GastkommentarJoan Casanelles-Abella und Marco MorettiDas Imkern liegt in vielen Städten im Trend – das birgt auch RisikenWerden in den Städten zu viele Honigbienen gehalten, begünstigt dies die Verbreitung von Krankheiten. Honigbienen konkurrieren zudem mit Wildbienen um Pollen und Nektar.15.07.2026, 05.20 Uhr3 LeseminutenDie Imkerei in den Städten wird zum Problem und gefährdet sowohl Honigbienen als auch Wildbienen.Gaetan Bally / KeystoneSo ist in Zürich die Zahl der Bienenstöcke seit 2014 von 900 auf über 1200 gestiegen, in Berlin hat sie sich seit 2005 verdreifacht. Ein einzelner Bienenstock beherbergt Zehntausende von Individuen. Ein Grund für den Boom beruht auf einem Irrtum: dass die Honigbienen schwänden und gefördert werden müssten. Das ist weder in Europa noch weltweit der Fall.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zu viele Honigbienen, zu wenig FutterpflanzenDen Bienenspezialisten, dem Naturschutz und den Imkerverbänden bereitet die weitgehend nicht regulierte Zunahme Sorge. Fachleute betonen, dass Bienen in städtischen Gebieten verschiedenen Stressfaktoren ausgesetzt seien. Sie finden etwa oft nicht genügend Blüten vor, so dass Honig- und Wildbienen um das knappe Angebot an Pollen und Nektar als Nahrung konkurrieren.Kommt hinzu, dass Zierpflanzen, wie sie in Städten vorherrschen, möglicherweise weniger Nährstoffe enthalten. Bei einer hohen Dichte von Honigbienenvölkern werden Krankheiten wie die von der Varroamilbe übertragene Varroatose leichter verbreitet. Stehen die Bienenstöcke auf stark bebauten Arealen oder auf Dächern, leiden die Insekten unter Luftverschmutzung und Hitze.Konfliktpotenzial identifizierten die Fachleute bei den Nutzungsansprüchen der Bienenhalter: Die meisten Hobbyimker haben nur wenige Bienenvölker, die insgesamt einen kleinen Teil des Futterangebots benötigen. Die vereinzelten kommerziellen Bienenzüchter mit ihren vielen Völkern beanspruchen hingegen einen grossen Teil der Nahrungsressourcen.Studien zeigen, dass zumindest in dicht bebauten Gebieten zu viele Honigbienen auf zu wenig Futterpflanzen kommen. Einige Städte haben deshalb begonnen, die Imkerei zu regulieren. So hat Oslo im Jahr 2020 Zonen eingeführt, in denen die Zahl der Bienenstöcke begrenzt ist, um zu hohe Dichten zu vermeiden und die Wildbienen zu schützen. Zürich hat 2025 aus denselben Gründen neue Bienenstöcke auf stadteigenen Grundstücken verboten.Es braucht ein koordiniertes VorgehenStatt einzelner Vorstösse brauchen Städte eine Bienenstrategie, die wissenschaftlich fundiert und für alle Betroffenen fair ist. Diese sollten die städtischen Imkerverbände und die lokalen Behörden gemeinsam mit den wichtigen Akteuren wie Imkern und Wissenschaftern erarbeiten. Wir schlagen folgende Massnahmen vor, die in eine solche Strategie einfliessen sollten:Erstens sollte die Dichte an Bienenstöcken in Städten mithilfe klarer Kriterien auf ein verträgliches Mass beschränkt werden. Diese müssen auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, wie sie das Zentrum für Bienenforschung von Agroscope zurzeit erarbeitet. Die Stöcke und ihre Standorte sollten registriert, die Informationen öffentlich und auf dem neusten Stand sein.Dort, wo ihre Dichte zu hoch ist, sollte die Zahl der Stöcke bzw. der Imker reduziert werden. Es braucht eine Regulierung kommerzieller Honigproduzenten und von Unternehmen, die Bienenstöcke an Firmen oder Schulen vermieten. Die städtischen Imkerverbände können Bienenhalter zudem motivieren, Stöcke gemeinsam zu halten, statt sie jeweils allein zu besitzen.Zweitens sollte das Angebot an Pollen und Nektar verbessert werden, indem man in Gärten und auf Grünflächen mehr einheimische, bestäuberfreundliche Pflanzen anbaut. Es bestehen grosse Wissenslücken zur Anzahl von Futterpflanzen für Bienen in der Stadt und zu deren Nährwertqualität. Die Vegetation und die Nährwerte sollten deshalb überwacht werden. Lebensraumkarten, wie sie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) erstellt, sollten mit diesen Informationen ergänzt werden.Drittens sollte die Haltung von Honigbienen in Stadtteilen mit hoher Luftverschmutzung und Hitzebelastung sowie in Gebieten, welche für Wildbienen besonders wichtig sind, eingeschränkt oder verboten werden. Im ersten Fall zum gesundheitlichen Wohl der Honigbienen, im zweiten zur Förderung von Wildbienen.Viertens sollten die Imkerverbände die Ausbildung von Bienenhaltern stärken. Dabei benötigen sie aber die Unterstützung der kommunalen Bienenfachstellen bei der Übersicht über die registrierten Imker sowie bei der Ausarbeitung und Durchsetzung von Standards und Zertifizierungen.Schliesslich braucht es, fünftens, ein systematisches Monitoring der Gesundheit der Honigbienen, um die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen oder zu verhindern. Zur Verbreitung von Wildbienen sind generell mehr Daten nötig.Faire Lösungen für alleDamit Honigbienen in Städten gesund gehalten werden können und die Imkerei nicht auf Kosten der Wildbienen geht, müssen alle Beteiligten koordiniert zusammenarbeiten, auch wenn sie teilweise unterschiedliche Interessen haben. Imkerverbände, Bienenfachstellen und die Forschung übernehmen dabei eine wichtige vermittelnde Rolle. Sie haben das Wohl aller bestäubenden Insekten im Blick und helfen, faire Lösungen für alle zu finden – am besten mit einem wissenschaftlich abgestützten Bienenmanagement.Joan Casanelles-Abella ist Postdoc an der Technischen Universität München und Gastwissenschafter an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL); Marco Moretti leitet an der WSL die Forschungsgruppe Naturschutzbiologie.Passend zum Artikel
Städte im Bienenboom: Risiko für Wildbienen und Bienenkrankheiten
Werden in den Städten zu viele Honigbienen gehalten, begünstigt dies die Verbreitung von Krankheiten. Honigbienen konkurrieren zudem mit Wildbienen um Pollen und Nektar.







