Die Wahrheit: Gesinnungsschwenker allüberall

Dem Zivildienstleistenden aus antiken Zeiten sind die neuen Freunde des Militärs aus allen Generationen mehr als suspekt.

W er als junger BRD-Boomer etwas auf sich hielt, gab sich in den achtziger Jahren die Gewissensprüfung. Da schwafelten wir dann von Jesus, Gandhi oder dem kategorischen Imperativ, retteten uns so vor dem Imperativ der Kasernen. Es folgten bis zu achtzehn herrliche Monate: Essen auf Rädern, Omas schieben, Dekubitus verhindern. Eine saubere Sache.

Wir Zivis waren die Helden unserer Dienststellen, galten als eine Art Besenritter, als die Jongleure überschwappender Bettpfannen. Gar nicht auszudenken, wie viele Bedürftige in ihrer Scheiße liegen, wie viele Verbände ungewechselt, wie viele Altersheime ungeputzt geblieben wären, wenn wir damals alle Panzerketten statt Patientenhäute gefettet hätten.

Knapp 45 Jahre später würden allerdings erstaunlich viele von uns Drückebergern keine vollen Pisspötte mehr schwenken. Dafür schwingen sie jetzt umso leerere Reden, indem sie mehr oder weniger öffentlich geloben, heute keinen Ersatzdienst, sondern nur noch den echten in der Bundeswehr leisten zu wollen. Das „aus Gründen“, die sie genauso pathetisch darzulegen wissen wie einst ihre Gewissensbisse dagegen. Der feine Unterschied: Sie müssen vor keiner Kommission mehr antanzen. Auch sonst bleibt ihr seniorer Wehrdrang für sie folgenlos. Es sei denn, die Bundeswehr stellte Boomer-Bataillone auf.