Wie geht es weiter mit der Generation Xhaka? Das Nationalteam steht nach der erfolgreichen WM vor einer richtungsweisenden ZeitNach dem schmerzhaften WM-Aus mag sich im Nationalteam noch niemand damit befassen, wie viel Verjüngung die Equipe braucht. Doch bald wird man sich dieser Frage stellen müssen.14.07.2026, 11.09 Uhr5 LeseminutenDer Nationaltrainer Murat Yakin steht in den nächsten Monaten vor der Aufgabe, das Schweizer Team für die Zukunft richtig aufzustellen.Peter Klaunzer / KeystoneAm Tag nach dieser Niederlage im WM-Viertelfinal, an welche die Schweiz noch lange zurückdenken wird, sitzt Murat Yakin in Kansas City im Teamhotel. Der Trainer hat nach der aufwühlenden Nacht nur ein paar Stunden geschlafen. Aber er hat eine eindeutige Botschaft im Gepäck.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Reise», sagt Yakin, als es darum geht, was sich alles verändern könnte im Nationalteam und ob es allenfalls zu Rücktritten kommt. Stand jetzt gebe es keinen Spieler, der aufhören möchte, sagt er.Es sind Fragen, die an diesem Tag immer wieder kommen; sie drehen sich darum, ob in Kansas City eben nicht doch eine Reise zu Ende gegangen ist. Sie werden von den Schweizer Protagonisten weggewischt. «Let’s go for another one», sagt Granit Xhaka im Bauch des Stadions dazu, als eine Art Schlusswort. Und Remo Freuler, dass er noch einiges vorhabe mit der Nationalmannschaft, es deshalb schon noch weitergehe.Die Schweizer klingen nach ihrem grössten Erfolg an einer Fussball-WM manchmal so, als wünschten sie sich, dass die Dinge für immer so blieben, wie sie in diesem Sommer sind.Aber natürlich wissen auch Freuler, Xhaka und Yakin, dass die Zeit nie stillsteht, schon gar nicht im Fussballgeschäft. Es geht weiter, immerzu. Im Fall der Schweiz Ende September, in der Nations League, in der die Gegner Nordmazedonien, Schottland und Slowenien heissen. Dann, im Frühling 2027: Start zur EM-Qualifikation, die 2028 in Grossbritannien und Irland stattfindet.Rücktritte sind eine heikle SacheYakin wird sich nun zuerst einmal in die Ferien verabschieden, so wie seine Fussballer. Doch bald beginnen für ihn und das Nationalteam wegweisende Monate. Es wird dann auch um die Frage gehen, ob es noch eine Weile einfach so weitergehen kann wie bisher. Oder ob das Team, das gerade die beste WM der Geschichte gespielt hat, neue Impulse benötigt.In der Schweizer Startformation stand gegen Argentinien unter anderem Remo Freuler, der vor ein paar Monaten 34 Jahre alt wurde. Dazu Ricardo Rodríguez und Granit Xhaka, die Freunde, die 2009 gemeinsam U-17-Weltmeister wurden. Beide feiern in den nächsten Wochen ebenfalls ihren 34. Geburtstag.So fing alles an: Ricardo Rodríguez (links) und Granit Xhaka (rechts) im Jahr 2009 auf dem Weg zum U-17-Weltmeistertitel.Jamie McDonald / GettyÜblicherweise neigen sich in diesem Alter Karrieren in der Nationalmannschaft ihrem Ende zu. Die letzten verdienten Nationalspieler waren gar fast alle jünger, als sie abtraten. Xherdan Shaqiri, Fabian Schär. Auch Haris Seferovic, Blerim Dzemaili und Valon Behrami. Nur zwei waren älter, wobei man für beide Ausnahmeregeln geltend machen kann: Für Yann Sommer, der mit 35 aufhörte, weil er Goalie war. Für Stephan Lichtsteiner, den langjährigen Captain, der mit 36 abtrat, weil er Stephan Lichtsteiner war, dieser hartnäckige, nimmermüde Verteidiger und langjährige Captain der Auswahl.Lichtsteiner ging damals im Frieden, aber die Regel ist das nicht. Die Geschichte der Nationalmannschaftsrücktritte umfasst viele komplizierte Kapitel, oft gab es Misstöne. Leise wie bei Sommer, Schär und Dzemaili. Etwas lautere wie bei Shaqiri. Richtig laute wie bei Behrami, der 2018 im Unfrieden seinen Rücktritt gab.Für Freuler, Rodríguez und Xhaka kann man, wie bei Lichtsteiner, Ausnahmeregeln anführen. Für Freuler, weil er mit Xhaka seit vielen Jahren ein starkes, verlässliches Mittelfeldduo bildet. Für Rodríguez, weil er der ewige Rodríguez ist, nicht schnell und nicht spektakulär, aber immer da und immer zuverlässig. Wobei es an dieser WM auch einmal vorkam, dass er frühzeitig vom Platz musste. Das hatte es früher nie gegeben. Und für Xhaka, weil er Xhaka ist, der Chef im Schweizer Nationalteam, auf dem Platz und daneben, seit vielen Jahren, und nur einer wird entscheiden, wann er das Zepter weitergibt: er selbst.Dass er dafür vorderhand keinen Anlass sieht, machte Xhaka in Kansas City klar. Da sprach er über die Spieler, die mit 39 noch an der WM dabei waren, Lionel Messi etwa, und sagte dann: «Wenn sie das können, können wir das auch.»Sich die eigene Endlichkeit einzugestehen, ist nicht einfach. Schon gar nicht für Profisportler und erst recht nicht nach einer derart erfolgreichen WM-Kampagne. Im Grunde gibt es in keinem der drei Fälle einen triftigen Rücktrittsgrund, am wenigsten für Xhaka, weil das Alter bei ihm bisher nur in der Form grauer Haare Spuren hinterlassen hat. Überhaupt ist das ja die grosse Frage im Schweizer Fussball: was sein wird, wenn er nicht mehr da ist.Die Gemengelage ist vielschichtig, man könnte auch sagen: heikel. Denn es ist mit Blick auf die Zukunft riskant, das Team nicht zu verjüngen. In zwei Jahren kann viel passieren. Wenn die nächste Endrunde stattfindet, wäre Freuler bereits 36, Xhaka und Rodríguez wären es beinahe, und mit Nico Elvedi, Manuel Akanji und Breel Embolo befänden sich weitere Säulen des Teams eher in der Spätphase ihrer Karriere. Obwohl alle von ihnen eine gute WM gespielt haben: Insgesamt sind das auf zu vielen Positionen zu viele Jahre.Yakin will im Herbst junge Spieler testenYakin hat in Kansas City angekündigt, dass er die Nations League im Herbst – einen Wettbewerb, der ihm noch nie besonders wichtig war –, nutzen will, um jungen Spielern eine Chance zu geben. Die offensichtlichen Kandidaten sind Ardon Jashari, Luca Jaquez oder Aurèle Amenda, die allesamt bereits im WM-Kader standen.Könnte in Zukunft wichtiger werden: der Mittelfeldspieler Ardon Jashari.Charlie Riedel / APAndere sind Zachary Athekame und Sascha Britschgi, die jungen Aussenverteidiger, die bereits eine Saison in der Serie A hinter sich haben. Natürlich Alvyn Sanches, der YB-Kreativspieler. Vielleicht auch der Stürmer Alessandro Vogt, der Mittelfeldspieler Cheveyo Tsawa und der Flügelspieler Franz-Ethan Meichtry, die in diesem Sommer alle für Millionensummen ins Ausland wechselten.Und allenfalls steigt ja wieder jemand rasend schnell auf, wie Johan Manzambi, der 20-jährige Aufsteiger dieser WM, im vergangenen Jahr. Erst seit dem letzten Sommer gehört er zum Nationalteam. Er wird nun zum Schweizer Rekordtransfer; Medien berichten von einem bevorstehenden Transfer zu Aston Villa, für eine Ablösesumme von bis zu 70 Millionen Euro. Bisher war Granit Xhaka, der 2016 für 45 Millionen zu Arsenal gewechselt war, der teuerste Schweizer Fussballer.Wie Yakin an der WM mit Manzambi verfahren ist, erzählt einiges darüber, wie der Coach funktioniert. Er setzte erst dann voll auf den 20-Jährigen, als es nicht mehr anders ging. Gegen Bosnien-Herzegowina sass Manzambi bis zur 72. Minute draussen. Noch immer stand es da 0:0, und das WM-Turnier konnte für die Schweiz in alle Richtungen kippen. Dann kam Manzambi, die Schweiz gewann am Ende 4:1. Fortan spielte Manzambi bis zu seiner Verletzung vor dem Kolumbien-Spiel.Für die WM hatte Yakin Christian Fassnacht und Cedric Itten aufgeboten. Und nicht den jungen Alvyn Sanches. So ist das in Yakins Wertesystem: Erfahrung ist für ihn wichtig, auch Verdienste. Wer seine Gunst einmal erworben hat, geniesst Kredit. Wer sie verloren hat, muss sie sich mühsam zurückerkämpfen, Noah Okafor lässt grüssen.Yakin gilt als Trainer, der im Moment lebt und aufblüht, und seine Bilanz gibt ihm recht: Das Erreichen des WM-Viertelfinals macht ihn zum erfolgreichsten Nationaltrainer in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Jetzt steht er vor der komplizierten Aufgabe, für das Nationalteam der Zukunft die richtige Mischung zu finden.Passend zum Artikel
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