Zumindest das „Massif Central“ in der Frankfurter Innenstadt feiert die Fußballweltmeisterschaft fast so, als wäre es ein Turnier auf deutschem Boden. „Die Drinks sind kalt, der Hof ist ready“, sagt Geschäftsführer Florian Joeckel. „Wir zeigen die Spiele live im Innenhof auf großem Screen, mitten in Frankfurt und unter freiem Himmel.“ Bei schlechtem Wetter werden die Übertragungen im Lokal im Bethmannhof nach innen verlegt. Der Zeitverschiebung zollt das „Massif Central“, das sich bereits bei der Basketball-WM im Vorjahr oder bei der Tour de France als Ort des gemeinsamen Sportschauens bewährt hat, Tribut, indem die nächtlichen Spiele am nächsten Tag in Wiederholung laufen werden.Reservierungen sind laut Joeckel nicht vorgesehen. Stattdessen gelte das Prinzip „first come, first served“. Begleitet würden die Übertragungen von gastronomischen Angeboten wie Grillabenden, Aperitif-Platten und verschiedenen Getränkeangeboten. Für einzelne Begegnungen seien zudem thematisch passende Speisen geplant. So soll es etwa zum Spiel Deutschland gegen Curaçao ein karibisch inspiriertes Barbecue geben. Wie sich das in den Wochen bis zum Finale am 19. Juli entwickelt, hängt wie bei den teilnehmenden Mannschaften vom Turnierverlauf ab.Sicher ist aber, dass sich das Geschehen vornehmlich in den etablierten Pubs und auf Fußballübertragungen vorbereiteten Kneipen abspielen wird. Die Stadt verzichtet auf eine zentrale Fanmeile, wie es sie bei der Heim-Europameisterschaft 2024 in der Gastgeberstadt Frankfurt mit einer Fanzone am Mainufer gab. Zumindest bei Spielen des deutschen Teams werden aber zahlreiche Public-Viewing-Angebote dafür sorgen, dass Fans die Spiele auch vor großen Leinwänden gemeinsam verfolgen können.Flughafen als nächtlicher GeheimtippNeben dem Massif Central und zahlreichen Pubs und Kneipen werden auch eigens gestaltete Orte in Frankfurt Spiele übertragen. Zu den größten Public-Viewing-Standorten zählt der Deutsche Bank Park. Dort werden zunächst die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft im Kletterwald auf einer LED-Großbildwand übertragen. Mögliche Sechzehntel- und Achtelfinalspiele mit deutscher Beteiligung sind ebenfalls geplant. Sollte die deutsche Mannschaft das Viertelfinale erreichen, sind weitere Public-Viewing-Veranstaltungen direkt im Stadion geplant. Stadionmanager Patrik Meyer verweist darauf, dass das Stadion selbst zuvor noch wegen diverser Konzerte nicht zur Verfügung steht. Stadion wie auch der benachbarte Kletterwald sind recht unproblematische Veranstaltungsstätten, da es keine direkten Anwohner gebe. Auch der abreisende Verkehr würde keine Störung nach sich ziehen.Ähnliches gilt auch für den Frankfurter Flughafen, wo die Weltmeisterschaft präsent sein wird. Nach Angaben des Flughafens werden sämtliche 104 Turnierspiele live übertragen, vielleicht wird der Ort für Nachtschwärmer zu einem Geheimtipp. Reisende können die Begegnungen sowohl in den Sicherheitsbereichen als auch in öffentlich zugänglichen Bereichen verfolgen. Mehrere Restaurants und Bars beteiligen sich erstmals am Public Viewing. Begleitend dazu sind verschiedene Mitmachaktionen vorgesehen. Reisende können unter anderem an Torwandwettbewerben teilnehmen oder Ballkünstlern begegnen. Darüber hinaus planen zahlreiche Geschäfte und Gastronomiebetriebe Sonderaktionen rund um das Turnier.Westcoast Festival wird zum Public ViewingDie sogenannte Westcoast wird derweil auf der riesigen Industriebrache am Griesheimer Mainufer ein besonderes Flair bieten. Im Rahmen des Westcoast Festivals vom 18. bis 21. Juni ist am 20. Juni ein Public Viewing des Spiels Deutschland gegen die Elfenbeinküste geplant. Die Fläche am Main wird in den Sommermonaten regelmäßig für Kultur- und Freizeitveranstaltungen genutzt.Die Wochen der Weltmeisterschaft werden der Gastronomie aber keine Narrenfreiheit verschaffen. Eine vom Bund angestoßene Allgemeinverfügung erleichtert lediglich das Public Viewing bis Mitternacht ohne zusätzliche Genehmigungsanträge und Gebühren, der Beginn der Nachtruhe wird von 23 Uhr um eine Stunde nach hinten verlegt. Während der Übertragung von WM-Spielen dürfen gastronomische Außenbereiche länger genutzt werden als üblich, die deutschen Vorrundenspiele passen genau in diesen zeitlichen Rahmen. Die CDU-Fraktion im Römer begrüßt diese Regelung ausdrücklich. Die Stadtverordnete Carolin Friedrich spricht von einem wichtigen Signal für Bürokratieabbau und verweist darauf, dass gemeinsame Fußballabende in Gaststätten, Biergärten und Sommergärten für viele Fans zur Weltmeisterschaft gehören. Die Regelungen würden sowohl den Interessen der Gastronomie als auch den Anliegen der Anwohner Rechnung tragen.Die verlängerten Öffnungszeiten bewertet auch Gastronom Joeckel als positiv. Aus seiner Sicht können die Erfahrungen während der Weltmeisterschaft auch über das Turnier hinaus Bedeutung haben. Die Regelungen würden, so seine Prognose, zeigen, dass längere Öffnungszeiten in den Sommermonaten funktionieren können, ohne zwangsläufig zu mehr Konflikten zu führen.Mehr Empörungspotential bieten indes mögliche Autokorsos. Bei Erfolgen von Nationalmannschaften mit großen Fangemeinschaften in Frankfurt ist damit zu rechnen, dass sich Fans nach Spielen mitten in der Nacht auf den Straßen versammeln. Anstoßzeiten um Mitternacht oder auch um vier Uhr morgens könnten dabei zu ungewöhnlichen Uhrzeiten für Feierlichkeiten führen. Mit solchen Anstoßzeiten müssen drei der größten Communitys in Frankfurt zurechtkommen, Türken, Kroaten und Marokkaner bestreiten zu nachtschlafender Zeit ihre Vorrundenspiele, jene Gruppen gelten auch als große Fans von Autokorsos.Die Polizei weist darauf hin, dass Autokorsos grundsätzlich nicht zulässig sind. In einer Stellungnahme erklärt das Polizeipräsidium Frankfurt, Autokorsos seien „unabhängig von Nationalitäten ein immer wieder auftretendes Phänomen insbesondere bei größeren Sportveranstaltungen wie der Fußballweltmeisterschaft“. Sie widersprächen den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung und können sowohl ruhestörenden Lärm als auch Verkehrsbehinderungen verursachen.Besser mit den „Öffis“Besonders kritisch bewertet die Polizei Situationen, in denen Personen sich aus Fahrzeugen herauslehnen oder auf Fahrzeugen mitfahren. Dadurch steige das Risiko von Unfällen und Personenschäden erheblich. Gleichzeitig kündigt die Polizei an, situationsabhängig Maßnahmen zu prüfen, die sowohl möglichen Gefahren als auch dem Ausdruck von Freude Rechnung tragen sollen. Präventionsarbeit erfolge dabei jeweils im konkreten Einsatzfall.Für Fans, die die Spiele gemeinsam verfolgen möchten, soll während der Weltmeisterschaft auch der öffentliche Nahverkehr eine wichtige Rolle spielen. Traffiq verweist auf das bestehende 24-Stunden-Angebot in Frankfurt. Gerade nach emotionalen Spielen sei es sinnvoll, auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen, anstatt selbst ein Fahrzeug zu steuern. Ob der Busfahrer sich dann am möglichen Hupkonzert beteiligt, wird sich weisen.
Public Viewing: Hier feiert Frankfurt die Spiele der Fußball-WM
Am Donnerstagabend beginnt die Fußball-WM mit dem Auftaktspiel in Mexiko: Frankfurter Gastronomiebetriebe, Stadion und Flughafen setzen auf Public Viewing. Die Polizei stellt sich auf nächtliche Autokorsos ein.














