Sicherheit statt Soft Power: China will im Ausland den Zugang zu seinen KI-Modellen einschränkenXi Jinping vollzieht eine Kehrtwende: Für Chinas Staats- und Parteichef stehen nicht mehr die «nie da gewesenen Möglichkeiten» von KI im Vordergrund. Vielmehr warnt er jetzt vor den Gefahren der neuen Technologie für sein Land.14.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenEnde Woche beginnt in Schanghai die World AI Conference.Aly Song / ReutersWenn am Freitag in Schanghai die World AI Conference beginnt, dürfte sich China der Welt wieder einmal als eine der führenden KI-Nationen präsentieren. Vertreter chinesischer Firmen werden eine Reihe neuer KI-Modelle präsentieren, deutlich billiger und fast ebenso leistungsfähig wie diejenigen westlicher Wettbewerber.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Abgesandte der Regierung könnten Vorschläge für eine globale Governance für künstliche Intelligenz vorlegen. Das jedenfalls lässt sich nach allem, was man bis jetzt weiss, vermuten. Der Staats- und Parteichef Xi Jinping höchstpersönlich wird das Treffen der globalen KI-Elite eröffnen. An der World AI Conference scheint die Regierung Aufbruchstimmung verbreiten zu wollen.In den Hinterzimmern der chinesischen Regierung hat dagegen längst ein Umdenken eingesetzt. Die Euphorie über die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz ist einer neuen Nachdenklichkeit gewichen.Warnungen an die WissenschaftDen jüngsten Beleg lieferte vergangene Woche die jährliche Konferenz der führenden Wissenschafter Chinas. Als Xi am Mittwoch in Peking vor die Spitzenforscher trat, schlug er mit Blick auf die raschen Entwicklungen im KI-Sektor warnende Töne an.«Die Hightech-Forschung muss eng mit der Sicherheit koordiniert werden», forderte Xi. Schliesslich werde immer klarer, dass KI ein «zweischneidiges Schwert» sei. In den vorangegangenen Jahren hatte Chinas Regierung mit Blick auf KI zwar auch von Risiken und Herausforderungen gesprochen. Im Vordergrund standen für Xi seinerzeit allerdings noch die «nie da gewesenen Möglichkeiten» der künstlichen Intelligenz.Die Analysten der Beratungsfirma Trivium China schreiben dazu: «Xi betrachtet KI nicht mehr als ein Risiko in der Zukunft, sondern als eine klare Gefahr der Gegenwart, der sehr früh im Innovationszyklus begegnet werden müsse.» Die chinesische Regierung sei von der atemberaubend schnellen Entwicklung von KI auf dem falschen Fuss erwischt worden.Einen Tag vor der Konferenz der chinesischen Wissenschafter in Peking hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, die chinesische Regierung wolle den Zugang zu Chinas neusten KI-Modellen im Ausland einschränken. Abgesandte der Tech-Firmen Alibaba, Bytedance und «Z.ai» wurden laut dem Bericht von Vertretern des Handelsministeriums über geplante Zugangsbeschränkungen für Ausländer zu deren KI-Modellen informiert.Auch die US-Regierung greift zu SchutzmassnahmenÄhnlich wie die US-Regierung betrachtet auch Peking die zunehmende Leistungsfähigkeit der KI-Modelle durch die Brille der nationalen Sicherheit. Washington hatte bereits im Juni angeordnet, Ausländern dürfe kein Zugang mehr zu den neusten KI-Modellen Fable und Mythos des amerikanischen Anbieters Anthropic gewährt werden. Der Schritt zielte in erster Linie auf Russland und China.Die Firma legte daraufhin die Konten für alle Nutzer im Ausland still. Nachdem die Entwickler von Anthropic neue Sicherheits-Features eingebaut hatten, hoben die Behörden die Exportkontrollen für das Modell Fable wieder auf.Die chinesischen Behörden loten offenbar noch aus, mit welchen Methoden die Anbieter Ausländern den Zugang zu ihren KI-Modellen versperren oder erschweren müssen. Offenbar erwägt die Regierung aber neue Richtlinien, die es ausländischen Investoren schwerer machen sollen, in chinesische KI-Startups zu investieren.Darüber hinaus denken die Behörden darüber nach, die Weitergabe und den Diebstahl von Know-how auf der Grundlage der strengen Gesetze für die nationale Sicherheit zu ahnden. Zur konkreten Gefahrenabwehr reichen solche Massnahmen aber kaum aus.Das Risiko eines CyberangriffsTatsächlich könnten sich für China ganz konkrete Risiken ergeben, sollte die Regierung die uneingeschränkte weltweite Verbreitung der KI-Anwendungen zulassen. So könnte etwa ein Amerikaner, der keinen Zugang zu einem der amerikanischen Spitzenmodelle hat, eine ähnlich leistungsfähige und kostenfreie chinesische Anwendung nutzen, um einen Cyberangriff gegen China zu starten. In letzter Konsequenz könnte sich damit ein chinesisches KI-Modell gegen die Kommunistische Partei Chinas richten, schreiben die Experten von Trivium China. Auch könnten Feinde im Ausland Cyberattacken gegen dritte Parteien oder andere Länder starten und damit China in Verruf bringen, so die Experten.Die Modelle Qwen von Alibaba und Doubao des Pekinger Tech-Riesen Bytedance sind in China die meistverbreiteten KI-Anwendungen. Das neuste Modell des Startups «Z.ai» kann es beinahe mit den besten Angeboten der amerikanischen Konkurrenz aufnehmen – zu einem Bruchteil der Kosten. Damit stellt es auch die Modelle der lokalen Konkurrenten in den Schatten. Nach Bekanntwerden der Überlegungen der chinesischen Behörden verlor die Aktie von «Z.ai» mehr als 6 Prozent. Am Montag erholte sich der Kurs leicht.Ein Coup gelang Anfang vergangenen Jahres dem chinesischen Startup Deepseek, als dieses die erste Fassung seines KI-Modells lancierte. Fachleute wie Laien in der ganzen Welt waren perplex, war es dem Unternehmen doch gelungen, eine KI-Anwendung mit beachtlicher Leistungsfähigkeit zu einem Bruchteil der Kosten westlicher Modelle herauszubringen. Und das ohne die besten Speicherchips aus amerikanischer Entwicklung. Damals galt es als das beste Modell Chinas.Rückschlag für Chinas Soft Power?Deepseek bietet seine KI-Modelle kostenfrei an. Das hat dem Unternehmen grosse Sympathien vor allem im sogenannten globalen Süden eingebracht. Doch jetzt gerät China womöglich in die Zwickmühle.Schränkt die Regierung den weltweiten Zugang zu den KI-Modellen des Landes tatsächlich deutlich ein, könnte die gewonnene Soft Power zumindest ein Stück weit wieder schwinden.Peking hat mehrfach erklärt, es wolle die Führung bei der Entwicklung einer globalen KI-Governance übernehmen. Wie dies glaubhaft funktionieren soll, wenn die chinesische Regierung den Zugang zu den besten KI-Modellen des Landes einschränkt, ist fraglich. Auf Xi kommen knifflige Entscheidungen zu.Passend zum Artikel
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