Ich war in Kurzferien in den Niederlanden. Die Einheimischen können perfektes Englisch, das bewundere ich. Trotzdem finde ich es unhöflich, als Touristin sofort auf Englisch loszuplappern und anzunehmen, das Gegenüber müsse so antworten können – es ist ja nicht seine Muttersprache. Wie gehe ich vor mit Stil? – Liv, per E-MailLiebe Liv, ich glaube, Sie sind da zu streng – Sie kämpfen für eine Höflichkeit, die Ihr Gegenüber gar nicht erwartet, weil die Niederländer die Niederländisch-Englisch-Schwelle längst abgeschafft haben. Die Barista in Amsterdam De Pijp wird bestimmt nicht gekränkt sein, dass man sie bei der Bestellung des Kartoffelmilch-Flat-White für eine zweisprachige Kosmopolitin hält. Solange Sie nicht fliessend Niederländisch sprechen, wüsste ich gar nicht, was die Alternative ist.Und da jeder Teenager durch die Vertiktokung seines Alltags mit Englisch konfrontiert ist, beherrschen fast alle Menschen ein paar Sätze, so dass ich Englisch nicht einmal mehr den Status einer Fremdsprache geben würde, sondern den einer europäischen Selbstverständlichkeit. Natürlich zeugt es als Tourist von gutem Stil, zumindest einfache Ausdrücke wie «goedendag» und «dank je» vorher zu lernen, aber das sehe ich eher als Geste.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: [email protected]. Namen können geändert oder anonymisiert werden. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.