Mit dem Verbot der neuesten Modelle von Anthropic riskiert die Trump-Regierung, die KI-Führerschaft China zu überlassenDie amerikanischen KI-Firmen sind auf den Zugang zum globalen Markt angewiesen. Trump braucht dringend einen Plan, der ihren weltweiten Erfolg mit der nationalen Sicherheit ausbalanciert.16.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDario Amodei, CEO von Anthropic, war in den letzten Monaten mehrmals zu Gesprächen mit Vertretern der Trump-Regierung im Weissen Haus. Jetzt verbietet ihm die Regierung die Vermarktung der besten Modelle seiner Firma.Jason Henry / Bloomberg / GettyLetzte Woche geschah etwas für die KI-Branche zugleich Bezeichnendes wie auch Beispielloses: Nur drei Tage nachdem die Welt Zugang zum besten je da gewesenen KI-Chatbot erhalten hatte, wurde dieser wieder abgeschaltet. Mittendrin: die etwas hilflos wirkende Reaktion einer amerikanischen Regierung, die es bisher versäumt hat, eine kohärente Politik rund um die künstliche Intelligenz zu gestalten und nun deshalb die Vormachtstellung Amerikas bei der Technologie zu verspielen droht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Dienstag brachte das KI-Startup Anthropic ein Modell auf den Markt, das die Firma noch vor zwei Monaten für zu gefährlich für die Kommerzialisierung gehalten hatte. Das Modell Mythos, so hiess es im April, könne lange unentdeckte Schwachstellen in allerlei kritischer Software finden und diese Lücken für Cyberangriffe ausnutzen.Anthropic liess Mythos über Tausende von Stunden von ausgewählten Unternehmen und Institutionen testen, baute Sicherheitsvorkehrungen ins Modell, die den Missbrauch verhindern sollten, und machte das gedrosselte Produkt unter dem Namen Fable allgemein verfügbar. Das ursprüngliche Modell Mythos wurde weiterhin nur einem engen Kreis vertrauenswürdiger Kunden zur Verfügung gestellt. Nutzer waren ob der geschmälerten Leistungsfähigkeit von Fable teilweise verärgert. Anthropic schien aber immerhin eine Lösung für die Cyberrisiken von Mythos gefunden zu haben.Doch am Freitag entschied die Regierung auf der Basis eines Berichts von Amazon-Forschern, dass auch Fable eine zu scharfe Cyberwaffe sei. Die Forscher hatten einen Weg gefunden, die Sicherheitsbarrieren in Fable zu umgehen und somit die volle Macht von Mythos zu entfalten. Das Handelsministerium verhängte daraufhin ein Exportverbot und wies Anthropic an, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zum Modell zu verwehren. Weil das nicht anders umzusetzen gewesen wäre, beschloss Anthropic, sowohl Fable als auch Mythos offline zu nehmen.Die Tech-Welt reagiert weitgehend ablehnend auf das VerbotIn einer ausführlichen Stellungnahme kritisierte Anthropic den Entscheid der Regierung scharf: «Wir sind der Meinung, dass die Regierung die Möglichkeit haben sollte, unsichere Implementierungen zu blockieren – als Teil eines gesetzlichen Prozesses, der transparent, fair, klar und auf technische Fakten gestützt ist. Diese Massnahme entspricht diesen Grundsätzen nicht.»Die Tech-Welt und Analysten reagierten zum grossen Teil mit Erstaunen auf den Entscheid der Regierung. Dean Ball, Senior Fellow der Foundation for American Innovation, ehemaliger Trump-Berater und Mitautor des AI Action Plan der Trump-Regierung, nannte die Massnahme unfassbar. Er äusserte Unverständnis dafür, dass die Trump-Regierung einerseits den Export leistungsfähiger KI-Chips nach China befürworte und anderseits allen Nichtamerikanern die Nutzung der besten amerikanischen KI verbieten wolle.If this is true, it is just baffling. An administration whose posture is that we *should* export advanced AI chips to China, which also wants to ban… Britain (and every other non-American on Earth)… from using our best models? I have no words. https://t.co/xcJpPVaxsY— Dean W. Ball (@deanwball) June 13, 2026