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Wer erlebt, wie alle in der ersten Klasse ein blaues Pionierhalstuch tragen und einer in seiner kleinen Faust in der Hosentasche ein Kreuz hält, dem wird irgendwann bewusst, in dem Moment eine Lektion fürs Leben geschenkt bekommen zu haben. Solche Haltepunkte markieren dann bestenfalls einen Wandel im eigenen Denken, einen Wendepunkt im Fühlen, eine Veränderung im Handeln. Aus Unwichtigem wird Wichtiges oder umgekehrt.
Das Kind mit dem Marterholz war nicht mutig, es brauchte den Glauben als Gewissheit der Nächstenliebe. Die Welt lässt sich so für beide Seiten leichter ertragen, wird sie in Gut und Böse aufgeteilt. Es reicht, auf den anderen zu zeigen und ihm seine Eigenschaft mit dem Finger zuzuweisen. Es braucht nicht mal Sprache dafür, jeder weiß, wer im Besitz der absoluten Wahrheit ist, notfalls wird ein bisschen nachgeholfen. Ohne Dogmen kann es keinen Glauben geben, Liebe und Hoffnung schon.
Mein Klassenkamerad wohnte direkt gegenüber der Polytechnischen Oberschule „Hermann Matern“ in Karl-Marx-Stadt und mit direkt, meine ich direkt. Es gab dort eine überschaubare Siedlung aus Einfamilienhäusern mit kleinen Vorgärten, in denen im Sommer die Pfingstrosen blühten und kleine Kinder in Zinkwannen badeten. An den Fassaden waren klapprige Fensterläden montiert, um sich je nach Jahreszeit vor Hitze oder Kälte zu schützen.







