Unter der Überschrift „Kehrtwende in kriegerischen Zeiten“ stellt die Sächsische Zeitung am 20. Juli 2026 „drei Beispiele“ vor: einen Grünen-Abgeordneten, einen Autor und einen Kriegsreporter, die ihre einstige Kriegsdienstverweigerung widerrufen und sich zum Teil als Reservisten melden. Ein großes Gewissens-Zitat prangt in der Seitenmitte. Die Botschaft ist unmissverständlich: Es dreht sich etwas.
Der Trend heißt Verweigerung
Nur widerlegen die Zahlen desselben Artikels die Schlagzeile. Im ersten Halbjahr 2026 verweigerten 5862 Menschen den Kriegsdienst; 402 widerriefen. Auf jeden Rückkehrer kommen rund fünfzehn, die gehen. Der Trend heißt Verweigerung. Was hier zur „Kehrtwende“ erklärt wird, ist eine Randnotiz — aufgewertet mit prominenten Namen. Der Beitrag räumt die Gegenzahl sogar ein, stellt sie aber in den Dienst der großen Erzählung. Die Ausnahme bekommt die Schlagzeile.
Ein Bekenntnis ohne Preis
Vielleicht ist es sogar die ehrliche Überzeugung der drei. Aber es ist eine, die nichts kostet — leicht zu haben, solange man weiß, dass die Gefahr stets die anderen trifft und niemals einen selbst. Es sei denn, einer von ihnen meldete sich unverzüglich an die Ostfront der Ukraine. Sie sind 42, 44 und 54 Jahre alt. Keiner wird je an einer Front stehen.







