Die Attacke, die alle geahnt, erwartet, befürchtet hatten, sie kam rund 16 Kilometer vor dem Ziel. Auf dem Weg zum Col de Pertus, dem vorletzten Berg des Tages, trat Tadej Pogacar in einer besonders steilen Rampe an, und er tat das so unerbittlich, dass kein einziger Rivale auf den verwegenen Gedanken kam, mitfahren zu wollen. Stattdessen schmolz der Abstand des Slowenen zum enteilten Ausreißer Richard Carapaz schneller als ein Pfund Butter in der Hitze des Zentralmassivs und führte er das Rennen bald alleine an.Kontinuierlich vergrößerte Pogacar seinen Abstand auf die Gruppe mit den anderen starken Klassementfahrern, selbst auf dem folgenden Flachstück, und wenig später überquerte er mit mehr als einer halben Minute Vorsprung als Tagessieger den Zielstrich in Le Lioran. Der dritte Etappensieg bei der Tour 2026, der 24. in seiner gesamten Radfahrer-Vita und die Qualifikation für den 60. Tag im Gelben Trikot, das war Pogacars statistische Bilanz des Tages. Mit Blick aufs Gesamtklassement lesen sich die Zahlen nun ebenfalls beeindruckend: 3:36 Minuten beträgt der Vorsprung des UAE-Emirates-Kapitäns auf den Dänen Jonas Vingegaard (Team Visma).MeinungTour de France:Die vielen einstigen Doper in den Teams werfen ein schlechtes Licht auf Pogacar & Co.Spätestens mit dieser zweiten Bergetappe ist klar, dass der Slowene mal wieder sein eigenes Rennen fährt. Pogacar und seine Mannschaft haben einfach alles im Griff, auch an diesem anspruchsvollen Tag durchs Zentralmassiv mit sieben Bergwertungen und 3800 Höhenmetern. Und auch wenn sein Edelhelfer Isaac Del Toro in der Gesamtwertung vom dritten Rang auf den siebten zurückfiel.Am Freitag beginnt eine ungemein schwere Phase der TourDie spannenden Entwicklungen ereigneten sich eher auf den Plätzen hinter Pogacar, wenn auch am Ende dieser Etappe nur im Sekundenbereich. Dabei gehörte zu den ebenso überraschenden wie zentralen Erkenntnissen des Tages, dass der vermeintlich größte Pogacar-Herausforderer Jonas Vingegaard im Finale nicht mithalten konnte. Er verlor ein paar Sekunden auf die anderen Spitzenfahrer, und statt das Maillot Jaune aggressiv anzugreifen, könnte sein primäres Ziel langsam lauten, den Gesamtrang zwei zu verteidigen. Denn da schält sich ein Grüppchen heraus, das relativ ebenbürtig wirkt.Dazu gehört der Belgier Remco Evenepoel (Red Bull), der zwischenzeitlich mal abgehängt war, aber trotzdem Tageszweiter wurde und mit 4:06 Minuten Rückstand auf Pogacar nur 30 Sekunden hinter Vingegaard liegt. Dicht an dicht folgen auch der Spanier Juan Ayuso (Lidl-Trek/+4:22), der Franzose Paul Seixas (Decathlon/+4:35) – sowie als neuer Gesamtsechster der deutsche Red-Bull-Co-Kapitän Florian Lipowitz (+4:44). „Es war ein superhartes Rennen. Das Team hat einen super Job gemacht“, sagte der Dritte der Vorjahres-Tour in der ARD: „Die Beine waren gut nach dem Ruhetag. Wenn Pogacar losfährt, haben wir nicht die Beine, um zu folgen.“Nach dem zweiten großen Schlagabtausch in den Bergen stehen jetzt erst einmal zwei Flachetappen an, auf denen es zu Massensprints kommen dürfte. Am Freitag beginnt dann eine ungemein schwere Phase der Tour, mit insgesamt sechs Bergetappen durch die Vogesen und die Alpen sowie zwischendrin einem Einzelzeitfahren in der Nähe des Genfer Sees. Und derzeit scheint nicht die Frage zu sein, wer die 113. Auflage der Tour des France gewinnt. Sondern nur, mit wie viel Vorsprung und wie vielen Etappensiegen Tadej Pogacar das gelingen wird.
Zehnte Etappe der Tour de France: Pogacar liefert den nächsten Coup
Tadej Pogacar holt sich auch im Zentralmassiv den Etappensieg – und sein vermeintlich größter Herausforderer Vingegaard kann nicht mithalten. Der Deutsche Florian Lipowitz schiebt sich in der Gesamtwertung nach vorne.














