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Ranking 2026: Das sind die besten Versicherungsdienstleister des Jahres Versicherer erkennen hohes Potenzial für Künstliche Intelligenz. Auch die Verbraucher sollen profitieren. Ein Ranking zeigt, wer den Draht zu den Versicherten findet.

Jan Wittenbrink 15.07.2026 - 10:16 Uhr Artikel anhörenDas Kölner Analyseinstitut Servicevalue hat ermittelt, welche Versicherer bei den Verbrauchern am besten abschneiden. 21 Kategorien standen im Fokus. Foto: Getty ImagesKöln. Maximal vier Stunden. Länger braucht die Allianz nach eigenen Angaben nicht zwischen einer Schadenmeldung und der Auszahlung. Jedenfalls galt diese Bilanz im Vorjahr für mehr als die Hälfte aller Fälle in der Tierkrankenversicherung. Grund ist eine KI-gestützte, automatisierte Verarbeitung: Diagnose und Tierarztrechnung werden digital gemeldet, der Vertragsabgleich erfolgt automatisch. Alle Positionen der Rechnung werden vor der Auszahlung auf Deckung überprüft. Nur in komplexeren Fällen schreiten Menschen ein.Die Tiersparte eignet sich besonders gut für Automatisierung, da viele Kleinrechnungen eingereicht werden und die Standardisierung hoch ist. Künftig sollen solche Prozesse bei der Allianz aber auch auf weitere Sparten übertragen werden.KI-Lösungen krempeln das Versicherungswesen um. Gerade im Kundenkontakt und im Vertrieb habe man es mit sehr vielen Daten zu tun. Daher biete insbesondere hier die Nutzung von KI Vorteile, sagt Stefan Heyers, Partner und Leiter des Versicherungssektors bei KPMG. Viele Versicherer seien bereit, in KI zu investieren. „Die neuen Tools treffen jedoch häufig noch auf veraltete Datenstrukturen, was die Umsetzung erschwert.“Das Kölner Analyseinstitut Servicevalue hat ermittelt, welche Versicherer bei den Verbrauchern am besten abschneiden. Mehr als 100.000 Bewertungen wurden abgegeben, 21 Kategorien standen im Fokus. Die Allianz belegt unter Tierversicherern Rang zwei – bei Rechtsschutz- und betrieblichen Krankenversicherungen sowie als betrieblicher Altersversorger wurde sie als bester Anbieter ermittelt. Anfang des Jahres schloss man eine globale Partnerschaft mit KI-Vorreiter Anthropic. Unter anderem will die Allianz Automatisierung durch agentenbasierte KI vorantreiben.Versicherung Wie die Allianz zum Vorreiter bei der KI-Transformation werden will Für eine ganzheitliche KI-Strategie sei die Investition in Datenqualität und IT-Strukturen entscheidend, sagt Heyers. „Wer die systematische Bereinigung des eigenen Datenhaushalts in der Vergangenheit konsequent angegangen ist, hat heute einen klaren Wettbewerbsvorteil.“ Zudem brauche es KI-Richtlinien für Beschäftigte und Anreize, die Tools zu nutzen.Die Barmer, die im Ranking Platz eins unter den Krankenkassen belegt, automatisiert mit KI-Hilfe standardisierte und sich wiederholende Anliegen. Versicherte würden von kürzeren Bearbeitungszeiten profitieren, sagt der Vorstandsvorsitzende Christoph Straub. „Gleichzeitig gewinnen unsere Mitarbeitenden Zeit für die anspruchsvollen Fälle.“ Das Gesundheitswesen stehe vor einer doppelten Herausforderung, sagt Straub: Der Beratungsbedarf wachse, personelle Ressourcen würden knapper.KI-Chatbots könnten ein Baustein für guten Service sein. Wichtig sei dabei die transparente Kennzeichnung von KI-Anwendungen gegenüber Verbrauchern, sagt Straub. Für schriftliche Anfragen hat die Barmer einen Chatbot geschaffen, bei Anrufen unterstütze ein Sprachdialogsystem. Gerade im Gesundheitswesen aber bleibe die persönliche Beratung in zahlreichen Situationen unverzichtbar, sagt Straub. Das gelte etwa in belastenden Lebenslagen oder bei Pflegefällen. Hier erwarteten Versicherte neben der fachlichen Expertise auch Empathie, Einordnung und individuelle Unterstützung.Potenzial im VertriebAuch im Vertrieb erkennt Straub erhebliches Potenzial. „In Zukunft kann KI Beratungsprozesse noch stärker unterstützen, zum Beispiel bei der Vorbereitung von Gesprächen oder der Bereitstellung passender Informationen.“ Versicherungsvertrieb findet häufig in externen Agenturen statt. Die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Mettmann hat in einer aktuellen Studie mit BSI Software fast 1900 solcher Vermittler zu ihrer KI-Nutzung befragt. Ein Ergebnis der Befragung: Fast 40 Prozent nutzen KI in ihrer täglichen Arbeit bisher selten oder gar nicht.Immerhin 31 Prozent der Befragten setzen KI häufig oder sehr häufig ein. Allerdings beschränken sie sich dabei in der Regel auf generative Chatbots wie ChatGPT oder Microsoft Copilot. „KI wird vor allem zur Effizienzsteigerung und Kostenersparnis in den Vermittlerbetrieben eingesetzt“, sagt Oliver Schellenberger, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Versicherungen und Finanzvertrieb an der FHDW.In der strategischen Wertschöpfung bleibe dagegen Potenzial liegen: etwa bei der Kundenakquise, der Priorisierung von Kunden oder dem Vertrieb passender Ergänzungsprodukte (Cross-Selling). Potenzial liege auch in KI-gesteuerter Gesprächsunterstützung im Service: Die KI hört mit und gibt dem Vermittler live Hinweise – zu wichtigen inhaltlichen Punkten, aber auch etwa zum Redeanteil oder der Redegeschwindigkeit.Von KI-gesteuerten Beratungsassistenten könnten Vermittler wie Kunden gleichermaßen profitieren, sagt Schellenberger. Inhalte von Beratungsgesprächen werden digital hinterlegt, zudem kann die KI Kundendaten zusammenführen und analysieren. „So kann man sich viel besser auf Kundengespräche vorbereiten.“ Ein Beispiel: Der Assistent weist frühzeitig darauf hin, dass bei einer Kundin die Pflichtmitgliedschaft in der Rentenversicherung endet und empfiehlt eine Kontaktaufnahme. „Gerade bei sehr alten Verträgen kann so etwas leicht untergehen.“ Methodik „Wenn Sie alle Ihre Erwartungen, Erfahrungen und Informationen aus den letzten 24 Monaten zusammenfassen, wie bewerten Sie insgesamt folgende Anbieter in Bezug auf andere Anbieter der Kategorie?“ Auf Basis dieser Frage hat das in Köln ansässige Marktforschungsinstitut Servicevalue im Mai dieses Jahres mehr als 100.000 Kundenurteile zu insgesamt 593 Versicherungsunternehmen eingeholt. Diese sind in 21 Kategorien unterteilt.Aus den Bewertungen 1 („Der beste Anbieter“), 2 („Besser als die meisten“), 3 („Ein guter Anbieter“) und 4 („Weder schlechter noch besser“) errechnete Servicevalue Mittelwerte. Die Kundenurteile 5 („Kann ich nicht beurteilen“) und 6 („Ist mir nicht bekannt“) waren in der Erhebung nicht bewertungsrelevant. Anbieter mit dem besten Mittelwert innerhalb ihrer Branche erhielten die Auszeichnung „Bester Dienstleister“.Generell wandle sich das Berufsbild im Versicherungswesen. „Verwaltungsarbeiten werden unwichtiger, dafür entstehen neue spannende Tätigkeiten wie das Überwachen von Assistenten und Agents.“ Es seien weiterhin Fachleute gefragt, die den Überblick behalten und im richtigen Moment eingreifen. „Die Anforderungen werden sich stark verändern“, sagt auch KPMG-Experte Heyers. Reine Datenauswertungen seien beispielsweise künftig weniger gefragt. Verwandte Themen ChatGPTCopilotAnthropicGleichzeitig mache sich deutlich bemerkbar, dass auch den Kundinnen und Kunden in ihren Recherchen KI-Tools zur Verfügung stehen. „Die Versicherer haben mittlerweile gut verstanden, dass KI nicht nur für sie selbst Vorteile bietet“, sagt Heyers. Die Kunden begegneten den Beratern und Vermittlern nun deutlich schneller auf Augenhöhe. Sie könnten Verträge mithilfe von KI auf Widersprüche oder ungewöhnliche Formulierungen analysieren. „In der Summe verbessert mehr Informationsgleichheit die Qualität des Versicherungsvertriebs.“Auch bei der Tarifsuche helfen KI-Agenten. Schon heute erhielten die Vertriebe teilweise Anfragen, die direkt aus LLM-Modellen stammten, sagt Heyers. Häufig hätten Kunden aber – abgesehen von sehr standardisierten Produkten – nach wie vor den Wunsch, mit einer Person zu sprechen.„Wir gehen davon aus, dass immer mehr Menschen KI-Systeme nutzen werden, um Informationen zu recherchieren und Krankenkassen miteinander zu vergleichen“, sagt Barmer-Vorstandschef Straub. Dies sei ein Ansporn, Leistungen, Services und Mehrwerte klar und nachvollziehbar darzustellen. „Auch KI-Systeme können nur mit den Informationen arbeiten, die öffentlich verfügbar sind.“ Verbraucher würden von ChatGPT und Co. längst nicht immer fehlerfrei informiert, sagt Schellenberger: Es werde zunehmend eine Aufgabe der Vermittler sein, solche Widersprüche und Halluzinationen aufzudecken. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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