In der Eisengießerei Lößnitz im Erzgebirge wird seit 1849 Eisen geschmolzen. 12.000 Tonnen Guss verlassen jedes Jahr das Werk, der Großteil geht an die deutschen Autobauer. Geschäftsführer Max Jankowsky, dessen Großvater den Betrieb nach der Wende von der Treuhand kaufte, feiert bald 35-jähriges Firmenjubiläum. Das 40-jährige, sagt er, sei allerdings nicht mehr sicher. „Die Lage ist nicht nur ernst, sondern bedrohlich“, sagte er bei einem Vor-Ort-Besuch vor wenigen Tagen.
Jankowsky steht mit seiner Sorge nicht allein. In ganz Deutschland kämpfen Gießereien ums Überleben – jene Betriebe, ohne die kein Auto rollt, keine Windkraftanlage steht, kein Maschinenbauer produziert. Seit 2018 hat die Branche gut 40 Prozent ihrer Produktion eingebüßt und fast ein Viertel der Beschäftigung verloren. Von den verbliebenen 545 Gießereien mit ihren 68.000 Arbeitsplätzen stehen viele vor existenziellen Fragen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln warnt: Setzt sich der Trend fort, droht ein gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfungsverlust von 65 Milliarden Euro jährlich.
Ein perfekter Sturm
Was die Branche in die Knie zwingt, ist kein einzelnes Problem, sondern ein toxischer Mix. Da sind zunächst die Energiekosten: Strom kostet deutsche Industriebetriebe zwei- bis dreimal so viel wie ihre Konkurrenten in den USA oder China. Für eine Branche, deren Kerngeschäft darin besteht, Metall bei über 1.500 Grad zu schmelzen, ist das ein Wettbewerbsnachteil, der sich nicht wegrationalisieren lässt.






