle, Ringier musste sich auf dem Titelblatt entschuldigen und dem Ehepaar Borer einen hohen Geldbetrag als Schadenersatz überweisen. Eine Konstante im Blatt war und ist die Kolumne des Chefpublizisten Frank A. Meyer, seit Jahrzehnten kommentiert er mit markigen Worten das Weltgeschehen.Auch andere Sonntagsblätter erscheinen am SamstagRingier ist nicht das erste Medienhaus, das sein Sonntagsblatt aus Kostengründen aufgibt und dafür die Samstagsausgabe ausbaut. CH Media hat diesen Schritt schon vor Jahren vollzogen, 2017 wurde aus der «Schweiz am Sonntag» die «Schweiz am Wochenende». Dasselbe in Deutschland. Sowohl die «FAZ am Sonntag» als auch die «Welt am Sonntag» erscheinen längst am Samstag – trotz dem Namen. Der Vertrieb ist am Samstag bedeutend kostengünstiger als am Sonntag.Die Entscheidung des Ringier-Verlags hat auch Auswirkungen auf die zwei anderen Schweizer Sonntagsblätter: Da sich die drei Zeitungen bisher die Vertriebskosten geteilt haben, werden diese für die verbleibenden Titel nun höher. Dem Vernehmen nach wollen die «NZZ am Sonntag» und die «Sonntags-Zeitung» aber trotz den neuen Umständen wie bisher weitermachen. Wie lange noch, ist allerdings unklar.
Der «Sonntags-Blick» wird nach 57 Jahren eingestellt
Das älteste Sonntagsblatt der Schweiz soll Ende Jahr Geschichte sein. Dafür wird die Samstagsausgabe des «Blicks» erweitert.
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