Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM schien für viele Gastronomiebetriebe das Ende der Fußball-Euphorie erreicht. Die Niederlage gegen Paraguay im Sechzehntelfinale schien das Geschäft am Zapfhahn auf Bruchteile zu minimieren. Bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften ließ das Interesse am Public Viewing nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft jedenfalls oft deutlich nach. Zumindest in Frankfurt hat sich in den vergangenen Wochen jedoch ein anderes Bild ergeben: Zwar beklagen einzelne Betriebe einen Rückgang, vielerorts sorgen internationale Fangemeinden und attraktive Begegnungen allerdings weiterhin für gut gefüllte Lokale. Für die Halbfinalspiele und das Finale sind einige Public-Viewing-Orte bereits ausgebucht.Die größte Location in Frankfurt gibt es derweil schon gar nicht mehr: Im Deutsche Bank Park endete das Public Viewing mit dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft. Das Angebot war von Beginn an auf die Spiele des DFB-Teams ausgerichtet. Die Begegnungen wurden im Kletterwald auf einer Großbildleinwand übertragen und lockten nach Angaben von Stadionmanager Patrik Meyer insgesamt rund 10.000 Besucher an. „Unser Soll war absolut erfüllt“, sagt Meyer. Bei einem Einzug ins Viertelfinale war ein Umzug ins Stadion vorgesehen, den es entsprechend nicht mehr gab.Im „Massif Central“ im Bethmannhof hat das frühe Ausscheiden Deutschlands hingegen nach Angaben von Geschäftsführer Florian Joeckel kaum Auswirkungen auf den Besucherandrang. Das Public Viewing im Innenhof sei während des gesamten Turniers durchgehend gut besucht gewesen. Frankfurt profitiere dabei von seiner internationalen Bevölkerung. Neben einer großen französischen gebe es auch eine starke spanische Community. „Die Spiele sind spannender geworden“, sagt Joeckel. Deshalb seien bei nahezu allen Begegnungen zahlreiche Besucher gekommen.Besonders überrascht habe ihn, dass das Interesse auch ohne deutsche Beteiligung nicht nachgelassen habe. Bei früheren Turnieren sei nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft oft zu beobachten gewesen, dass das öffentliche Interesse am weiteren Turnierverlauf deutlich zurückging. „Das hat sich dieses Jahr gedreht“, sagt Joeckel. Gerade Menschen, die sich grundsätzlich für Fußball interessierten oder ihre Nationalmannschaften unterstützten, seien weiterhin gekommen. Das habe sich in einem internationalen Publikum bemerkbar gemacht. Franzosen, Spanier, Marokkaner, Argentinier und viele weitere Nationalitäten hätten gemeinsam die Spiele verfolgt.„Das Besondere sind die Spiele“Für Joeckel liegt darin eine besondere Stärke Frankfurts als internationale Stadt. Public Viewing habe sich zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem Fans unterschiedlichster Herkunft gemeinsam Fußball schauten. Gleichzeitig sei das Turnier bemerkenswert friedlich verlaufen. „Es gab keinerlei Problematiken“, sagt er. Weder Hausverbote noch größere Zwischenfälle hätten den Veranstaltungsbetrieb überschattet. Das Wetter habe ebenfalls mitgespielt. Während des gesamten Turniers habe es keinen einzigen Regentag gegeben, sodass sämtliche Spiele wie geplant im Innenhof gezeigt werden konnten.Das ganz große Public Viewing endete früh: Im Kletterwald am Franfurter Waldstadion war nach dem Sechzehntelfinal-Aus des deutschen Teams Schluss.Maximilian von LachnerAuch die Halbfinalspiele und das Finale will das „Massif Central“ übertragen. Besondere Zusatzaktionen seien dafür nicht notwendig, sagt Joeckel. „Das Besondere sind die Spiele.“ Begegnungen wie Frankreich gegen Spanien oder England gegen Argentinien hätten aus seiner Sicht bereits Finalcharakter. Auch das Spiel um Platz drei verspreche hochklassigen Fußball. Man rechne deshalb erneut mit großem Andrang und empfehle Besuchern, frühzeitig zu erscheinen.Ähnlich fällt die Bilanz im Irish Pub O’Reilly’s aus. Dort habe das Ausscheiden Deutschlands Auswirkungen auf die Besucherzahlen gehabt, berichtet eine Mitarbeiterin. „Seitdem die deutsche Nationalmannschaft aus dem Turnier geflogen ist, sind etwas weniger Besucher gekommen“, sagt sie. Von einem Einbruch könne jedoch keine Rede sein, das Bier fließe auch ohne das deutsche Team. Das Lokal profitiere von den internationalen Fangemeinschaften in Frankfurt. Als Irish Pub ziehe man traditionell viele Anhänger der englischen Nationalmannschaft an, daneben kämen zahlreiche französische und spanische Fans. Auch Spiele Brasiliens hätten wegen der großen brasilianischen Community in Frankfurt für gut gefüllte Reihen gesorgt.Während die Deutschland-Spiele das Lokal vollständig ausgelastet hätten, seien anschließend insbesondere Begegnungen Englands auf großes Interesse gestoßen. „Wenn England spielt, ist es hier ausgebucht“, sagt die Mitarbeiterin. Für die Halbfinalspiele und das Endspiel seien bereits jetzt nahezu alle Plätze reserviert. „Wir sind fully booked“, sagt sie in der Pub-Sprache Englisch.