Er sei „ein lernfähiges System“, hat der Bundeskanzler bei der Sommerpressekonferenz auf die Frage geantwortet, aus welchem seiner Fehler er am meisten gelernt habe. Eine konkrete Antwort vermied Merz also, doch zeigte sich an dieser Stelle wie auch bei den anderen Themen, die zur Sprache kamen, dass ihm die Kritik, die er im ersten Amtsjahr erfahren hat, tatsächlich eine Lehre war. Er ist vorsichtiger geworden mit forschen Formulierungen und Ankündigungen, mit denen er sich das politische Leben selbst schwer machte und seine Popularitätswerte in den Keller trieb.Merz und sein Koalitionspartner SPD, dem die Wähler auch nicht gerade zujubeln, bauen darauf, dass die von ihnen beschlossenen und noch geplanten Reformen die lahmende deutsche Wirtschaft wieder zum Galoppieren bringen. Und dass die damit verbundene Stimmungsverbesserung auch zu einer Stärkung der politischen Mitte, also ihrer Parteien, führt.Wann zeigen sich die Früchte der Reformen?Wann sich die Früchte der Reformen zeigen und wie groß sie dann sind, wagt jedoch niemand vorherzusagen, auch der gebrannte Kanzler nicht. Viele Ökonomen halten die beschlossenen Maßnahmen für zu schwach, um die gewünschten Effekte herbeiführen zu können. Merz wies lieber, aber auch mit Recht, auf die externen Faktoren hin, die den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland gebremst haben und immer wieder verhageln könnten.Doch auch wegen der wirtschaftlichen und militärischen Gefahren von außen muss Deutschland kernsaniert werden. Ein Haus umzubauen, in dem die Mieter noch wohnen, ist eine undankbare Aufgabe, wie nun auch die Koalition erfährt.Es ist vor allem, aber bei Weitem nicht nur die Aufgabe des Kanzlers, den Deutschen zu erklären, warum der Dreck und der Lärm der Renovierung und danach wahrscheinlich etwas weniger Wohnkomfort unumgänglich sind. Auf der Sommerpressekonferenz versuchte Merz es mit diesem Satz: „Was wir heute machen, entscheidet über die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.“ Das sollten auch und besonders die Wähler der AfD bedenken.