Bei der WM projizieren Menschen ihren Nationalstolz auf die Mannschaften. Doch Nationalismus kann seine Versprechen nie halten, sagt Thorsten Mense.
Nationalismus kann traurig machen: zurückgelassene Deutschlandfahnen nach verlorenem Spiel gegen Paraguay bei der WM
Jan Woitas/dpa
taz: Herr Mense, jetzt, während der Fußballweltmeisterschaft, ist der weltweite Nationalismus ja besonders augenscheinlich. Wie sehen Sie als Soziologe das?
Thorsten Mense: Nationalismus tritt tatsächlich sonst nicht so offensichtlich zutage. Und man sieht auch am Beispiel des frühen Ausscheidens der deutschen Mannschaft, wie abhängig solche Zurschaustellungen von den Erfolgen oder Misserfolgen der Nationalmannschaft sind. Gleichzeitig sieht man auch hier: Wenn der auf die Fußballmannschaft projizierte Nationalstolz gekränkt wird, wird das oft durch Gewaltausbrüche kompensiert. So steigt etwa bei verlorenen Spielen der Nationalmannschaften die häusliche Gewalt an, wie unter anderem eine Studie in Berlin belegt.








