Ein in Deutschland lebender Iraker ist von dem Vorwurf freigesprochen worden, dass er vor sechs Jahren einen tödlichen Unfall in Nordholland schuldhaft verursacht und anschließend Fahrerflucht begangen habe. Ein Gericht in Haarlem wies in seinem Urteil am Dienstag die Anklage in beiden Punkten zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Wochen und eine Entschädigung der Hinterbliebenen in Höhe von 48.000 Euro beantragt.Der Fall, bei dem die 14 Jahre alte Tamar Boes im Juli 2020 zu Tode kam, hatte in den Niederlanden für großes Aufsehen gesorgt. Er war, auf Betreiben der Eltern des Mädchens, von der Staatsanwaltschaft neu aufgerollt worden, nachdem sie zunächst nur ein Bußgeld über 1500 Euro gegen den Fahrer verhängt hatte.Doch konnte eine neue Beweisaufnahme mit mehreren Rechtsgutachten das Gericht nicht von einer Schuld des inzwischen 33 Jahre alten Mannes überzeugen. Wie der Richter darlegte, war Jamal T. kurzzeitig unaufmerksam, weil er auf das Navigationssystem seines Mobiltelefons sah. Dabei handle es sich jedoch um ein normales Verhalten im Straßenverkehr.Widersprüchliche GutachtenDas Mädchen habe auf der Landstraße, die für Fußgänger verboten war, gelegen und sei etwa 2,5 bis vier Sekunden lang sichtbar gewesen – zu kurz, um eine Schuld zu begründen. Von einem Fahrer könne nicht erwartet werden, dass er ständig auf die Straße schaue, sagte der Richter.Das Gericht konnte auch nicht feststellen, dass der Mann den Zusammenstoß bemerkt und sich deshalb unerlaubt vom Unfallort entfernt habe. Jamal T. hatte eine Erschütterung gespürt und dies auf ein Schlagloch oder ein überfahrenes Tier zurückgeführt. Das Mädchen wurde zwar in einer unnatürlichen Haltung im Straßengraben gefunden, doch hätte der Fahrer maximal eine Minute und 40 Sekunden Zeit gehabt, um den Körper dorthin zu ziehen.Da keine DNA-Spuren von ihm gefunden wurden, hielt der Richter dies für unwahrscheinlich. Zudem verwies er auf einander widersprechende Gutachten dazu, ob das Mädchen aus eigener Kraft in den Graben habe gelangen können, bevor es dort verstorben sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft kann binnen zwei Wochen Berufung einlegen.
Fall Tamar Boes: Fahrer aus Deutschland freigesprochen
Der Fall Tamar Boes hat die Niederlande bewegt. Die 14-Jährige war 2020 von einem Auto erfasst worden. Doch ein Gericht bescheinigt nun dem Fahrer, dass er keine Schuld am Tod der Jugendlichen hat.










