PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungVolkswagen-PläneWie Katar die Unabhängigkeit der deutschen Außenpolitik gefährdetVeröffentlicht am 14.07.2026Lesedauer: 3 MinutenWELT-Autor Alan PosenerQuelle: Claudius Pflug/WELTDer VW-Aktionär Katar will offenbar eine Rüstungskooperation zwischen dem Konzern und Israel verhindern. Dabei geht es um mehr als Arbeitsplätze: Es geht um die Unabhängigkeit der deutschen Außenpolitik.Geld stinkt nicht, heißt es zwar. Doch manche Geldgeber sind anrüchig. Katar etwa. Eine absolute Monarchie, in der die Scharia die Gesetzgebung bestimmt und in der nur zehn Prozent der Bevölkerung Einheimische sind und die Drecksarbeit – eigentlich die ganze Arbeit – von Zuwanderern, vor allem aus Südasien, erledigt wird. Ein winziges Land, das dank der Verstaatlichung der Öl- und Gasvorkommen in Geld schwimmt und dessen Führung glaubt, alles und jeder sei käuflich, ob es sich um die Fifa oder den amerikanischen Präsidenten handelt. Katar und Korruption sind Synonyme. Was nicht heißt, dass die Katarer keine Grundsätze hätten. Überall in der Welt unterstützen sie Islamisten, darunter die Terrortruppe Hamas. Der von Katar finanzierte Sender Al-Dschasira ist stramm antiisraelisch. Und nun hat Katar als drittgrößter Aktionär bei VW offenbar verhindert, dass der angeschlagene Autobauer einen Deal mit dem israelischen Waffenproduzenten Rafael abschließt, der 2000 Jobs im Werk Osnabrück hätte retten können.Dort wollte Rafael Teile für sein Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ bauen. Seit einigen Jahren verfolgt Israel, das früher nur zuhause Waffen produziert hat, eine Strategie der Standort-Diversifizierung. Das hat mehrere Vorteile: Im Kriegsfall sind Fabriken im Ausland weniger vulnerabel; die Produktion in befreundeten Ländern stärkt die Partnerschaft; und der Absatz israelischer Waffen steigt dort, wo wichtige Komponenten oder ganze Systeme produziert werden. Lesen Sie auchEine besonders enge strategische Partnerschaft verbindet Israel mit Indien, wo bereits israelische Drohnen hergestellt werden, und wo Rafael nun – statt in Osnabrück – Teile der Iron-Dome-Abwehrraketen herstellen wird. Katar führt aus Indien Arbeiter ein, die schlecht bezahlt und behandelt werden; Israel kooperiert mit Indien bei der Entwicklung einer modernen Verteidigungsindustrie, die indische Arbeiter zuhause beschäftigen kann.Dass die Israelis mit VW kooperieren wollten, war ein Zeichen des Vertrauens: Deutschland gilt als bester Freund des jüdischen Staates innerhalb der EU und als zuverlässigster Verbündeter nach den USA. Die deutsche Katar-Connection bedroht dieses Vertrauen, das auch für die deutsche Verteidigungsindustrie wichtig ist, da Israel nicht nur bei der Raketenabwehr, sondern auch bei der Drohnentechnik und der Entwicklung KI-gestützter Systeme weltweit führend ist. Lesen Sie auchWeil die Katarer – und Saudi-Arabien – auch an der Reederei Hapag-Lloyd beteiligt sind, wird auch aus der geplanten Übernahme der israelischen Container-Reederei Zim durch die Deutschen nichts. Der Deal scheiterte nicht an den arabischen Aktionären, sondern an israelischen Bedenken wegen der Übermacht des arabischen Geldes; Bedenken, die durch Katars Veto gegen die Kooperation von VW und Rafael bestätigt werden.Lesen Sie auchWas jahrelange lautstarke Demos der links-antisemitischen BDS-Bewegung nicht schafften, das schafften die Vertreter einer reaktionären Geld-Monarchie, indem sie im Aufsichtsrat die Hand hoben. Die Frage, wessen Interessen sie eigentlich vertreten, müsste die hiesigen Israel-Boykotteure umtreiben. Deutsche Unternehmen und deutsche Politiker aber sollte die Frage umtreiben, wie das Land nicht nur seine Lieferketten, sondern auch seine Kapitalquellen diversifizieren kann. Es geht um mehr als um Arbeitsplätze in Osnabrück. Es geht um die Unabhängigkeit der deutschen Außenpolitik. Manches Geld stinkt eben doch.